Vision: So könnte das Areal nach Vorstellung der Zinnwerke-Mieter künftig aussehen. (© Zinnwerke )

Zinnwerke in Wilhelmsburg: Entscheidung über Zukunft rückt näher

Die Zinnwerke in Wilhelmsburg sollen saniert werden. Nur wie? Mit einem eigenen Konzept kämpfen die Künstler und Kreativen, die dort arbeiten, für eine nachhaltige, offene Nutzung. Am 21. März tagt die Bezirksversammlung zur Entscheidungsfindung.

Eigentlich war es eine gute Nachricht, als Innensenator Andy Grote das Versprechen verkündete, dass die Zinnwerke saniert und weiterhin als Raum für Künstler und Kreative zur Verfügung stehen sollen. Das war jahrelang unklar, 2011 sollten die Gebäude geräumt und dort der Opernfundus erbaut werden. Doch nun kam doch das böse Erwachen: Die Hamburg Kreativ Gesellschaft (HKG) wurde beauftragt, ein neues Nutzungskonzept zu erstellen – und die mittlerweile 80 Mieter, allen voran die Video- und Cateringfirma Hirn und Wanst, die in den alten Industrieanlagen und Ateliers, Büros und Werkstätten arbeiten, fühlten sich in dem Prozess außen vor gelassen. Sie wollten mitreden, mitgestalten. Und die Zusicherung, dass sie bleiben können.

Der Streit um die Zinnwerke eskalierte

Der Streit spitzte sich zu. Die Workshops, die die HKG einberief, um eine Beteiligung zu ermöglichen, erschien den Zinnwerkern als Pseudo-Veranstaltung: Zu kurzfristig wurden sie angesetzt "und es war nicht ersichtlich, was konkret mit den Ideen passiert, die an den Abenden erarbeitet wurden", so die Sprecher des Areals. Mangelnde Transparenz sorgte für Unsicherheit. Das Angebot der Zinnwerke-Nutzer, selbst Protokolle zu verfassen, wurde abgelehnt.

Die Heimat: die Wilhelmsburger Zinnwerke. (© Hirn und Wanst )

Die Sorge: Die Kreativ Gesellschaft plant von Null

Die Kritik war offensichtlich berechtigt, denn die Bezirksversammlung beschloss Mitte Dezember 2018 in einer Nachjustierung des Auftrages einstimmig, dass die Kreativ Gesellschaft die Nutzer der Zinnwerke aktiv in den Beteiligungsprozess mit einzubeziehen hätte. "Das ist bis heute nicht geschehen", heißt es in einem Offenen Brief der Kreativen vom 30. Januar 2019 an Bürgermeister Tschentscher. Die Sorge: Die Kreativ Gesellschaft plant von Null und sieht womöglich eine einseitige Nutzung, etwa als Musikzentrum vor, statt das weiter auszubauen, was die Mieter der Zinnwerke in den vergangenen Jahren geschaffen haben. Und das ist vor allem ein sehr diverser Nutzungsmix.

100 Arbeitsplätze, FlohZinn, Bildungskooperationen

In den Zinnwerken gibt es heute mehr als 100 Arbeitsplätze aus den Bereichen Film, Essen und Trinken, Design, Journalismus, Musik, Handwerk, Stadtteil- und NGO-Arbeit (etwa die zivilen Seenotretter von Sea-Watch). In den in den Gebäuden ansässigen Betrieben lernen zwölf Auszubildende und sieben Langzeitarbeitslose wurden über die Zinnwerke in Arbeit gebracht. Und dann wurden nicht zuletzt zahlreiche Bildungskooperationen, das monatliche, (inter)kulturelle Stadtteilfest mit Flohmarkt FlohZinn, die interaktive Kreativ-Plattform "Schau.Spiel.Platz" sowie das Jugendfilmfest Zinnemax etabliert.

Die Nutzer haben ein eigenes Konzept erstellt

Zumindest die letzteren drei, so scheint, sollen definitiv bleiben. Was aber darüber hinaus? Die Nutzer der Zinnwerke nahmen die Sache selbst in die Hand, gründeten den Verein Zinnwerke e.V., bildeten Arbeitskreise und erstellten ein eigenes Konzept, das sie bei der Bezirksversammlung eingereicht haben. Es basiert, so erklärt uns Sprecherin Lena Frommeyer, auf dem, was bereits Realität ist und bezieht die Protagonisten vor Ort ein und ist aber gleichzeitig offen für Neues aus dem Stadtteil sowie Impulse aus ganz Hamburg. Auch Architekten und Stadtplaner sowie Stadtteilschulen und Unis wurden in die Planungen mit einbezogen. "Das sind Partner, mit denen wir bereits zusammenarbeiten und die auch in Zukunft eine Rolle spielen möchten", sagt Lena Frommeyer, die als freie Journalistin in den Zinnwerken arbeitet.

Vision: So könnte das Areal nach Vorstellung der Zinnwerke-Mieter künftig aussehen. (© Zinnwerke )

Die Vision: eine "Halle der Möglichkeiten"

Das Zukunftsszenario der aktuellen Nutzer sieht laut Frommeyer eine große Veranstaltungsfläche, die "Halle der Möglichkeiten" vor, eine Ausbildungsküche und soziale Mensa, offene Gartenflächen und vieles mehr. Wichtig: "Das Ziel ist, die Zinnwerke weiterhin offen zu halten für alle kreativen und sozialen Bereiche sowie Antworten auf Umweltfragen zu finden, die auch global funktionieren können." Das Ganze, so die Vorstellung von Zinnwerke e.V., soll in Selbstverwaltung geschehen – und vor allem auch zu angemessenen Mieten.

Am 21. März 2019 tagt die Bezirksversammlung

Handlungsbedarf gibt es auf jeden Fall: Bei den vernachlässigten Gebäude wurden von den Nutzern, die seit Jahren pünktlich die fällige Miete überweisen, in Eigenregie erste Hilfe geleistet. Es wird aus eigener Tasche ein Hausmeister bezahlt, da der Vermieter, die Sprinkenhof AG, sich nicht um die Instandhaltung kümmerte. Der Vorwurf der Einsturzgefahr wurde durch ein selbst in Auftrag gegebenes Gutachten dementiert.

Wie es am Veringkanal weitergeht, wird sich möglicherweise zeitnah entscheiden: Am 21. März 2019 findet die Bezirksversammlung statt, bei der die Konzepte der Zinnwerke und der Kreativ Gesellschaft auf dem Tisch liegen. Wir halten euch auf dem Laufenden.

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