Katrin Saalfrank )

Zeitlos schön: Ein Hoch auf das neue "Wohlers"!

Gastronom Ivo Delor hat aus der ehemaligen Eckkneipe "Wohlers" in der Thadenstraße ein Restaurant mit Charme und richtig guter Küche gemacht.

Direkt vor dem "Wohlers" begrüßt einen zurzeit eine Baustelle – für den ersten Sommer eines Lokals nicht gerade prickelnd. Doch da die Bauarbeiten am Abend ohnehin still stehen, verzeihen die Gäste glücklicherweise die rot-weißen Absperrungen und kommen trotzdem in Scharen. So wie hier seit kurzem gekocht wird, kann man ohnehin niemandem böse sein.

Seit Mitte März hat das "neue Wohlers" seine Türen für Hamburger Foodies, Genusskinder und Nachbarn geöffnet. Die zehn Wochen davor waren geprägt von interessanten bis wahnwitzig anstrengenden Umbaumaßnahmen. "Wie es immer so ist, war der Umbau natürlich viel umfangreicher als vorab geplant", so "Wohlers"-Besitzer Ivo Delor. "So mussten beispielsweise alle tragenden Fußbodenbalken entfernt und durch neue ersetzt werden. Zudem hat das Haus im Zweiten Weltkrieg einen kleinen Bombenschaden abbekommen. Deshalb ist hier im Grunde nichts gerade. Ich glaube, es gibt in der gesamten Location nicht einen rechten Winkel", erklärt der Restaurantbesitzer lachend.

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Gastronom Ivo Delor hat ein Gespür fürs Viertel

Ivo Delor ist in der Hamburger Gastroszene kein Unbekannter: Die kultige "Bernsteinbar" gehört ihm ebenfalls. Zudem ist er seit langem im Viertel aktiv. Seit über zehn Jahren organisiert er die "große Bühne" beim Bernstorffstraßenfest. Und bei Themen wie dem Abriss des "Studio-Kinos" setzt er sich erfolgreich für den Erhalt solch besonderer Locations ein. Mit jemandem, der so ein Gespür für die Gegend rund um Schanze und Kiez und ein Bewusstsein für ihre Bedeutung hat, hat sich für die Fortführung des "Wohlers" anscheinend der Richtige gefunden. Denn das Restaurant, das sich früher eher wie eine Eck-Kneipe anfühlte, lockt ein paar Monate nach Eröffnung nicht nur neue Kundschaft, sondern auch alte Stammgäste an den Tisch. "Einige von ihnen kommen sogar vier- bis fünfmal pro Woche", erzählt Ivo stolz.

Kleine Küche, überschaubare Karte

Das neue kulinarische Konzept des "Wohlers" scheint bei den Gästen gut anzukommen. "Wir haben eine kleine Küche und dementsprechend eine überschaubare Abendkarte. Was aber natürlich auch zu unserem Anspruch passt, immer frisch und alles selbst zu kochen" so Ivo Delor. "Irgendwelche Pulvergeschichten kommen uns nicht in den Topf." Von Anfang an war ihm und seinem Küchenteam klar, dass es hier vorrangig deutsche Küche geben soll. Bodenständige Gerichte – gut gemacht und schön angerichtet. Dazu gehören zum Beispiel das echte Wiener Schnitzel und die Käsespätzle, die jeden Abend auf der Karte stehen. Welcher Fisch und welches Gemüse auf den Teller kommt, hängt davon ab, was es am Morgen frisch und in guter Qualität auf dem Markt gab. "Wir gestalten unsere Karte möglichst flexibel und kreativ, auch damit wir Gästen, die regelmäßig kommen, immer etwas Anderes bieten können."

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Craft Beer, Weine, hausgemachte Drinks

Doch nicht nur mit der Küche, auch in Sachen Flüssignahrung punktet das "Wohlers" bei seinen Gästen. So gibt es stets verschiedene Biere. Die kleine, aber feine Weinkarte hat Sommelière Stephanie Döring vom Weinladen St. Pauli geschrieben. Und für Fans von fancy Drinks gibt es hier etwas ganz Besonderes: "Alle Aperitifdrinks mit Kohlensäure können wir hier selbst machen", so Ivo Delor. "Durch eine spezielle Anlage karbonisieren wir die Cocktails vor Ort." So kredenzt das Barteam seinen Gästen Drinks wie den "Americano" mit Campari, Wermut und Soda. Der wird vorgemixt und aus dem Keller durch eine gekühlte Anlage zum Tresen hochgeleitet. Sogar die Eiswürfel werden dafür handgeschnitzt.

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Ich wollte etwas Zeitloses schaffen, das der Geschichte der Location und den Stammgästen gerecht wird.

Genießen könnt ihr den in moderner und gemütlicher Atmosphäre. Die petrolfarbenen Wände und die stets frischen Blumen passen perfekt zu den vielen Holzmöbeln. Die Tische und Bänke hat Ivo Delor vom Vorbesitzer übernommen und aufgearbeitet. "Das war ein riesiges Projekt! Ein Team aus befreundeten Handwerkern hat zweieinhalb Monate an denen geschliffen und die totlackierten Stücke wieder zum Leben erweckt", erinnert sich der Gastronom. "Unter einigen alten Polsterungen haben wir Zeitungen aus 1931 gefunden. Das spricht dafür, dass sie schon immer in diesem Lokal stehen." Bis zwei Tage zuvor wurde an den Möbeln gearbeitet. Gelohnt hat es sich auf jeden Fall. Denn wer hier Platz genommen hat und mit gutem Essen und leckeren Drinks vom "Wohlers"-Team verwöhnt wird, möchte so schnell nicht mehr gehen. "Ich wollte aus dem 'Wohlers' keinen durchdesignten Laden machen, sondern etwas Zeitloses schaffen, das der Geschichte der Location und den Stammgästen, die hier bereits seit dreißig, vierzig Jahren reinkommen, gerecht wird."

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Stammgäste und Nachbarn liegen Ivo Delor am Herzen

Die Stammgäste und die Menschen aus der Nachbarschaft liegen Ivo Delor ohnehin besonders am Herzen. "Ich wollte mit einem Laden nie mitten in der Schanze oder auf dem Kiez sein, weder mit der Bernsteinbar noch mit dem 'Wohlers'. Ich finde die Läden, die dazwischen liegen, viel spannender. So habe ich einen direkteren Kontakt zu den Menschen, die im Viertel wohnen und nicht zu den Touristen. Ich versuche im engen Austausch mit meinen Nachbarn zu stehen und erhalte so auch viel ehrliches Feedback. Das ist sehr wichtig für mich!" Ob sich dieses Konzept trotz ständig steigender Immobilienpreise und Konkurrenzkampf im Gastrobereich halten kann, wird die Zukunft zeigen. Wir glauben jedenfalls dran und kommen wieder. Und wieder, und wieder, und wieder.

Info: Thadenstraße 148, 22767 Hamburg, Mo-Fr von 12 bis 1 Uhr, Sa-So von 16 bis 1 Uhr; www.facebook.com/WohlersKneipe

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