In der Koppel 66 haben diverse Künstler und Designer ihre Ateliers. (© M. Schade )

10 Gründe, warum St. Georg ganz furchtbar ist

Es soll wirklich Leute geben, die lieben St. Georg. Wegen seiner Vielfältigkeit, seiner Lebendigkeit, seinen kulturellen Einrichtungen. Also bitte. Wir erklären euch mal, warum dieses Viertel ganz, ganz furchtbar ist.

1. St. Georg: Zentraler geht's kaum

St. Georg liegt mittendrin, im wahrsten Sinne des Wortes. Noch zentraler geht's ja kaum. Der Vorteil an der Lage ist höchstens, dass ihr mit nur wenigen Schritten am Hauptbahnhof seid, wo ihr in den Zug springen könnt, um ganz schnell weit weg zu sein. Die, die da bleiben, müssen es eben ertragen: das bunte Treiben an der Alster und in der Langen Reihe.

2. Segeln? Warum denn segeln??

Segeln ist, als ob man unter der eiskalten Dusche Hundert-Euro-Scheine zerreißt. Das haben nicht wir uns ausgedacht, sondern es ist ein geflügeltes Wort unter Seglern. Und warum sollte das dann jemand lernen wollen? Vielleicht, weil es unglaublich schön und entspannend ist, übers Wasser zu gleiten – ganz entspannt oder vielleicht auch sportlich – und die Stadt aus einem anderen Blickwinkel zu sehen? Pfff.

St. Georg hat grauenvollerweise gleich zwei Segelschulen an der Alster, die zur Ausübung dieses Sports verleiten könnten: Pieper und Prüsse. Dazu auch noch den Hamburger Segel Club. Als wäre es nicht schon blöd genug, dass dieser doofe See den direkten Weg nach Eppendorf unmöglich macht. Nein, wir müssen auch noch den Anblick ertragen, wenn an einem lauen Sommerabend weiße Segel auf dem Wasser flattern. Am besten auch noch direkt vom Steg des Café Prüsse aus. Ekelhaft, diese Romantik.

3. Luicella's an der Langen Reihe: I scream?!

An schönen Tagen reicht die Schlange vor Luicella's in der Langen Reihe gefühlt bis an die Alster. Moment mal bitte? Muss man das verstehen? Es ist doch einfach grässlich, wie zartschmelzend das Eis im Mund zergeht und dabei die Geschmacksknospen zum Samba tanzen bringt. Es macht nämlich Lust auf mehr. Und das ist kalorientechnisch definitiv nicht vertretbar.

4. Koppel 66: Ist das Kunst oder kann das weg?

Es ist ja ein geflügeltes Wort, dieses: Ist das Kunst oder kann das weg? Dabei stellt sich diese Frage ja nun wirklich nicht. Weg damit, klar! Auch das spricht gegen St. Georg – hier wimmelt es ja nur so von Künstlern und Kunsthandwerkern. Es gibt sogar ein ganzes Haus voll davon, die Ateliergemeinschaft Koppel 66. Wer braucht schon einen handgefertigten Hut, wunderschönen Schmuck oder edles Schreibgerät? Gemälde oder einen maßgeschneiderten Anzug? Und das Café im Erdgeschoss – da gibt's noch nicht einmal Fleisch. Tss.

5. Deutsches Schauspielhaus und Ohnsorg Theater

Theater hält der Gesellschaft einen Spiegel vor. Mag ja gut und wichtig sein, vielleicht auch aufwühlend, inspirierend oder einfach nur unterhaltsam. Und? Gibt doch schließlich auch noch die Glotze. Und in den gesellschaftlichen Spiegel schauen ist sowieso keine gute Idee, lasst uns doch lieber alle weggucken. Dass das Deutsche Schauspielhaus das größte deutsche Sprechtheater ist – na und? Und das Plattdeutsche, das das Ohnsorg Theater so vergnüglich am Leben hält, gehört doch sowieso schon längst in die Mottenkiste. Sprache geht doch heutzutage ganz anders, LOL. Oder können die auch in Hashtags sprechen?

6. Eine Lange Reihe von Kneipen, Cafés und Bars

Da loben wir uns doch Viertel, in denen es genau eine Kneipe gibt. Die Vorteile liegen auf der Hand: Ihr müsst nicht lange überlegen, wo ihr hingehen und wollt und trefft garantiert jemand Bekanntes. In St. Georg sieht die Sache ganz anders aus. Dutzende Cafés, Bars und Kneipen reihen sich hier aneinander. Vor allem die Lange Reihe ist ein Ärgernis: Die Auswahl an Lokalitäten ist einfach überfordernd. Und im parallelen Steindamm gibt's auch noch diese ganzen fantastischen orientalischen Restaurants, in denen ihr syrisch, afghanisch, türkisch oder sonstwas essen könnt.

7. Savoy: So ein (Film-)Theater

Eine Riesenleinwand. Gemütliche Sessel. Und dann auch noch ein Programm, das nicht 08/15 ist: Previews in der Originalfassung, Livestreams von englischen Theater-Produktionen, das Fantasy Filmfest. Manche der Filme werden sogar im 70-Millimeter-Format gezeigt, das gibt es sonst nirgends in Hamburg. Dieser extreme visuelle Eindruck mitsamt der hervorragenden Akustik kann sensible Gemüter durchaus mal zu sehr aufregen und beeindrucken. Ein Wunder, dass das Savoy Filmtheater noch nicht wegen Gefährdung der öffentlichen Emotionalität geschlossen wurde.

8. Udo Lindenberg wohnt da im Hotel Atlantic

Dieser Punkt spricht wohl für sich und muss nicht weiter ausgeführt werden.

9. Museum für Kunst und Gewerbe

Für Museen gilt ähnliches wie für die Theater: braucht heutzutage kein Mensch mehr. Gibt doch schließlich das Fernsehen mit spannenden Quiz-Sendungen, in denen sich vieles lernen lässt? Und dann auch noch gerade Kunstgewerbe. Antikes Porzellan. Briefmarken. Olle Mode, Designobjekte und Musikinstrumente. Also wirklich. Warum nicht gleich noch antiken Kram dazustellen? Ach so, gibt's da auch zu sehen, sogar irgendeinen 7.000 Jahre alten anatolischen Keramikbecher. Wesentlich interessanter wäre doch zu wissen, wie Paris Hiltons Kaffeepott aussieht. Das sind Dinge, die die Welt bewegen.

10. Kanns nicht etwas konformer sein?

St. Georg ist bunt. Uäääh. Was soll der ganze Regenbogen-, Diversitäts- und Multikultikram? Einheitsgrau ist doch auch ein herrlicher Farbton. Wir fordern langweilige Uniformität. Für alle, sofort und überall.

Ja, stimmt: Das alles ist selbstverständlich nicht ernst gemeint, im Gegenteil. Wir lieben St. Georg, genau so bunt, divers und vielfältig, wie es ist. Mit all seinen internationalen Ecken, der Alster, den Theatern, Museen und Künstlern. Aber St. Pauli ist wirklich ganz grauenvoll, die Schanze ist ganz furchtbar, Eppendorf ist noch viel schlimmer und Winterhude schießt den Vogel ab. Oder?

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