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Wohnhaus der Familie Schmidt: Der Ort, an dem unser Gewissen zu Hause war

Loki und Helmut Schmidt haben wie kaum ein anderes Paar auf dieser Welt Spuren hinterlassen. Das gilt für Deutschland, aber ganz besonders für Hamburg. Ein Blick ins Wohnhaus der Schmidts in Langenhorn lohnt sich.

Als Helmut Schmidt vor drei Jahren verstarb, blieb für alle Hamburger kurz die Zeit stehen. Auch wenn die Nachricht von seinem Tod nicht überraschend kam - immerhin hatte der Altbundeskanzler stets eine Menthol-Zigarette in der Hand und war schon 96 Jahre alt - löste sie doch überall in der Bundesrepublik tiefe Bestürzung aus. Tagelang liefen im Fernsehen und Radio Berichte über das Leben und Schaffen von Helmut und Loki Schmidt († 2010). Auch nach dem Ende seiner Kanzlerschaft Anfang der 80er Jahre verschaffte sich Helmut Schmidt immer wieder Gehör als Herausgeber der ZEIT und mischte sich ins politische und gesellschaftliche Geschehen ein. Für viele galt er damit als Gewissen Deutschlands. Doch von nun an ruhte diese moralische Instanz für immer.

Mittlerweile können Interessierte den Ort, an dem das Gewissen zu Hause war, besuchen - zumindest virtuell.

Alle Gegenstände wurden penibel dokumentiert

1992 gründeten die Eheleute Schmidt anlässlich ihrer Goldenen Hochzeit die Helmut und Loki Schmidt Stiftung. Die sollte sich nach deren Ableben um das Anwesen kümmern und das Haus für die Öffentlichkeit öffnen. Das hat sie seitdem - mit gewissen Einschränkungen - auch getan. Vom Diplomatengeschenk über die zahlreichen Aschenbecher bis hin zum liegen gelassenen Taschentuch wurde alles dokumentiert und in eine Datenbank eingetragen. Alles wurde genau so belassen, wie es von Helmut Schmidt am 10. November 2015 hinterlassen wurde.

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Ein Museum soll aus dem Haus aber nicht werden, dafür ist die Einrichtung zu empfindlich. Bei einer Öffnung für die Massen würde vieles schnell verschleißen. Ab 2019 soll es dennoch vereinzelte Führungen etwa für Schüler- und Studierendengruppen geben.

Rundgang durchs Haus der Schmidts

Für alle anderen bietet die Stiftung mittlerweile einen virtuellen Rundgang auf ihrer Website an. Wie bei Google Street View könnt ihr euch über das Gründstück bewegen und an einzelne Stellen heranzoomen. Dazu gibt es allerhand Infos zu den Gemälden, Fotos, Büchern und sonstigen persönlichen Gegenständen.

Künftig soll dieser Ort vor allem der Forschung dienen. Ganz im Sinne der beiden Stifter sollen die Wirkungskreise von Loki und Helmut Schmidt in Politik und Gesellschaft wissenschaftlich erschlossen werden. Schließlich muss auch die Herkunft zahlreicher Gegenstände noch erforscht werden. Kein leichtes Unterfangen in einem vor so viel Geschichte strotzenden Haus. Fast ist es so, als wäre auch hier die Zeit stehen geblieben.

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