Herrlich stilvoll antiquiert: Saal 1 im Passage Kino. (© Passage Kino )

Wo Vergangenheit lebendig wird: das Passage Kino

Mitten in der Mönckebergstraße befindet sich Hamburgs ältestes Kino. Im traumhaft schönen Art-déco-Ambiente der drei Säle könnt ihr vor allem anspruchsvolle Independent-Filme genießen.

Goldene Strukturtapeten, roter Samt, schwarz polierte Flächen: Wer das Passage Kino betritt, betritt eine andere Zeit. Eine längst vergangene, in der Bewegtbilder noch eine Sensation waren. Genauer: das Jahr 1913. Denn damals wurde das Lichtspielhaus eröffnet. Das erste Großraumkino Hamburgs, das noch heute in jeder Ecke die zeitlose Eleganz des Art déco atmet.

Startenor Caruso meckerte bei der Eröffnung

Ruckelige, flackernde Schwarz-Weiß-Bilder zogen damals über Leinwand – eine Sensation, waren die "Films" bis dahin doch nur in Lokalen zu sehen. 1.000 Sitzplätze, edle Ausstattung, formidable Lage am gerade neuen Prachtboulevard: Entsprechend prunkvoll sollte die Eröffnung sein. Startenor Enrico Caruso höchstpersönlich sollte für erhebenden musikalischen Genuss und den gewissen Glamour-Faktor sorgen. Das gelang nicht ganz, denn tatsächlich mokierte sich der Sänger über die Musiker im Orchestergraben: "Nicht eben sehr leise rief Caruso ,Bääh!’ und hielt sich die Ohren zu, bis die Gefahr vorüber war", berichtete seinerzeit das "Fremdenblatt". Ein schlechtes Omen, dieser wenig glanzvolle Startschuss? Keineswegs. Das Passage Kino wird zur festen Institution in der Stadt, die nicht mehr wegzudenken ist – bis heute.

1929: Der erste Tonfilm löst einen Ansturm aus

Ein Paukenschlag war der erste Tonfilm, der 1929 über die Leinwand in der Mönckebergstraße flimmerte – oder vielmehr ein Film, bei dem stumme Sequenzen und Musikstücke einander abwechselten. Nichtsdestotrotz haute "The Singing Fool" von Lloyd Bacon, eine rührselig-dramatische Geschichte um einen singenden Kellner, die Hamburger um: Das Passage war über Wochen ausverkauft.

Ein Vorzeigekino der Nazis

Was folgte, ist eine weniger schöne Geschichte: Zur Nazizeit gehörte das Passage, das von einem Juden gegründet wurde, zwei Hitlertreuen, die das Kino brav zur Verbreitung nazigenehmer Inhalte nutzten – ein Vorzeigekino für die NS-Eliten. Den Zweiten Weltkrieg und die Bombardierung überstand das Lichtspielhaus quasi unbeschadet, sodass die Briten es für sechs Jahre begeistert beschlagnahmten.

Vorführungsraum Nr. 2: der Hanse Saal. (© Passage Kino )

Glanzzeit des Passage in den 50er-Jahren

Doch dann die 50er-Jahre. Wirtschaftswunder, Aufschwung, Hoffnung – und eine Technik, die mittlerweile großartigen Kinogenuss möglich machte. Die Filmwelt und damit auch das Passage Kino erlebte erneut eine Glanzzeit, mit vielen Uraufführungen, bei denen Stars in großer Garderobe über den roten Teppich stolzierten: Hans Albers selbstverständlich, auch Heinz Rühmann, Hildegard Knef und viele andere.

Das Fernsehen läutet den Niedergang ein – vorübergehend

So hätte es weitergehen können. Wäre da nicht eine erneute technische Errungenschaft dazwischengekommen: die Glotze. Filme konnte man nun ganz gemütlich zuhause gucken, zunächst freilich noch in mieser Qualität und mit sehr reduzierter Auswahl. Doch dann kamen die Privatsender, schließlich die Streaming-Dienste. Die Zuschauerzahlen schrumpften, Kino um Kino starb dahin. Auch für das Passage Kino schien das Aus unvermeidlich – bis der schwäbische Kino-Mogul Heinz Lochmann das traditionsreiche Haus im Jahr 2009 übernahm und schwindelerregende 1,7 Millionen Euro darin investierte.

Der Studio Saal mit Art-Déco-Blickfang. (© Passage Kino )

Jährlich rund 200.000 Kinobesucher

Blanker Wahnsinn angesichts der schwierigen Kino-Zeiten? Könnte man meinen. Doch mit seinem unvergleichlichen Flair in den drei Kinosälen und dem Foyer sowie dem ansprechenden Programm aus guten Independent-Filmen lockt das Passage jedes Jahr 200.000 Besucher an. Mehr, als selbst Lochmann gehofft hatte.

Infos: Passage Kino, Mönckebergstraße 17, 20095 Hamburg

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Die besten Kinos in Hamburg

Das Passage Kino ist nicht das einzige in unserer schönen Stadt, das viel zu bieten hat: Das sind die besten Kinos in Hamburg. Oder lest etwas ausführlicher mehr zum Savoy Filmtheater, dem Metropolis Kino, dem Abaton Kino oder den Zeise Kinos.

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