Streitpunkt Mühlenkampkanal: Hier sollen 100 Wohnungen gebaut werden. Robert Vogel GmbH & Co KG )

Wiese oder Wohnungen? Bürgerentscheid zum Mühlenkampkanal

Winterhude soll wachsen: Doch bevor 100 neue Wohnungen an der Dorotheenstraße gebaut werden, gibt es einen Bürgerentscheid. Bis 6. Dezember könnt ihr über das neue Wohnviertel am Mühlenkampkanal abstimmen .

Wiese oder Wohnungen? Eine Frage, die vielerorts bewegt. Immer dann, wenn Investoren mit Baggern anrücken wollen. Wie jetzt in Winterhude, genauer gesagt am Mühlenkampkanal. Dort will die Robert Vogel KG rund 100 Wohnungen hochziehen. Dringend benötigt und vor allem bezahlbar, wie der Bauherr stets betont. Doch das nimmt ihm nicht jeder ab. Gegner des Projekts vermuten, dass anfänglich moderat angesetzte Mieten explodieren, wenn die siebengeschossigen Blöcke erst einmal stehen. Sie haben Unterschriften gesammelt, mehr als 10.000 an der Zahl. Weil das gelang, haben die Menschen im Bezirk Hamburg-Nord die Chance, mal wirklich mitzureden - beim Bürgerentscheid.

Ihr seid einer von 250.000 Hamburgern, die in den letzten Tagen die Abstimmungsunterlagen in der Post hatten? Dann habt ihr bis zum Nikolaustag Zeit, euch für oder gegen das Bauvorhaben zu entscheiden. Der Investor plant auf einem Grundstück zwischen Dorotheenstraße und Mühlenkampkanal mehrere siebenstöckige Gebäude. Neben drei Hochhäusern, die es bereits seit rund 50 Jahren auf dem Areal am Kanal gibt.

Erfolgloser Kampf um einen Kompromiss

Seit 2017 wird über das Bauprojekt gestritten. Allerdings wurde nicht nur über-, sondern auch miteinander geredet. Investor und Vertreter der Bürgerinitiative saßen am Verhandlungstisch. Politiker setzten sich für einen Kompromiss ein. Doch die Verhandlungen scheiterten. Nach vier Monaten intensiven Ringens um einen guten Kompromiss sei die Enttäuschung zu groß gewesen, weil immer noch über Bebauungsalternativen mit bis zu siebengeschossigen Gebäuden auf dem Grundstück gesprochen werden sollte. Echtes Entgegenkommen sei weder seitens des Investors noch der Politik zu erkennen gewesen, so die Bürgerinitiative.

Dorotheen-Kai: Bezahlbarer Wohnraum für Winterhude?

Deren Mitglieder hatten für die neuen Häuser eine Höchstgrenze von drei Geschossen plus Staffelgeschoss gefordert. Vergeblich. Auch seien die günstigen Mieten, mit denen der Investor werbe, nur für fünf Jahre festgeschrieben. Da die Mietpreisbremse für Neubauten nach 2014 nicht gelte, könnten die Mieten bei Neuvermietung nach fünf Jahren explodieren. Dem stehen Argumente des Bauherrn gegenüber, die weite Teile der Politik überzeugt haben. Angesichts der dramatischen Situation auf dem Hamburger Wohnungsmarkt ist die Aussicht auf eine Anfangskaltmiete von knapp neun Euro eben ein echter Köder. Zudem soll das Ufer des Mühlenkampkanals erstmals überhaupt öffentlich zugänglich gemacht werden.

Bis zum 6. Dezember läuft die Abstimmung. Eine einfache Mehrheit reicht, um das Bauvorhaben in seiner jetzigen Form zu stoppen. Doch das wäre keinesfalls gleichbedeutend mit einem endgültigen Aus für das Projekt. Vielmehr könnte der Investor in zwei Jahren wieder auf der Matte stehen, dann liefe die Sperrfrist aus.

Bürgerentscheid am 6. Dezember: So könnt ihr abstimmen

Die Bürgerinitiative jedenfalls trommelt für ihr Anliegen. Es gehe um Lebensqualität statt Nachverdichtung. Gegen Häuserschluchten am Kanal. 100 Bäume seien gefährdet. Doch auch der Investor macht mobil, wirbt im Internet offensiv für sein Projekt, das er Dorotheen-Kai nennt.

Wer die Abstimmungsunterlagen noch nicht bekommen hat, den bittet das Bezirksamt Hamburg-Nord, sich unter der Telefonnummer 040 / 4 28 04 24 00 zu melden. Bis Donnerstag, 6. Dezember, um 18 Uhr müssen die ausgefüllten Unterlagen per mitgelieferten, portofreiem Rückumschlag dann wieder im Bezirksamt sein. "Wer nicht per Brief abstimmen möchte, kann dies am 6. Dezember bis 18 Uhr persönlich in den Kundenzentren Hamburg-Nord, Langenhorn und Barmbek-Uhlenhorst tun", sagt Daniel Gritz, Sprecher des Bezirks Hamburg-Nord. Und so tatsächlich einmal so richtig bei der Stadtentwicklung mitmischen. Wiese oder Wohnungen?

Für: www.dorotheenstrasse.hamburg
Wider: www.sos-muehlenkampkanal.de

Noch mehr Bauprojekte in Hamburg

Mit dem Stadtquartier Unnastraße gibt es auch in Eimsbüttel ein Mega-Bauprojekt – hier sollen bis zu 900 Mietwohnungen entstehen. Ob der geplante riesige Prestigebau am Finkenwerder Elbufer auch Wohnungen bieten wird, ist indes noch unklar. Klar ist: Es könnte das höchste Gebäude südlich der Elbe werden.

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