Das Hauptgebäude der Universität Hamburg (© UHH/Schell )

Warum heißt Rotherbaum eigentlich Rotherbaum?

Aaaach, denkt ihr jetzt wahrscheinlich: Da stand früher bestimmt eine große Blutbuche oder Zierpflaume herum. Von wegen. Der Name dieses Viertels hat einen ganz anderen Ursprung.

Machen wir eine Zeitreise ins Mittelalter. Hamburg ist von den Wallanlagen geschützt, der Zugang ist nur durch die Stadttore möglich. Im Norden war das Dammtor – heute ist davon nichts mehr zu sehen. Von dort aus führte eine Chaussee in Richtung Eppendorf. Als zusätzlichen Schutz gab es an dieser Straße am Übergang über das Bächlein Hundebek einen vorgelagerten Wachposten, der – tadaaa! – einen roten Schlagbaum hatte. Daher der Name des Stadtteils Rotherbaum, früher auf niederdeutsch Rothenboom. 1871 wurde Rotherbaum ein Vorort Hamburgs, 1894 dann ein Stadtteil.

Rotherbaum ist (und war) eines der reichsten Viertel Hamburgs

Heute ist Rotherbaum (und zwar sowohl der eng umrissene Stadtteil wie auch das größere Quartier rund um die Rothenbaumchaussee, das genauso genannt wird) eines der reichsten Stadtviertel Hamburgs. Neben prachtvollen Villen sind hier auch viele diplomatische Vertretungen und auch die Uni Hamburg zu Hause. Das war schon anno dazumal so: Vor dem Dammtor, auf den Alsterwiesen, hatten wohlhabende Hamburger Kaufleute ihre Landhäuser und Sommergärten. Diese Häuser wurden allerdings Anfang des 19. Jahrhunderts, nach dem Ende der Befreiungskriege nach der Franzosenzeit, zerstört.

John Fontenay kaufte viele Ländereien vor dem Dammtor

John Fontenay, Schiffsmakler und Namensgeber diverser Straßen und Bauten, kaufte um 1816 viele vor dem Dammtor gelegenen Ländereien. Nach der Aufhebung der Torsperre 1860 wurden dann auf den lauschigen Alsterwiesen östlich der Rothenbaumchaussee zunehmend prachtvolle Sommerresidenzen gebaut, in die die reichen Hanseaten aus der Enge der überfüllten, in die Stadtmauern gequetschten Stadt flüchteten. Westlich davon, im heutigen Grindelviertel, entstanden eher Etagenhäuser.

Im Grindelviertel lebten viele Juden

Hier, am Grindel, wurde 1919 die Universität gegründet; der Hauptstandort der mittlerweile als "exzellent" eingestuften Lehranstalt ist immer noch hier. Nach und nach war das Viertel, in dem auch das Abaton Kino seit rund 50 Jahren eine Institution ist, deshalb immer stärker studentisch geprägt. Bis in die 1930er-Jahre lebten hier aber auch viele Juden, es gab mehrere Synagogen in Rotherbaum – bis die Nazis sie zerstörten und viele der Juden deportieren. Zahlreiche Stolpersteine im Viertel und der Platz der jüdischen Deportierten neben dem Hauptgebäude der Universität erinnern an diese Vergangenheit.

Der Stadtteil Rotherbaum in Zahlen

Einwohner: 16.875, davon 51,5 Prozent weiblich und 48,5 Prozent männlich, 17,1 Prozent ausländischer Herkunft (Hamburger Durchschnitt: 50,8/49,2/16,9 Prozent)
Durchschnittsalter: 41,4 Jahre (Hamburger Durchschnitt: 42,1 Jahre)
Einpersonenhaushalte: 65 Prozent (Hamburger Durchschnitt: 54,4 Prozent)
Haushalte mit Kindern: 13,1 Prozent (Hamburger Durchschnitt: 17,8 Prozent)
Arbeitslosenquote: 2,5 Prozent (Hamburger Durchschnitt: 4,8 Prozent)
Durchschnittseinkommen pro Jahr (Stand 2013): 68.191 Euro (Hamburger Durchschnitt: 39.054 Euro)

Wenn nicht anders gekennzeichnet: Stand 31.12.2018.

Hamburger Historie

Essen gehen in Rotherbaum, das klingt eher nach gehobenen Restaurants. Doch vor allem im Grindelviertel gibt's auch viele Imbisse: die besten Döner in Rotherbaum. Falls euch die Historie anderer Stadtteile auch interessiert: Hammerbrook, Barmbek, Blankenese, Othmarschen.

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