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Von wegen Müll: Ein nachhaltiger Kreislauf, der was nützt

Der Verein Nutzmüll bietet Langzeitarbeitslosen eine Perspektive und sorgt gleichzeitig für eine nachhaltige Abfallwirtschaft.

Behutsam streicht Kamal Mousavy Nejad über die quadratische Holzkiste, die er vor Kurzem entworfen hat. Oben auf dem Schiebedeckel hat er ein Schachbrettmuster und innen ein Backgammon aus Holzresten angefertigt. Lächelnd dreht er den Deckel um, dort ist ein „Mensch ärgere dich nicht“-Spiel aufgezeichnet für eine weitere Spielvariante.

Seit 1984 haben bei dem gemeinnützigen Verein "Nutzmüll" Langzeitarbeitslose wie Kamal Mousavy Nejad die Möglichkeit, einer regelmäßigen Tätigkeit nachzugehen. In der Tischlerei von Angelika Schröder reparieren die Teilnehmer zum Beispiel kaputte Möbel und arbeiten altes Holz wieder auf oder bauen etwas ganz neues Nützliches – wie den hölzernen Spielekasten. Zurzeit sind insgesamt 200 Menschen bei der engagierten Institution beschäftigt, viele von ihnen sind schwerbehindert. Für sie ist es besonders schwierig, eine Arbeit zu finden.

(© Susanne Schneider )

Wir geben alten Dingen wieder einen Sinn

Der Standort von Nutzmüll befindet sich auf einem Gewerbehof, wie sie in Ottensen und Bahrenfeld ganz typisch sind. In der Gegend um die Boschstraße gibt es etliche solcher Areale. Hier ist viel Raum für all die Dinge, die nicht mehr gebraucht werden, und bei Nutzmüll direkt abgegeben werden können. Größere Mengen werden von den Mitarbeitern aber auch bei den Spendern abgeholt.

„Wir geben alten Dingen wieder einen Sinn“ heißt das Motto des Vereins, der aus einer Bürgerinitiative hervorgegangen ist. Diese wollte eine Alternative zur Wegwerfgesellschaft schaffen. Ziel ist ein nachhaltiger Verwertungskreislauf. Es sollen möglichst viele wiederverwertbare Dinge gesammelt und recycelt werden, um Müll zu vermeiden.

Es geht auch um soziale Integration.

Aber auch die Verbesserung der Lebensqualität von sozial benachteiligten Menschen stand von Anfang an auf dem Programm. „Es geht nicht nur um eine Beschäftigung und die berufliche Qualifizierung von Langzeitarbeitslosen und Schwerbehinderten", erklärt Uwe Emmenthal, der bei Nutzmüll für das Personal und die Organisation zuständig ist, „sondern auch um ihre soziale Integration.“ Im Laufe von dreißig Jahren sind insgesamt sieben verschiedene Projekte entstanden, in denen Arbeitslose ihre Fähigkeiten einsetzen können oder sich in neuen Fertigkeiten ausprobieren können. Inzwischen wird Nutzmüll als Arbeitsgelegenheit überwiegend über die Arbeitsagentur finanziert.

Fast alles wird wieder genutzt

Im Erdgeschoss des alten Fabrikgebäudes befindet sich die Sammelstelle, wo alles abgegeben werden kann, wie Bücher, Computer, Schulranzen, Vollholzmöbel, Fahrräder, Bettwäsche, Stoffe und Kleidung. Die Kleidung wird entweder an Hanseatic Help weitergegeben, wenn sie noch tragbar ist, oder aus den Stoffen werden in der Textilwerkstatt im zweiten Stock ganz neue Kleider, Oberteile für Erwachsene und Kinder sowie robuste Taschen und Rucksäcke genäht.

(© Susanne Schneider )

Auch die Fahrradwerkstatt in der geräumigen Halle hat genug Platz für all die vielen Fahrräder, die bei Nutzmüll gesammelt werden. Hier werden sie repariert oder aus einzelnen Teilen werden ganz neue Fahrräder zusammengesetzt. Ordentlich aufgereiht stehen die fertigen und verkehrstüchtigen Holland-, Sport- und Rennräder zur Abholung bereit.
Von dem nachhaltigen Kreislauf bei Nutzmüll profitieren nicht nur die Umwelt und die Arbeitslosen mit einer sinnvollen Perspektive, sondern auch Menschen mit geringem Einkommen, die alles was bei Nutzmüll entsteht, mit einem Bedürfnisnachweis günstig einkaufen können.

Mehr Infos: www.nutzmuell.de

Autorin: Angela Kalenbach

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