(© Philip Bischoff )

Vom Abriss bedroht: Was wird aus der Sternbrücke?

Die Bahn will die denkmalgeschützte Sternbrücke abreißen. Jetzt wehrt sich der Hamburger Denkmalverein und hält dagegen, um ein Stück Stadtgeschichte zu retten. Eine Bestandsaufnahme.

Kein Hochglanz und auch nicht herausgeputzt ist die Ecke, wo die Max-Brauer-Allee die Stresemannstraße kreuzt. Dafür viel Graffiti an den Häuserwänden hinter denen einige der wichtigsten Hamburger Clubs zuhause sind. Die Astra Stube, das Fundbureau und Waagenbau sitzen direkt unter oder an der Sternbrücke. Ihr Mietvertrag läuft im kommenden Jahr aus und sollte die Bahn ihr Vorhaben, die Sternbrücke abzureißen, durchsetzen, müssen auch sie ihren Platz räumen. Gegen die Zerstörung der 1925/26 erbauten und unter Denkmalschutz stehenden Konstruktion wehrt sich jetzt der Denkmalverein Hamburg.

Bereits seit 2005 plant die Bahn, die Sternbrücke abzureißen und durch eine neue Konstruktion zu ersetzen. Aber auch die Verkehrsbehörde habe schon lange ein Problem mit der Verkehrssituation an der Kreuzung, wie Kristina Sassenscheidt vom bürgerschaftlich organisierten Denkmalverein erklärt. "Es gibt von Seiten der Behörde die Sorge, dass die Brückenpfeiler auf der Straße ein Sicherheitsrisiko darstellen", sagt sie "Allerdings besteht diese Situation seit über neunzig Jahren, ohne dass jemals etwas passiert ist." Eng ist sie schon, die Passage unter der Brücke. Und oft auch eher schleppend als flüssig schiebt sich der Verkehr darunter durch. Doch vor allem ist diese Ecke von einer besonderen Atmosphäre geprägt – durch das Erscheinungsbild und ihre Geschichte, die sich auch in den Namen der ansässigen Clubs wiederfindet.

Städtebaulicher Kollateralschaden?

Das Fundbureau war tatsächlich einst das Fundbüro der Bundesbahn und im Waagenbau saß ehemals eine Firma, die, es liegt auf der Hand, Waagen gebaut hat. "Was die wenigsten wissen, es geht nicht nur um das historische Brückenensemble, sondern es sollen auch die ganzen Altbauten abgerissen werden, die an die Brücke angrenzen", erzählt Kristina Sassenscheidt. "Ein Brückenneubau würde einen erheblichen städtebaulichen Kollateralschaden erzeugen." Denn diese Ecke sei wichtig für die Identität von Altona und St. Pauli. Im Zuge eines Neubaus müsse auch die Bauwagensiedlung "Zomia" den Platz räumen, da die Bahn das Grundstück für die Baustelleneinrichtung benötige, wie die shz schreibt. Auch eine spätere Rückkehr sei nicht möglich, da die Saga die Fläche gekauft habe und diese bebauen will.

Endgültig ist der Abbruch noch nicht entschieden. Ob die Brücke und die alten Häuser weichen müssen, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Aktuell wird noch einmal mit einem Gutachten geprüft, inwiefern eine Erhaltung der Brücke möglich ist. Die Positionen sind klar: Das Denkmalschutzamt geht davon aus, dass die Brücke aus hochfestem Stahl erhalten werden kann, die Bahn nicht.

Kristina Sassenscheidt vom Hamburger Denkmalverein (© Olaf Ballnus )

Doch stillhalten bis die Entscheidung fällt, will der Denkmalverein auf gar keinen Fall. Mit Veranstaltungen vor Ort und Führungen durch die Gebäude, sollen die Öffentlichkeit und allen voran die Hamburger darauf aufmerksam gemacht werden, dass wieder ein Stück Stadtgeschichte von der Abrissbirne bedroht ist. "Mit den Veranstaltungen wollen wir überhaupt erst ein Bewusstsein schaffen", erklärt Kristina Sassenscheidt. "Denn ohne öffentliche Aufmerksamkeit kann kein politischer Wille für eine Erhaltung entstehen."

Prominente Fürsprecher für den Erhalt der Brücke

Den Anfang machte am 6. Februar "Flexibles Flimmern", in dessen Rahmen Veranstalter Holger Kraus ältere Filme an ungewöhnlichen Orten zeigt. Er unterstützt den Verein, in dem er an vier Abenden "Kurz und schmerzlos" vorführte. Der Film aus dem Jahr 1998 wurde von Fatih Akin gedreht, Adam Bousdoukos spielte eine der Hauptrollen. Die Vorstellungen waren restlos ausverkauft und die Führungen im Vorfeld gut besucht. Am ersten Abend war der Schauspieler während der Vorführung anwesend. "Mittendrin rief ihn Fatih Akin an und ist dann spontan hergekommen", erzählt Kristina Sassenscheidt.

Akins Filme sind bekanntermaßen oft eng mit Hamburg und vor allem Altona verbunden. Dass sein Herz für die Stadt schlägt, hat er nach dem Film noch einmal deutlich gemacht. Beide, sowohl Fatih Akin als auch Adam Bousdoukos, haben klar Stellung dazu bezogen, wie sehr sich Hamburg in den vergangenen Jahrzehnten durch Abrisse verändert habe und dass viele prägende Orte dadurch verschwunden seien. "Mit Fatih Akin und Adam Bousdoukos haben sich zwei prominente Künstler für die Erhaltung der Brücke positioniert", erzählt Kristina Sassenscheidt. "Ich bin mir sicher, dass gerade aus der Kulturszene noch weitere hinzukommen werden, weil die Sternbrücke für viele ein wichtiges Stück Altona ist." An diesem Beispiel zeigt sich wieder einmal mehr, dass vor allem Orte, die Geschichte in sich tragen, Identität schaffen können und somit das Stadtbild und das urbane Leben der Hamburger prägen.

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