(© Caro Ernestus )

Uni Hamburg: Wie Studenten ehrenamtliches Engagement lernen

Die Dozentin Cornelia Springer ist Leiterin der Projekte „Refugees welcome – aber wie?“ und “Hamburg für alle – aber wie?” an der Uni Hamburg. Sie hat ein Programm für Studierende geschaffen, das sie auf ehrenamtliches Engagement vorbereitet und darin unterstützt. Ein Porträt.

Cornelia Springer hat hohe Ideale und immer Schokokekse in ihrem kleinen Büro im Hauptgebäude der Uni. Die Ideale sind ihre Leidenschaft und die Kekse sind für ihre Mitarbeiter. Hinter ihrem Schreibtisch wirkt die junge Frau eher zart und zurückhaltend, doch wenn sie anfängt zu reden, spürt man ihre Entschlossenheit.

Für die Dozentin stehen Menschen im Fokus, nicht Universitäten und dafür arbeitet sie hart. Mit ihrem Studium der interkulturellen Germanistik, “weiß man zwar, wie Kulturen funktionieren, kann das alles aber an Unis nur theoretisch weitergeben.” Das ist ihr zu wenig, sagt die 34-Jährige. Deswegen hat sie hat ein Qualifizierungsprogramm an der Uni Hamburg geschaffen, bei dem Studierende sich ehrenamtlich engagieren können und damit ihre nötigen Credit-Points sammeln.

Ich möchte gemeinnützig arbeiten

Geboren in Süddeutschland, hat sie ihr Weg über Tokio, Südkorea und Frankfurt nach Hamburg geführt. Dass die Lehrtätigkeit sie nicht allein zufrieden stellt, wurde ihr schnell klar. “Mir ist Geld nicht so wichtig, ich möchte gemeinnützig arbeiten und etwas Gutes tun”, sagt Cornelia.

Mit diesen Ansätzen landete sie zwangsläufig im Stiftungsbereich und arbeitete drei Jahre lang an interkulturellen Projekten für mehrere Schulen in Frankfurt. Als die Hamburger Uni an ihre Tür klopfte, zögerte Cornelia nicht lange: “Die Nähe zu den lokalen Playern ist die Sexyness an Hamburg.” Dass sie hier in kurzer Zeit viele Menschen erreichen könne, die ihre Projekte vorwärts bringen können, gefiele ihr sehr gut.

Integration betrifft die ganze Gesellschaft

2015 beauftragte die Uni Hamburg sie mit der Organisation einer Ringvorlesung und sie machte daraus ein Projekt, das über die theoretisch-akademische Herangehensweise hinausgeht. „Refugees welcome – aber wie?“ ist eine Mischung aus akademischen Inhalten und praxisorientierten Projekten, bei dem die Studierenden auf die Arbeit im ehrenamtlichen Bereich vorbereitet und darin unterstützt werden.

Das Projekt solle eine Brücke zwischen Universität und Gesellschaft schlagen, sagt sie. Die Studenten arbeiten mit Behörden, Initiativen und NGOs in realen Projekten zusammen und ergänzen diese durch ihren akademischen Ansatz.

Wir stoßen auf viel Sympathie in Hamburg

Die Palette der studentischen Projekte ist groß: So erhielten geflüchtete Frauen die Möglichkeit, Fahrradfahren zu lernen. Die Studierenden stellten dafür den Kontakt zu einer Flüchtlingsunterkunft und einer engagierten Fahrradwerkstatt her – so kam es an einem schönen Sommertag in Hamburg zu einer interkulturellen Fahrradtour. Von Theaterworkshops für geflüchtete Menschen über Urban-Gardening oder Dokumentarfilm-Projekten ist alles dabei.

Cornelia will etwas verändern und hat eine Power, die ansteckend ist. Nachts Mails checken und beantworten, Studenten an Flüchtlingsorganisationen vermitteln und schnell mal selber einen Tag Urlaub nehmen, wenn eine hochschwangere Frau aus Nigeria ihr Aufenthaltsvisum abholen muss und danach in der Klinik ihr Baby bekommt. Für die Dozentin gehört das alles zu ihrem Job.

Kleine Auszeiten in den Bergen

In ihrem nächsten Projekt, das im Wintersemester 2017/18 gestartet ist, kümmert sich die Wahlhamburgerin um Hamburgs Obdachlose. Auch hier geht es um die Zusammenführung von Betroffenen, Organisationen und Studierenden. Vorurteile sollen abgebaut und ein empathischer Blick auf Menschen entwickelt werden, die anders leben als wir selbst.

Cornelia Springer ist umtriebig und wird nicht aufhören, bis ihre Idee, dass Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten zusammen arbeiten, um anderen Menschen zu helfen, deutschlandweit fruchtet. Die einzigen Auszeiten, die sie sich gönnt, sind die Klettertouren durch die Berge Österreichs – dann hat sie nämlich mal keine Hand frei für Laptop oder Handy.

Jeden Montag und Mittwoch gibt es öffentliche Vorträge. Die Veranstaltungen und Beiträge der studentischen Projekte könnt ihr hier nachverfolgen:

Refugees welcome – aber wie?

Hamburg für alle – aber wie?

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