Hamburger Jungs: Blumfeld (© Sven Sindt )

Top 5: Die besten Platten der Hamburger Schule




Ihr mögt Musik, schlaue Texte, gern auch deutsch gesungen? Dann geht doch mal wieder in die Schule. Die, in der Mathe und Physik nichts zählen. Die Noten dafür umso mehr. Hier kommen fünf große Platten der längst als Genre bekannten Hamburger Schule.

Blumfeld: "Jenseits von Jedem"

Ach ja, der Herr Distelmeyer. Wandelt schon ganz schön nah an der Grenze - zum Schlager. Eine Stimme, die auch in Dieter Thomas Hecks Hitparade nicht groß aufgefallen wäre. Da hätte der Song "Tausend Tränen Tief" womöglich Chancen auf den Tagessieg gehabt. Doch Blumfeld konnten und können auch anders. Man höre das herrlich sperrige "Verstärker" von 1994 und staune. Die Platte "Jenseits von Jedem" aus dem Jahr 2003 vereint beide Spielarten der Band. "Graue Wolken“ ist die vielleicht schönste Pop-Hymne überhaupt aus Hamburg. Der Titelsong des Albums steht dem kaum nach. Texten konnte Frontmann Jochen Distelmeyer ohnehin immer schon. Mal mit viel Sehnsucht und Liebe. Mal wird es bei ihm politisch und gallig. Insgesamt allerfeinster Stoff, die Scheibe.

Tocotronic: "Schall und Wahn"

Es gibt wohl Leute, die nehmen es Tocotronic übel, sich irgendwann Richtung Berlin orientiert zu haben. Musikalisch hat dieser Tapetenwechsel der Band um Sänger und Gitarrist Dirk von Lowtzow fraglos gut getan. Nachzuhören auf dem überwiegend in der Hauptstadt entstandenen Album "Schall und Wahn" von 2010. Der Opener "Eure Liebe tötet mich" trägt so viel düstere Energie, das erinnert fast ein bisschen an Neil Young und seine Band Crazy Horse. Nach den acht treibenden Minuten voller Gitarren wollen wir Dirk gern glauben, dass er uns alle nicht wirklich zum Glück braucht. Der Song "Im Zweifel für den Zweifel" läuft noch heute in jedem Club, deren Betreiber etwas für deutschsprachige Rockmusik übrig haben. "Schall und Wahn" ist eine große Platte. Hamburger Schule halt.

Die Sterne: "Posen"

Als das Album "Posen" 1996 rauskam, strahlten Die Sterne schon fast so hell wie Sonnen. Waren Lieblinge der Musikfachpresse, die damals noch in Hamburg ihre Hauptstadt hatte und sich nachts in der "Mutter" traf. In coolen Läden auf dem Kiez lief die Band in Dauerrotation. Vielleicht sind Frank Spilker und seine Kumpels sogar der Inbegriff der Hamburger Schule, stets nah am, nie aber im Mainstream. Oft politisch, aber weit weg vom spinnert erhobenen Zeigefinger. Auf "Posen" gab es dann mit "Was hat dich bloß so ruiniert" zu all dem guten Gedöns auch noch eine Nummer, die junge Leute bis heute mitgrölen. Nicht der beste Song auf dem Album, aber ein guter. "Inseln" ist noch besser. "Risikobiographie" ist grandios.

Selig: "Selig"

Puh, ist das schon so lange her? 1994 hauten Selig ihre Debütsingle raus. "Sie hat geschrien", war der Titel des Bretts, das Jan Plewka und Co. noch heute (völlig zurecht) auf der Bühne auspacken. Das Album dazu hieß schlicht wie die Band. Und diese erste blieb auch bis heute die beste Platte der Combo, der mancher Purist den Eintritt in die Hamburger Schule verweigern will, weil irgendwie zu wenig Indie-Attitüde und noch weniger Politik. Das ist natürlich Unsinn. Plewka singt sich bei "Ohne Dich" die Seele aus dem schmalen Leib. "Langeweile besäuft sich. Meilenweit. Ich zähl die Ringe an meiner Hand" - Zeilen, die noch heute fast jeder Mittvierziger mitsingen kann. Das "Mädchen auf dem Dach" ist astreiner Grunge aus Hamburg. Und hey, dafür muss sich nun wirklich niemand schämen.

Kettcar: "Du und wieviel von deinen Freunden"

Echt jetzt? Kettcar gehören zur Hamburger Schule? Na klar doch! Viel regionaler geht es schließlich kaum. Eine Band aus der Hansestadt, deren erste Platte 2002 bei einem hier eigens gegründeten Label veröffentlicht wurde. Und was für ein Debüt-Album dann dabei rauskam: Mit "Du und wieviel von deinen Freunden" legten Marcus Wiebusch und seine Leute ein Teil auf den Tisch, das mit "Landungsbrücken raus" mal kurz die erste inoffizielle Hamburg-Hymne seit Hans Albers in der Tracklist hatte. "Money Left To Burn" funktioniert noch heute. Der "Balkon gegenüber" ist und bleibt herrlich. Kleiner Tipp am Rande: Es gibt einen Live-Mitschnitt von Kettcar, die 2009 in den Fliegenden Bauten spielten. In Hamburg. Wo auch sonst? Auch diese Platte ist ein Stück deutscher Musikgeschichte. Wunderschön.

Auch hier ist Musik drin

Ihr könnt von Musik aus Hamburg nicht genug bekommen? Dann haben wir noch zwei Lesetipps für euch. Wir haben Kettcar-Frontmann Marcus Wiebusch zum Interview getroffen und mit ihm über Hamburg, die Veränderungen in seinem Viertel Ottensen und sein jüngstes Album gesprochen. Und falls ihr die Perlen der Hamburger Schule auf Vinyl sucht, verraten euch auch noch unsere Top 5 Plattenläden in Hamburg Mitte.

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