Idyllischer geht's kaum: der Biohof Timmermann mit Höfeladen. (© Höfeladen Timmermann )

Timmermann in Sülldorf: Biohof mit Höfeladen

Seit 1750 bewirtschaften Timmermanns einen idyllischen Bauernhof in Sülldorf. Heute gibt's hier einen großen Bio-Höfeladen, Kürbisse und eine Pferdepension mit Reittherapie.

Reetgedeckte alte Bauernhäuser, Pferde auf den Koppeln, Traktoren: Der alte Teil Sülldorfs nördlich der S-Bahn-Linie entpuppt sich als idyllisches altes Dorf. Und das noch im Hamburger Stadtgebiet! Wenn ihr das bislang nicht kennt, solltet ihr unbedingt mal einen Ausflug hierher machen.

1750 zog der erste Timmermann auf dem Hof ein

Einer der alten Höfe ist der der Familie Timmermann. Er wird bereits in der neunten Generation von "Timmermännern" bewirtschaftet: Ein gewisser Hans Timmermann hatte 1750 die Hoferbin Anna Magdalena Behrmann geheiratet. Seitdem betrieben Timmermänner Vieh-, Weide- und Landwirtschaft auf dem Gelände. Seit den 1980ern sogar nach Bioland-Richtlinien – und seit 1994 gibt es auch einen Hofladen, in dem ihr beste Bio-Ware erstehen könnt. Das Sortiment ist riesig: Ihr bekommt Obst und Gemüse, Wurst und Käse, Milchprodukte, Backwaren, Säfte, Weine, Kosmetika. Eben alles, was es in einem gut sortierten Bioladen geben muss.

Lebensmittel, Getränke, Kosmetika in Bio-Qualität (© Höfeladen Timmermann )

Nach und nach stellte Wilhelm Timmermann auf Bio um

Doch das ist langsam gewachsen. Los ging es damit, dass Wilhelm Timmermann beschloss, auf biologische Landwirtschaft umzustellen – sehr skeptisch beäugt von seinem Vater, einem gestandenen, traditionellen Bauern. Er war gewiss nicht der einzige, denn Anfang der 1980er-Jahre war Bio ja quasi noch genauso nerdig wie Computertechnik. Doch ihr wisst es selbst: Bio-Gemüse schmeckt einfach besser, vom Gesundheitsaspekt mal ganz abgesehen. Und so nahmen die "Milchholer" abends nicht nur ihre Flaschen, sondern auch gleich frische Tomaten und Gurken mit. Wilhelm Timmermann stellte komplett auf Bioland-Produktion um, auch die Kühe, Schweine, Hühner und Kaninchen durften nach den strengen Regeln draußen picken, grasen und spielen. Das Sortiment und die Nachfrage wuchsen, und 1994 bauten die Timmermanns die rustikale Diele und den Kälberstall zu einem 120 Quadratmeter großen Hofladen um. Wilhelms Frau Agnes leitete ihn.

Als der Alnatura-Supermarkt in Rissen öffnete, war Schluss

Bio wurde immer beliebter. Nach und nach führten auch die umliegenden Supermärkte Bio-Produkte ein, es entstanden mehr Reformhäuser und Bioläden – "und das bekamen wir zu spüren", erklärt Wilhelm Timmermann. Als dann auch noch in Rissen ein großer Alnatura-Supermarkt aufmachte, zog Agnes Timmermann die Reißleine: Sie beschloss, den Laden zu schließen.

"Das war im März oder April 2012", erinnert sich Timmermann. Er habe diese Entscheidung nachvollziehen können, jedoch dann auch keinen Sinn mehr in der weiteren Produktion von Gemüse und Fleisch gesehen: "Mit diesen kleinen Mengen, die ich produzieren konnte, hätte ich keinen Großhändler begeistern können." Also stellte er den Betrieb um, "und im August habe ich dann sogar die Kartoffeln, die schon trieben, untergepflügt, auch wenn's mir schier das Herz zerrissen hat." Denn schließlich, so sagt er, hätten sie niemals damit gerechnet, dass sich ein Nachfolger finden würde, der den Hofladen übernehmen würde. Als doch genau das eintrat, war es zu spät: "Ich hatte den kompletten Betrieb schon umgestellt." Hier bekommt ihr einen Eindruck vom Biohof – und wie es bis 2012 hier zuging:

Als Höfeladen lebte der Hofladen 2012 weiter

Matthias Deppe vom Seevetaler Großhandel Naturkost Nord und der jetzige Ladenleiter und Weinsommelier Stefan Henkus-Koch führten den traditionsreichen Hofladen weiter – als Höfeladen Timmermann. Und so könnt ihr auch heute noch erstklassige Ware auf dem Bauernhof kaufen. Ihr könnt entweder mit der S-Bahn anreisen (S1, Station Sülldorf), vom Bahnhof sind es nur gut 300 Meter. Wenn ihr mit dem Auto kommt, könnt ihr auf dem großen Parkplatz direkt vor dem Laden parken.

Hokkaido-Kürbisse und eine Pferdepension

Und der restliche Hof? Der wird nach wie vor von Wilhelm und Agnes Timmermann bewirtschaftet, die ganzen 44 Hektar. Auf fünf davon wachsen Hokkaido-Kürbisse, die ihr in vielen deutschen Bioläden findet. Der Rest ist Grün- und Weideland für die Pferdewirtschaft, auf die die Timmermanns umgestellt haben – und zwar nach wie vor im Biobetrieb. Auch wenn das bei einer Pferdepension vielleicht erst einmal komisch klingen mag, wie Wilhelm Timmermann selbst sagt, "aber ich bin nunmal im Herzen Biobauer, ich kann nicht anders". Auch wenn er es noch immer schade findet, dass es den Erlebnisbauernhof mit vielen Tieren, Obst und Gemüse nicht mehr wie früher gibt, ist er im Großen und Ganzen doch sehr zufrieden damit, wie es jetzt ist: weniger Ausfall-Risiko und weniger Arbeit, "auch wenn ich immer noch mehr als genug zu tun habe".

Mehrmals wöchentlich wird Reittherapie angeboten

50 Pferde leben mittlerweile auf dem Biohof Timmermann, die meisten in Pension. Reitunterricht gibt es nicht, da müsst ihr zu einem der anderen Pferdehöfe in Sülldorf gehen (Glißmann, Ramcke, Eggerstedt). Aber Reittherapie – Andrea Wenzlawski, ausgebildete Reit- und Physiotherapeutin, bietet mehrmals wöchentlich Reitstunden an. Sie können einfach dazu dienen, angstfrei reiten zu lernen, sie können aber auch helfen, die Kommunikationsfähigkeit und das Selbstbewusstsein zu stärken oder sogar Lebenskrisen zu bewältigen. Mehr Infos unter www.equisoma.de.

Info: Biohof Timmermann, Sülldorfer Kirchenweg 237, 22589 Hamburg; Mo–Fr 10 bis 18.30 Uhr, Sa 9 bis 13 Uhr

Mehr Bio und Bauernhöfe

Mehr Bio bekommt ihr beispielsweise auf dem Öko-Wochenmarkt in Nienstedten. Und wenn ihr einen Erlebnisbauernhof besuchen wollt (denn das ist Timmermann nicht mehr): 5 idyllische Bauernhöfe in Hamburgs Umland.

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