Immer der Mittelpunkt bei Familie Meyerhoff: Der Vater (© G2 Baraniak )

Theater-Kritik: "Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war"

Im Altonaer Theater läuft noch bis Ende Oktober ein berührendes Stück über Familien. Wir haben es uns angeschaut – und das solltet ihr auch tun: Ein Theaterbesuch, der sich lohnt!

Wenn ihr Lust auf Theater habt, aber keine Lust auf komplexe Klassiker oder seichte Unterhaltung, dann ist „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“ genau das Richtige. Eine Inszenierung, die berührt und witzig zugleich ist und sich um ein Thema dreht, das wir alle nur zu gut kennen: Familie.

Joachim Meyerhoff erzählt in seinem Buch „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“ von seiner Teenagerzeit, die mit 17 Jahren endete, als er von Zuhause nach Wyoming zog. Er, Josse, und seine beiden älteren Brüder wachsen mitten auf dem Gelände einer Kinder- und Jugendpsychiatrie in Schleswig als Kinder des Direktors auf. Das Mädchen, das sich den Kopf aufschlägt, um mit ihrem Blut Sterne auf den Asphalt zu malen oder das allabendliche laute Jaulen der „Kranken“ sind für ihn Normalität. Die einzigen Gäste, die sie empfangen, sind die „Hirnis“, wie die Jungs die Patienten gerne nennen.

Abgründe hinter heiler Fassade

In diesem ungewöhnlichen Umfeld werden die Brüder zu jungen Männern und mit den Jahren wird Josse erst klar, welche Abgründe hinter der heilen Familien-Fassade stecken. Er liebt seinen Vater (hervorragend: Kai Maertens), der jeden Abend in Josses Zimmer kommt und ihm eine Geschichte erzählt. Aber er ist auch ein Vater, der die Familie beherrscht und „delegieren, aber selbst nichts ausführen kann“, der willkürlich die Punktanzahl beim sonntäglichen Familienquiz verteilt und der seine Mutter immer wieder betrügt. Seine Mutter scheint eher eine Randfigur, die leise unter diesem Leben leidet, aber dennoch immer nur das Leben ihres Mannes lebt. Ein Schicksalsschlag, der andere nach sich zieht, beendet das, was die Familie noch zusammenhält, abrupt.

Der erwachsene Josse als Erzähler (© G2 Baraniak )

Diese Zeit scheint eine dauernde Suche nach seiner eigenen Ordnung in der Welt zu sein und es ist schwer zu greifen, ob es „nur“ eine Jugendgeschichte ist, oder eine Abrechnung und gleichzeitig Hommage an seinen Vater oder seine persönliche Aussöhnung mit diesem Lebensabschnitt. Wahrscheinlich alles zugleich. Meyerhoff hat die Gabe, in absurden Situationen immer eine gewisse Tragik und Melancholie mitschwingen zu lassen, wodurch alltägliches bedeutend wird. Und genau das bringt der Regisseur Christof Küster hervorragend auf die Bühne.

Berührende Inszenierung

Die Tragikomik entfaltet sich durch Josses Gedanken, die den Handlungsstrang begleiten. Denn Josse steht in doppelter Ausführung auf der Bühne: Als Jugendlicher (Calvin Peters) in der Geschichte und gleichzeitig als junger Erwachsener, der als Erzähler rückblickend die einzelnen Situationen seines jüngeren Ichs kommentiert. Dieser wird von Jonas Anders gespielt, der so viel Spielfreude versprüht und die gesamte Palette an Emotionen auspackt. Sowieso hat das Stück trotz der Dauer von mehr als zwei Stunden keine Längen. Eine berührende Inszenierung, die das Thema Familie aufarbeitet und absolut sehenswert ist.

„Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“ läuft noch bis zum 22. Oktober im Altonaer Theater

Mehr Infos: www.altonaer-theater.de

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