Leben und lieben Burlesque: Alina (links) und Sonja von Teasedance Hamburg. (© Erik Brandt-Höge )

Teasedance Hamburg: Hier könnt ihr Burlesque-Tanz lernen

Weg mit den Klischees: In der Burlesque-Schule Teasedance Hamburg tanzen Frauen für ihr ganz eigenes Vergnügen. Ein Besuch.

Christina Aguilera schallt aus den Boxen, Buchstabe für Buchstabe füllt ihre Parole den Raum: "E-X-P-R-E-S-S!". Der Beat dazu: schlichtes Fingerschnipsen. Die Wirkung: animierend. Weiter im Text: "Love! Sex! Ladys, no regrets!" Das kommt an, das geht über in Kopf und Körper.

Einfach so tanzen, dass es sich gut anfühlt

Der Song aus dem berühmten "Burlesque"-Soundtrack wird zur Basis einer Choreografie am Stuhl. Zehn Frauen stehen bereit, das Bewegungsmuster von Alina zu kopieren, oder besser: zu interpretieren. "Macht es so, wie es sich gut anfühlt", ruft die 22-jährige Tanzlehrerin der Gruppe zu. Die Musik im Rücken und Alina im Blick, schwingen zehn Beine zeitgleich in der Luft. Kick! Über die Lehne und die Füße auf die Sitze. Köpfe kippen zurück, Schultern kreisen, Hände gleiten langsam über Körper, Brüste, Hüften, Hintern.

"Guckt zum Publikum", ist Alina wieder zu hören, und jeder weiß, wer gemeint ist. Das Publikum, das sind die Frauen selbst, und jede sieht sich jetzt im Spiegel in die Augen. Dann: rum um den Stuhl, in die Knie, die Beine auseinander, wieder zusammen, und jetzt schnipst nicht nur Christina, jetzt schnipsen alle.

Vor allem geht es um neues weibliches Selbstverständnis

Im Tanzstudio La Yumba in der Kastanienallee auf St. Pauli sind solche und ähnliche Szenen jeden Donnerstagabend zu sehen. Die Teasedance Hamburg – School of Burlesque lädt Frauen ein, einen Tanz zu tanzen, der viele Assoziationen schafft : XXL-Champagner-Gläser, Federschmuck, viel nackte Haut. Das ist das weitverbreitete Burlesque-Bild. Dass es dabei aber vor allem um Fantasie, Witz und neues weibliches Selbstverständnis geht, will Sonja, Gründerin von Teasedance Hamburg zeigen.

Erkannt hat Sonja das schon vor Jahren: "Es war 2009, als ich an einem Samstagvormittag zu einem Tanzworkshop ging: ‚Dance & Strip‘. Viele der Mädels waren nicht besonders gut drauf, müde, leicht verkatert. Aber: Drei Stunden später waren alle gefühlt einen Kopf größer, das Selbstbewusstsein, das einem vermittelt wurde, war riesig. Seitdem weiß ich, was ich machen will: Diese Art zu tanzen weitervermitteln." Sonja nahm an mehr Kursen teil, sammelte Erfahrungen, war immer mehr Feuer und Flamme. Nach einer Trainerausbildung gab sie schließlich selbst Unterricht – und zog gemeinsam mit Alina, die zuvor unter anderem Salsa und Bachata unterrichtete, Teasedance auf.

Schöne Alternative für Junggesellinnenabschiede

Seit September 2019 gibt es das Angebot auf dem Kiez, das neben den Donnerstagsstunden noch eine Besonderheit bereithält. Sonja: "Irgendwann war ich auf einem ganz, ganz schlimmen Junggesellinnenabschied, echt gruselig war der. Da dachte ich mir: Moment mal, dafür habe ich doch was, und zwar was ziemlich Tolles!" Sie holte amüsierfreudige Frauengruppen einfach ins La Yumba. Denn: "Wo sonst auf St. Pauli können Frauen so ungestört, so frei ihre Partys durchziehen, wie hier? Hier bieten wir einen geschützten Raum, in dem wir ganz Frau sein dürfen. Wir feiern die Weiblichkeit miteinander."

Ganz wichtig: Sexy gucken!

Alinas Choreo läuft gut. Ab und zu, das tut der Stimmung keinen Abbruch, fliegen ein paar Stühle, auch landet mal eine Tänzerin unsanft auf dem Parkett. "Alles okay?", ruft Alina lachend nach hinten und versichert sich im Spiegelbild. Nichts passiert. "Jetzt den Fächer!" Wieder fliegen Beine in die Höhe, formen Halbkreise. Dann: Hände in die Hüften, Augenzwinkern. Alina grinst: "Sexy gucken!" Und noch mal rauf auf den Stuhl, nun alle Beine in die Luft, Füße machen tipp, tipp, tipp, ein letzter heißer Blick, fertig. Und erstmal alle Fenster auf.

Beim Burlesque geht es nicht um höher, schneller, weiter

Es ist heiß geworden im La Yumba. Die Frauen schwitzen, knoten sich die Tops über den Leggings zusammen. Burlesque ist Sport – nur ohne Wettkampfgedanken. Sonja: "In anderen Sportkursen spielt oft Konkurrenz eine Rolle. Teilnehmerinnen fragen sich: ‚Warum kann die da drei Burpees mehr als ich – und warum rückt die da mir mit ihrer Matte so auf die Pelle?‘ Bei uns hingegen geht es nicht um höher, schneller, weiter. Jede Frau kann sich selbst und die Ästhetik der eigenen Bewegungen genießen."

#womenempoweringwomen nennt Sonjas Schwester Marlies das. Die 22-jährige Studentin kümmert sich neben der Uni um die Social-Media-Kanäle von Teasedance, macht Bilder und Filmchen und verbreitet das Angebot. Und sie denkt sich Hashtags aus: #girlsjustwannadance, #innerbeyonce, #lastflingbeforethering. Und es stimmt: Sonja, Alina und Marlies haben etwas aufgebaut, das neben jeder Menge Spaß und erotischer Spielerei vor allem eines bietet: ein Spiegelbild der eigenen, weiblichen Stärke.

Infos: Teasedance Hamburg – School of Burlesque, La Yumba Tanzstudio, Kastanienallee 9, 20359 Hamburg

Alternativ: Top-Adressen für Yoga in Hamburg

Auch schön: Salsa tanzen. Wenn ihr darauf Lust habt, dann schaut euch doch mal unsere Liste mit guten Salsa-Tanzschulen in Hamburg an. Oder soll es gar nichts mit Tanzen sein? Wir hätten da auch noch die besten Adressen für Yoga in Hamburg für euch.

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