(© Reinhardt Reimer )

Street Art in Hamburg: Die "FrauenFreiluftGalerie" am Hafen

Ein sonniger Herbsttag ist viel zu schade, um ihn drinnen zu verbringen. Auf Kultur müsst ihr bei eurem Herbstspaziergang aber auch nicht verzichten: Entlang der Großen Elbstraße begegnen euch geschichtsträchtige Wandgemälde zur Frauenarbeit im Hamburger Hafen.

Kräftige Männer mit Vollbart, Anker-Tattoo auf dem Arm und den Spuren harter Arbeit an den Händen. So oder so ähnlich stellen wir uns den typischen Hamburger Hafenarbeiter wohl meistens vor. Dabei sind Frauen dort schon lange beschäftigt. Seit jeher waren Frauen als Putzkräfte oder Büroangestellte tätig. In der Fischindustrie filetierten sie häufig in Akkordarbeit den Fang - eine Beschäftigung, die "haushaltsnah" war. Prostituierte boten ihre Arbeit auf den Hafenstraßen an. Im Dritten Reich waren Zwangsarbeiterinnen zunehmend im Hafen tätig und durch den Männermangel nach dem Krieg wurden Frauen zur Mitte des letzten Jahrhunderts immer mehr in die Hafenarbeit eingegliedert. Dieser Prozess brauchte allerdings einige Jahre – und hält bis heute an. Weibliche Kapitäne sind immer noch selten anzutreffen, Anfang 2018 wurde eine Hamburgerin die erste Kapitänin eines Kreuzfahrtschiffes. Und erst seit 2006 sind Frauen auch als Fachkraft für Hafenlogistik zugelassen.

Das Wandgemälde "100 Jahre Frauenarbeit im Hafen", das heute nicht mehr existiert (© Britt Stranzen )

Mythos Männerdomäne Hafen

Wie lange Frauen schon teil der Hafenarbeit sind und welche Perspektiven sie heute haben, möchte Dr. Elisabeth von Dücker als Kuratorin der "FrauenFreiluftGalerie" darstellen. Zusammen mit der Hamburger Künstlerin Hildegund Schuster gründete sie die Galerie Anfang der 90er Jahre. Als Vorgänger des Projekts diente damals das erste Hamburger Frauenwandbild, das anlässlich des 800. Hafengeburtstags von einem Arbeitskreis des Museums der Arbeit entstand. Dieses Gemälde wurde zwar 1994 abgerissen, heute verteilen sich über zwei Kilometer entlang der großen Elbstraße allerdings 14 andere solcher Werke. Viele von ihnen wurden von lokalen Künstlerinnen geschaffen, einige entstanden aber auch durch eine Zusammenarbeit mit internationalen Malerinnen. "Die Galerie soll ein Eye Opener über den Mythos der Männerdomäne Hafen sein", so Kuratorin Elisabeth von Dücker. "Unsere Tätigkeit ist eine, die Spuren sucht, setzt und teilt."

"Metallarbeiterinnen und Schweißerinnen im Hafen“ (© Hildegund Schuster )

Mexikanische Murales als Vorbild

Als Vorbild der FrauenFreiluftGalerie dienten die lateinamerikanischen "murales". Diese haben in Zeiten der mexikanischen Revolution die politische und soziale Situation des Landes durch Kunst im öffentlichen Raum aufgezeigt. Das spiegelt sich auch in den Arbeiten der Galerie wieder. Nicht nur die lokale Arbeit im Hafen wird dargestellt, sondern auch Arbeit, die in anderen Ländern von Frauen getätigt wird, und der wir in im westlichen Wohlstand oft nicht bewusst sind. Wer also die Große Elbstraße entlangspaziert, entdeckt nicht nur gemalte Frauen, die Fisch filetieren oder im Containerumschlag arbeiten, sondern auch Kaffeepflückerinnen und Arbeiterinnen auf Tabakplantagen aus Südamerika.

Erkunden könnt ihr die Wandgemälde entweder alleine – auf der Webseite der Galerie wird jedes Werk ausführlich erklärt. Oder ihr nehmt an einer Führung teil: Auf der Webseite werden aktuelle Termine im Rahmen von Festen wie der "altonale" oder dem Hafengeburtstag angekündigt. Wer Interesse hat, kann aber auch einen Termin nach Vereinbarung buchen. Die Kosten für diese privaten Führungen werden bei der Buchung des Termins vereinbart.

Mehr Kunst und Kultur im öffentlichen Raum

Projekte wie die FrauenFreiluftGalerie bieten nicht nur einen wertvollen kulturellen Hintergrund, sondern sind auch wichtige öffentlich zugängliche und kostenfreie Kulturangebote der Stadt. Falls der Geldbeutel mal leer wird, gibt es in Ottensen eine Reihe freier Veranstaltungen, die nicht gleich einen ordentlichen Eintrittspreis verlangen. Und auch Barmbek hat einige Anlaufstellen zu bieten.

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