Altonaer Rathaus (© Katharina Grabowski )

Spurensuche in Altona: Ottensens dänische Vergangenheit

Im Jahr 1640 gelang es dem Dänenkönig Christian IV., Altona und Ottensen an Dänemark anzuschließen. Mit der Verleihung der Stadtrechte durch seinen Sohn Friedrich III. im Jahr 1664 begann schließlich die Blütezeit der ehemaligen Fischer- und Handwerkssiedlung Altona. Heute hat sich vieles im Stadtbild verändert: Gebäude wurden abgerissen, Straßenzüge wurde verlagert. Doch hier und da gibt es sie noch – die Zeugnisse der dänischen Vergangenheit. Wir haben uns auf Spurensuche begeben.

Christian, überall Christian

Nachdem sich der dänische König Christian IV. 1640 während des 30-Jährigen Krieges der kleinen Handwerker- und Fischersiedlung namens Altona bemächtigte, erfolgte ein großer Aufschwung. Den Grundstein dafür legte die Verleihung des Stadtrechts durch seinen Sohn Friedrich III. im Jahr 1664, das Gewerbe-, Zunft-, Religions- und Zollfreiheit garantierte und dafür sorgte, dass sich Handwerksbetreibe und Werften in Altona ansiedelten. Innerhalb von fünf Jahrzehnten wuchs die Altonaer Bevölkerung von 3.000 auf 12.000 Einwohner. Doch nicht nur die Wirtschaft und der Handel boomten - in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde Altona auch immer mehr zur Heimat der geistigen und kulturellen Elite. In dieser Zeit entstand zum Beispiel die barocke Christianskirche, die 1738 fertiggestellt wurde und deren Namenspatron Christian VI. von Dänemark war. Ebenfalls nach ihm wurde 1744 das akademische Gymnasium Christianeum benannt, das sich heute in der Otto-Ernst-Straße befindet.

Christianskirche (© Katharina Grabowski )

Der Bahnhof wird zum Rathaus

Dort, wo heute das Altonaer Rathaus steht, war früher mal ein Bahnhof – der Kopfbahnhof der "Altonaer-Kieler-Eisenbahn" beziehungsweise Christian VIII. Ostseebahn. Mit ihm nahm die dänische königliche Eisenbahnkommission 1839 den Schienenverkehr zwischen Altona und Kiel auf. Eröffnet wurde der erste Altonaer Bahnhof am 18. September 1844, am Geburtstag des Namensgebers und damals regierenden Dänenkönigs Christian VIII. Mit dieser Strecke sollte Altona, das damals bereits die zweitgrößte Stadt im dänischen Gesamtstaat war, endgültig als Handels- und Hafenstadt ausgebaut werden. Nachdem Altona 1888 an das Zollgebiet des Deutschen Reiches angeschlossen wurde, und der Warenaustausch weiter stieg, musste ein größerer Bahnhof her. 1898 wurde der Bahnhof schließlich an seinen jetzigen Standort verlegt und der dänische Bahnhof wurde unter der Erhaltung der Südfassade zum neuen Rathaus umgebaut.

Naherholung im Rainville-Garten

Auch heute noch gehört das Gebiet oberhalb des Elbbergs rund um den Altonaer Balkon zu den Orten, von wo aus viele Hamburger am liebsten den Blick auf den Hafen und die Elbe genießen. Schon einige Jahrhunderte zuvor erkannte César Lubin Claude Rainville das Erholungspotential, das der große Elbberg bot. Im Jahr 1799 eröffnete der französische Offizier, der nach dem Ende der Französischen Revolution nicht in seine Heimat zurückkehrte, sondern Zuflucht im liberalen Altona suchte, hier ein Gartenrestaurant nach französischem Vorbild. Feuerwerke, Wasserspiele und Lustgärten zogen Menschen aller Nationalitäten an, die sich in Rainvilles Garten amüsierten – bis das Landhaus 1867 abgerissen wurde. Noch heute erinnert aber die Straße Rainvilleterrasse an diese ausschweifenden Jahre.

Zollhaus in der Klopstockstraße (© Katharina Grabowski )

Alte Zollgrenze in der Klopstockstraße

Als Altona das Stadtrecht verliehen wurde, brachte das auch viele Privilegien mit sich, die den Aufschwung beförderten. Maßgeblich für den florierenden Handel und die Wirtschaft war die Zollfreiheit, die gewährleistete, dass weder bei Ein- oder Ausfuhr von Waren Zollgebühren erhoben wurde. Klar, dass Altona und Ottensen zum beliebten Warenumschlagplatz wurden. Doch all das änderte sich 1848 als Altona alle Zollfreiheiten verlor, weshalb viele Betriebe nach Ottensen übersiedelten, von wo aus freie Ausfuhrmöglichkeiten bestanden. Die Zollgrenze verlief fortan als Zaun direkt am Friedhof der Christianskirche – heute noch zu erkennen am Zollhaus mit der dänischen Flagge in der Klopstockstraße 28/29.

Bei der Reitbahn (© Katharina Grabowski )

Bei der Reitbahn

Ottensen ist ein Dorf. Was für viele nur ein geflügeltes Wort ist, stimmt ja wirklich. Bevor Ottensen 1871 zur Stadt erhoben wurde, war es auch in seinem Grundriss und seiner Anlage ein klassisches Dorf – mit vier typischen Dreiecksplätzen, die den Zugang zu den Hofstätten, die um den Platz herum lagen, ermöglichten. Einer von diesen Dorfplätzen war die Reitbahn, dessen Fläche in der Mitte früher von dänischen Soldaten als Reitfläche genutzt wurde.

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