(© Nina Dobrot )

Soziales Engagement: Musik als Motor

Für ihr soziales Engagement und die Gründung des Vereins "Musiker ohne Grenzen" hat die Musikerin Magdalena Abrams den Bundesverdienstorden bekommen.

„Ursprünglich wollte ich Profifußballerin werden“, sagt Magdalena Abrams (32) lächelnd. Dann entschied sie sich nach dem Abitur erst einmal für ein soziales Jahr. Die damals 19-Jährige hatte sich selbst ein Projekt gesucht, anstatt „Geld an eine Freiwilligenorganisation zu bezahlen“. Lieber wollte sie dieses direkt vor Ort investieren und ging für die Organisation Asociación Movimiento Mi Cometa im Jahr 2005 nach Ecuador.

In Guasmo, einem Elendsviertel von Guayaquil, baute Abrams mit viel Engagement und wenig Mitteln für arme Kinder eine Musikschule auf. Eine eigene Unterkunft hatte sie nicht, sie lebte bei einer Familie. „Auf Augenhöhe mit den Ecuadorianern konnte auch ich von ihnen profitieren und ihre Kultur kennenlernen.“

Mitstreiter gefunden

Aus dem geplanten Jahr wurden anderthalb. In dieser Zeit leitete sie fortgeschrittenere Jugendliche an, ihre Landsleute selbst zu unterrichten. So konnte sie beruhigt nach Hamburg zurückkehren und begann ein Klarinettenstudium an der Hochschule für Musik und Theater (HfMT). Um die kleine Musikschule in Guasmo weiterhin unterstützen zu können, gewann Abrams andere Studenten, bei dem engagierten Projekt mitzuarbeiten. Und die tatkräftige junge Frau sammelte Geld mit Benefizkonzerten. Dabei habe sie die HfMT sehr unterstützt.

2008 gründete sie in ihrer Heimatstadt den Verein Musiker ohne Grenzen, der inzwischen ehrenamtliche Studenten weltweit an kreative Musikprojekte vermittelt, um „Menschen, unabhängig von ihrer Lebenssituation einen Zugang zu musikalischer Bildung zu ermöglichen. Durch die Musik kann sich jeder ausdrücken“, und sie sei ein Mittel zu kulturellem Austausch.

(© Nina Dobrot )

Tour durch Deutschland

Ein Interesse, dass der Musik- und Sonderschulpädagogin besonders am Herzen liegt, und dass sie auch mit ihrer Band Mischpoke verfolgt. Mit ihrem musikalischen Crossover aus jüdischer Klezmermusik, Jazz und Weltmusik hat die fünfköpfige Band Ende 2016 bereits ihr drittes Album veröffentlicht und tourt durch ganz Deutschland. „Wir spielen manchmal in kleinen Hinterhöfen, aber auch in der Laeiszhalle.“

Für ihr innovatives und nachhaltiges Projekt Musiker ohne Grenzen wurde Magdalena Abrams mit gerade einmal 31 Jahren im November 2016 im Hamburger Rathaus mit dem Bundesverdienstorden ausgezeichnet. „Darüber habe ich mich natürlich gefreut“, sagt sie, „aber ich sehe die Auszeichnung nicht als Anerkennung für meine Person, sondern für all die Menschen, die Musiker ohne Grenzen unterstützen, und als ein Qualitätssiegel, das hoffentlich zu mehr Aufmerksamkeit und Spenden führt.“

Neue Ideen zur Vernetzung

Es gebe eine große Anzahl ehrenamtlicher Mitarbeiter sowie viele Instrumentenspenden und einen Förderverein. „Aber eine große Förderinstanz fehlt uns leider“, sagt sie bedauernd. Neben den Ehrenamtlichen gebe es zwar 400-Euro-Kräfte, aber „es fehlt an Geld für eine feste Stelle“. Der Verein ist inzwischen so gewachsen, dass vieles zu koordinieren ist. Außerdem „besteht ein großes Interesse von anderen Institutionen, mit Musiker ohne Grenzen zusammenzuarbeiten“. Dafür wäre aber zukünftig mehr kontinuierliche Manpower nötig.

Eine neue Idee zur weiteren Vernetzung gibt es auch bereits. Der Verein möchte sich für andere Musikprojekte als „Verwaltungsplattform“ zur Verfügung stellen. „Ich wäre froh gewesen, hätte es so ein Netzwerk damals schon gegeben“, sagt die umtriebige Musikerin. Das wird sicher nicht ihre letzte gute Idee gewesen sein.

Mehr Informationen
www.musiker-ohnegrenzen.de

Autorin: Angela Kalenbach

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