Der große Holztisch seines Urgroßvaters ist Markus Flohrs Lieblingsmöbel. (© Massimo Tealdi )

So lebt Hamburg: der Autor Markus Flohr

Vier Hamburger Künstler haben uns die Lieblingszimmer ihrer Wohnung gezeigt. Aufschlussreiche Bilder von Wohnzimmer, Esszimmer, Schreibzimmer und Arbeitszimmer. Wir zeigen sie euch. Dieses Mal: Autor Markus Flohr.

Er lebt noch immer in seiner ersten WG! Nur ohne die Mitbewohner. Dafür mit seiner Frau und den beiden gemeinsamen Kindern. Relikte der Wohngemeinschaft finden sich zwar noch immer als Accessoires verteilt in der Wohnung, aber der Lieblingsraum des 39-Jährigen, das Wohnzimmer, ist ganz und gar der eines Autors.

Markus Flohr lebte in Israel, hat einen Zweitwohnsitz in Tallinn und kommt trotzdem immer wieder zurück in diese Wohnung, in der er seinen ersten Roman "Alte Sachen" geschrieben hat – und die er seit über 20 Jahren sein Zuhause nennt.

Gitarre muss auch sein. (© Massimo Tealdi )

Der große alte Tisch ist Markus Flohr besonders lieb

Das Leben eines Schriftstellers beinhaltet einsame Schreibarbeit wie gesellige, familiäre Phasen, in denen Kraft und Inspiration zu sammeln sind. Ruhe und Offenheit, Mediation und wildes Gewusel. Den Besucher von Markus Flohr erwartet genau diese Atmosphäre: Sein Wohnzimmer ist ein Ort der Einkehr, mit großem altem Tisch, der schon viel gesehen hat, liebevoll restaurierten Stühlen und einer skandinavisch stilisierten Menora im Fenster – einem Kerzenleuchter der jüdischen Kultur. Behaglich ist es, irgendwie konzentriert. Sein Bücherregal hingegen zeigt das Leben, wie es ist: zerlesene Bücher, Spiele, kleine Erinnerungsstücke, Fotos, Dokumentenordner…

Jede Menge Kram im Regal. (© Massimo Tealdi )

Die Einrichtung ist unprätentios, aber sympathisch

Zwischen großem Fenster und großer Wand haben eine Leseecke mit Erbstück-Mobiliar Platz und sein kleiner Schreibtisch, an dem er seine Bücher schreibt. Das ist neben dem Bücherregal das vermutlich einzige "neue" Equipment, denn direkt daneben findet sich ein metallener Beistelltisch aus dem Besitz seines Großvaters und eine seiner beiden Gitarren. Es gehört schon ästhetisches Unvermögen dazu, dieser Wohnung nicht ein ganz großes Quantum Stil zuzusprechen. Beinahe ungewollt verteilen sich die Gegenstände im Zimmer und trotzdem hat alles seinen Platz. Genauso wie das Knarren der Dielen, auf denen nur ein einziger Läufer liegt: ganz einfach, geknüpft aus Baumwolle. Unprätentiös. Und gerade deshalb so symphatisch. Wenn man seinen Stil beschreiben müsste, wäre es wohl: akzentuiert, echt und ungezwungen mit dem Blick auf die Geschichte.

Was für ein Raum ist dein Lieblingszimmer?

Es ist der Raum, in dem ein alter, schwerer Tisch mit leicht geschwungenen Beinen steht, an dem mein Urgroßvater Predigten verfasst hat und mein Vater als Kind saß, während er seine Suppe löffelte und seiner Mutter beim Rauchen zusah. Auch die 20 Jahre voller Mitbewohner und Untermieter (einmal waren Surfer hier, die alles kurz und klein feierten) konnten dem Tisch nicht viel anhaben. Kurz hat er sich nach Berlin verlaufen. Jetzt kommt aber wieder das Licht von Hamburg durch zwei große Fenster zu ihm und zu mir herein und natürlich steht der Tisch mit keinem Ende an der Wand.

Markus Flohr mag Einrichtung mit Geschichte. (© Massimo Tealdi )

Wie würdest du deinen Lieblingsraum beschreiben?

Er trägt meinen Tisch in sich wie der Wal den Jona, dazu hat er Platz für Sessel, Hocker, Bücher, Zeitungen, Musik. Auf den Fensterbänken kann man sitzen und lesen. Draußen Schanze: selten leise, manchmal toll, meist zu voll und auch zu laut. Eher Ninive als Jerusalem.

Deine Lieblingsgegenstände in diesem Raum?

Tatsächlich ist es der Tisch meines Urgroßvaters.

Was ist dir wichtig mit Blick auf ein Haus als Lebensraum?

Wer da so wohnt, in dem Haus. Ich bevorzuge meine Familie und im Übrigen Menschen, die höflich sind oder Humor haben, gerne sowohl als auch. Auf die Suche nach einem "Lebensraum" mache ich mich aus historischen Gründen lieber nicht.

Was macht Hamburg zur Heimatstadt?

Keine Ahnung. Wahrscheinlich müsste ich meine Heimat erst verlieren, um zu verstehen, was das ist, wo sie liegt. Am Lautesten sprechen nach meiner Erfahrung zumindest auf Deutsch meist jene Menschen von Heimat, die möglichst viele andere von ihr ausschließen wollen. Darum habe ich hier keine Heimat. An Hamburg mag ich den Ton und eben das Licht der Stadt. Und das Wasser. Den Regen? Ja, auch den.

Autor: Jenny V. Wirschky

Hamburg, unsere Perle

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