Foto von Rosi von der Bahnstation Süllberg (© Strassenblues / Rosi Behnken )

So findet "Strassenblues" kreative Wege aus der Armut

Der Hamburger Verein "Strassenblues" zeigt kreative Wege aus der Armut – aktuell mit dem "Strassenbuch", das zwei ehemalige Obdachlose geschaffen haben.

Alles begann 2012: In einer Berliner Bahnhofsmission begegnet Nikolas Migut dem Obdachlosen Alex. Kurz entschlossen folgt er Alex in die Nacht, und begleitet ihn mit seiner Kamera bis zum nächsten Morgen. Die Begegnung lässt Nikolas nicht mehr los. Zwei Jahre später macht er sich auf die Suche nach dem Mann. Er findet Alex schließlich in Neumünster – in seiner ersten eigenen Sozialwohnung nach zehn Jahren auf der Straße. Aus dem Wiedersehen entsteht ein Kurzfilm. Aber Nikolas möchte mehr, und sich langfristiger und nachhaltiger engagieren. Gesagt, getan: 2016 gründet Nikolas den Verein Strassenblues e. V.

Strassenblues zeigt neue Wege aus der Armut

Mit Strassenblues möchten Nikolas und seine Mitstreiter besonders eins: "Kreative Wege aus der Armut" aufzeigen. Und die Hilfe wird gebraucht: Seit der letzten umfassenden Befragung hat sich die Zahl der Obdachlosen in Hamburg fast verdoppelt. Schon 2015, vor Gründung des Vereins, organisierte Nikolas ein Weihnachtsfest, bei dem Hamburgern den Obdachlosen der Stadt einen Wunsch erfüllen konnten. Der Strassenweihnachtswunsch gehört seitdem jeden Dezember zum festen Programm. "Alle begegnen sich hier als Menschen", erzählt Nikolas über das Projekt. Zur Bundestagswahl 2017 verteilte Strassenblues in Kooperation mit Hamburger Obdachloseneinrichtungen Flyer, informierte und führte vor Ort einen Wahl-o-Mat durch, um wohnungslosen Menschen zu zeigen: Auch deine Stimme zählt.

Das Strassenbuch wirft einen Blick hinter die Fassade

Mit dem gerade neu erschienenen Strassenbuch bringt der Verein jetzt die Gedichte von Alex, mit dem alles begann, auf Papier. Rosi, die selbst sechs Jahre obdachlos war, steuerte für den Band ihre Bilder bei. Das Fotografieren hat ihr in den Jahren auf der Straße Halt gegeben, erzählt sie heute. Zusammen geben die beiden Einblicke in ihr Leben, zeigen kleine Augenblicke des Glücks und Momentaufnahmen aus guten und schlechten Zeiten – aber auch Minuten der Einsamkeit und Entwurzelung. Mit dem Strassenbuch wollen sie ihre Leser dazu anregen, einmal hinter die Fassade zu blicken. Denn jenseits der Vorurteile, die viele über Obdachlose halben, haben diese Menschen ihre eigenen Wünsche und Sehnsüchte. Rosi und Alex sind in diesem Buch aber vor allem: Fotografin und Lyriker, Künstler eines eigenen Werks. Für Alex spendet das Strassenbuch deshalb Mut – Mut, dass jeder etwas schaffen kann, egal woher er oder sie kommt.

Ehrenamt in Hamburg: Hier könnt ihr helfen

Auch ihr wollt etwas tun, um Hamburg ein bisschen besser zu machen und Menschen in Not zu helfen? Wir stellen euch fünf Vereine vor, in denen ihr euch engagieren könnt: Ehrenamt in Hamburg.

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