Profi-Seifenkisten rauschen mit bis zu 100 km/h bergab. Pixabay / jingoba )

Seifenkisten aus Wilhelmsburg: Stefan Seiffert baut Profikisten auf Rädern

Stefan Seiffert ist professioneller Auto-Designer. Jetzt baut er in Wilhelmsburg unter anderem Seifenkisten – für Profis und auch Kinder.

Wisst ihr, was SpeedDown ist? Nein? Müsst ihr auch nicht, das ist schon eine etwas spezielle Angelegenheit. Früher hieß diese Sportart noch ganz profan Seifenkistenrennen. Ah, jetzt klingelt's gewiss – Seifenkisten, das sind sozusagen große Bobbycars, mit denen wagemutige Rennfahrer abschüssige Straßen hinunterbrausen. Mitnichten ist das Kinderkram, die Kisten fahren in der Profi-Liga mittlerweile bis zu 100 km/h schnell. In Wilhelmsburg lebt und arbeitet der Entwickler und Bauer einiger der krassesten Gefährte dieser Art, die auf dem Markt erhältlich sind: Stefan Seiffert. Der hat jetzt Blut geleckt und will das Seifenkisten-Geschäft noch ausbauen. "Ich möchte Mainstream-Seifenkisten bauen. Und welche für Kinder", erklärt er uns. Dafür hat er sogar eine neue Firma gegründet.

Dass die "Seiffertkisten", wie Seiffert sie nennt, so gut sind, wie sie sind, kommt nicht von ungefähr. Der studierte Industriedesigner hat lange für die Autobranche gearbeitet (und tut dies immer noch sporadisch), unter anderem für VW Autos entwickelt – zum Beispiel die wegweisende Studie des VW Chico 1992, und auch an der Entstehung des Smarts war er beteiligt. Mit optimalen Karosserieformen und Aerodynamik kennt er sich also bestens aus. Dieses Wissen nutzt er jetzt für den Bau der Seifenkisten, die er in seiner Wilhelmsburger Werkstatt in sorgfältiger Handarbeit erstellt.

Die Werkstatt in Wilhelmsburg war sein Traum

Mit dieser Werkstatt hat er sich vor einigen Jahren einen Traum erfüllt. Denn die Arbeit in einem weltweit agierenden Auto-Großkonzern gefiel ihm nicht – der Druck, die Vorgaben, der Stress engen die Kreativität ein, findet er. Obwohl er Preise für seine Designs erhielt, entschied er sich, auszusteigen. In Wilhelmsburg, direkt am Stübenplatz, hat er genug Raum – sowohl für seine Kreativität als auch für die ein, zwei Autos, die er immer gerne in seinem Wohnzimmer parkt. Sein Liebling: ein Lotus.

Diese britischen Sportwagen sind den Seifenkisten, die Seiffert baut, gar nicht mal so unähnlich: beide sind leicht, stabil und schnell. Für die Profi-Racer verwendet er Kohlenstoff, die Technik ist zwar simpel, doch ausgefeilt. Bremsen und Lenkung müssen schließlich auch bei hohen Geschwindigkeiten präzise arbeiten.

Bald gibt es "Seiffertkisten" auch für Kinder

Auf die Kiste kam er durch die Anfrage eines Fernsehsenders, für den ein Mehrteiler über SpeedDown gedreht wurde. Die Idee dahinter: Ein Profi-Fahrer fährt eine Seifenkiste, die von einem Profi-Designer entworfen und gebaut wurde. Die Kiste war so gut, dass auch andere Fahrer eine haben wollten. "Und die gewinnen alles", sagt Seiffert nicht ohne Stolz. Die Konstruktion von Seifenkisten machte ihm Riesenspaß, doch der Markt an den High-Tech-Flitzern war recht schnell abgedeckt. Schließlich kostet eine Seiffertkiste dieser Liga mindestens 3700 Euro. Das leistet man sich nicht so zum Spaß.

Genau deshalb will Stefan Seiffert jetzt auch "Mainstream"-Kisten bauen. Aus Holz, nur sicherheitsrelevante Stellen sollen aus Kohlenstoff sein. Auch für Kinder will er solche Fahrzeug bauen – nicht ganz uneigennützig: "Ich bin ja jetzt Papa", erklärt er begeistert. Und auch, wenn sein einjähriger Sohn noch ein bisschen wachsen muss, soll er dann doch eine echt fesche Kiste haben. Ab sieben Jahren etwa könne ein Kind Seifenkiste fahren, sagt Seiffert.

Auch in Arbeit: Ein Tretauto, das wirklich Spaß macht

Und er hat noch ein weiteres Projekt, an dem er (neben seinen kunstvollen Möbelstücken, ebenfalls sehr spannend!) derzeit bastelt: ein Tretauto für Kinder, und zwar eines, "das wirklich richtig gut fährt". Denn die Modelle, die es auf dem Markt gibt und die in der Regel billig in China produziert werden ("Von Kindern, das ist wirklich zynisch!"), machen nicht wirklich Spaß, das Fahren ist sehr mühsam, richtig Vorankommen ist nicht. Seine Seiffert-Tretautos werden qualitativ hochwertig sein, mit Bremsen, Beleuchtung und guter Übersetzung: "Damit können die Kids dann auch sogar in die Schule fahren." Klingt das nicht gut? Bitte ganz schnell bauen, Herr Seiffert!

Mehr Infos auf www.seiffertdesign.de.

Kreative Köpfe in Wilhelmsburg

Kreative gibt's in Wilhelmsburg eine Menge. Kennt ihr zum Beispiel Hirn und Wanst, die in den Zinnwerken Filme und Kulinarik machen? Oder Bridge & Tunnel, bei denen tolle Denim-Designunikate aus alten Jeans entstehen?

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