In der Seemannsmission Duckdalben im Hamburger Freihafen können Seeleute ihre Freizeit genießen. (© Seemannsmission Duckdalben )

Seemannsmission "Duckdalben": Hamburgs Heimat für alle Seeleute

Die Deutsche Seemannsmission "Duckdalben" bietet Seeleuten in Hamburg einen sicheren Ort für eine kurze Pause vom harten Alltag.

Stellt euch vor, ihr müsst mit euren Arbeitskollegen zusammenleben. Mit mindestens einem teilt ihr euch sogar ein Zimmerchen. Und während ihr, erschlagen von der harten Arbeit des Tages, seinem oder ihrem Schnarchen lauscht, denkt ihr an eure Familie. Die ihr monatelang nicht wiedersehen werdet.

So geht es Seemännern und -frauen, die auf Container- oder Kreuzfahrtschiffen arbeiten. Sieben Tage die Woche, häufig in Nachtschichten. Schließlich muss das Schiff rund um die Uhr am Laufen gehalten werden, und zu tun gibt es immer etwas. Und wenn nicht, fällt den Vorgesetzten bestimmt dennoch etwas ein. Die Struktur an Bord ist in der Regel extrem hierarchisch. Wer am unteren Ende ist, hat einfach zu funktionieren. Der hat Befehle zu befolgen. Selbstverständlich gibt es Reedereien, in denen auch Hilfsarbeiter sehr gut behandelt werden. Dennoch ist auch hier der Arbeitsalltag hart.

Deshalb ist ein Besuch in der Seemannsmission Duckdalben so wichtig. Hier können die Seeleute ihre wenigen freien Stunden verbringen, wenn ihr Schiff im Hamburger Hafen liegt. Hier werden sie respektvoll behandelt, als die gleichgestellten Menschen, die sie sind.

Die Seemannsmission Duckdalben ist ein sicherer Heimathafen

In der Seemannsmission Duckdalben versuchen die Mitarbeiter, die dringlichsten Bedürfnisse der Seeleute auf Landgang zu befriedigen. Das wichtigste zumeist: die Stimmen der Lieben zuhause hören. Mit günstigen Telefonkarten, die es im Duckdalben gibt, können sie in Telefonkabinen zuhause anrufen und erfahren, wie es der Familie geht. Andere überweisen ihren hart erarbeiteten Lohn nach Hause – bei vielen ist es das einzige Einkommen, das die Familie hat. Andere wollen einfach mal reden, in Ruhe einen Kaffee oder ein Bier trinken, eine Zeitung in ihrer Muttersprache lesen. Oder eine Runde Billard spielen. Wer Bewegung sucht, kann sich an Tischtennisplatten oder auf dem Sportplatz austoben. Wer Ruhe braucht, kann sich in der Bibliothek vor den Kamin kuscheln. Oder einfach mal Spaß haben und mit Kollegen die Karaoke-Anlage anschmeißen. Falls nicht jemand gerade eine Gitarre zur Hand hat.

Damit die Seemänner (und -frauen) überhaupt die Chance haben, zum "International Seamansclub" zu gelangen, gibt es Shuttle-Busse, mit denen sie in die Zellmannstraße 16 fahren können. Schließlich ist das Hafengelände riesig, zu Fuß wäre der Weg zu weit. Gefahren werden diese Busse meist von ehrenamtlichen Helfern des Duckdalben – insgesamt gibt es mehr als 100 Mitarbeiter.

Das Christentum wird nicht gepredigt, sondern gelebt

Der Name Seemannsmission ist übrigens etwas irreführend. Denn missioniert soll hier niemand werden, es sind alle Nationalitäten und Religionszugehörigkeiten willkommen. Zwar ist der Duckdalben eine christliche Einrichtung, doch die Religion wird nicht gepredigt, sondern gelebt: Nächstenliebe und Menschlichkeit prägen den Umgang. Den Seeleuten soll ihre Würde wiedergegeben werden, die im harten Arbeitsalltag an Bord, wo jeder wie eine Maschine zu funktionieren hat, manchmal verloren geht. Außerdem gibt es einen "multireligiösen" Raum, in dem alle wichtigen Religionen einen Altar haben, an dem die Gläubigen beten können. Sie sind in einem Oval aufgestellt, sodass gleichzeitig auch die Zusammengehörigkeit und Gleichwertigkeit der verschiedenen Glaubensrichtungen symbolisiert wird.

Im multireligiösen "Room of Silence" können die Seeleute beten oder meditieren. (© Frederika Hoffmann )

Wenn es an materiellen Dingen fehlt, wird auch geholfen: In einem kleinen Shop können die Seeleute das Nötige für kleines Geld erstehen. Jeden Mittwoch kommen zudem eine Arzt und eine Schwester vorbei, um kostenlos Krankheiten und Verletzungen zu behandeln.

Besucht die Seemannsmission doch selbst einmal

Täglich von 15 bis 22.30 Uhr ist die Seemannsmission geöffnet, und das seit 30 Jahren. Im September 2018 kam der einmillionste Besucher vorbei! Wenn ihr gerne selbst mal auf einen Kaffee vorbeischauen wollt, könnt ihr das gerne tun: Auch Nicht-Seeleute sind willkommen, nur bei Gruppen von mehr als acht Personen wird um eine Anmeldung gebeten. Vielleicht macht ihr mal einen Spaziergang ins Hafengebiet?

Wie ihr genau laufen müsst, erfahrt ihr in unseren fünf Tipps für schöne Wanderungen in und um Wilhelmsburg. Oder ihr arbeitet einfach selbst mit, ehrenamtliche Helfer werden immer gebraucht. Wenn die Seemannsmission euch zu weit außerhalb ist, dann engagiert euch woanders: Diese Vereine machen Hamburg ein Stückchen besser.

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