Minitopia: ein urbaner "Spielplatz" für alle in Wilhelmsburg. (© Sophia Herzog )

Schöne, kleine Welt: Minitopia in Wilhelmsburg

Zwischen grünen Weiden und Wilhelmsburger Industriegebiet haben Stefanie Engelbrecht und Katrin Schäfer Minitopia geschaffen – ein Projekt mit Community-Garten, Gemeinschaftsküche und offenen Werkstätten.

In Berlin-Kreuzberg, umgeben von grauem Beton, überkam Stefanie Engelbrecht die Sehnsucht nach mehr Grün. In Zeiten von Globalisierung, Klimaerwärmung und Konsumwahnsinn stieg in ihr die Sehnsucht nach nachhaltiger, gemeinschaftlicher Selbstversorgung. "Wenn man sich mal intensiv damit beschäftigt, was auf unserem Planeten so los ist, kann man das entweder ignorieren oder sich die Kugel geben. Oder eben etwas verändern", erzählt Stephanie heute, während sie ein Salatpflänzchen wieder an seinen rechten Platz im Salatbaum drückt.

Seit 2017 entsteht auf altem Industriegelände ein grünes Paradies

Auf dem Hof ihrer Community-Stadtfarm Minitopia in Wilhelmsburg reihen sich Hochbeete aneinander, in denen im Frühling und Sommer Kräuter blühen, daneben hängt eine Schaukel aus Autoreifen über selbstgezimmerten Bänken aus Holzpaletten. Zusammen mit Katrin Schäfer gründete Stefanie 2012 den Verein AlterNation e.V., mit dem die beiden weltweit nachhaltige Gemeinschafts-Projekte wie ihr eigenes dokumentierten. In Hamburg bemerkten die beiden ein Loch im Selbstversorger-Netz: Deswegen verwandeln die beiden zusammen mit vielen fleißigen Helfern seit 2017 das Gelände auf der Elbinsel in ihre kleine grüne Utopie: Minitopia.

Minitopia: Urbaner Spielplatz und Keimzelle

Die beiden hatten sich einiges vorgenommen: Auf dem alten Industriegrundstück samt alter Lkw-Halle und Werkstätten wurde in den vorangegangenen Jahrzehnten Abfall und Schrott in den Ecken gelagert und mit der Zeit vergessen. "Wir arbeiten uns hier Stück für Stück durch, öffnen eine Tür nach der anderen", erzählt Stefanie. Was dabei entstehen sollte, war den Gründerinnen dabei selbst nicht von Anfang an bis ins letzte Detail klar. Denn in Minitopia wird nichts vorgeschrieben, vielmehr soll das kleine Paradies ein Spielplatz, eine Keimzelle, ein freier Gestaltungsraum sein, in dem jeder seine Vorstellungen einbringen und umsetzten kann. Unter einer Prämisse: Es soll nachhaltig sein, sozial – und möglichst der Selbstversorgung dienen.

Alles wird in Minitopia wiederverwendet

Deswegen versuchen Stefanie und ihre Mitstreiter auch so weit als möglich Abfall zu verwerten: Alte Autoreifen oder Paletten wurden zu Hochbeeten umfunktioniert. Aus Rohren wurde ein Salatbaum gebastelt. Gebrauchte Sessel, alte Latten, Plastikflaschen – alles wird hier wiederverwendet. Fast nichts auf dem Gelände und in den alten Hallen wurde gekauft, alles wurde eingesammelt oder dem Verein geschenkt. „Außer Schleifpapier. Das kaufe ich kiloweise“, erzählt Stefanie und lacht.

Regelmäßig finden Workshops und Seminare statt

Der Plan ist aufgegangen. Mittlerweile ist der "Spielplatz urbaner Selbstversorgung" wunderbar gediehen – im Oktober 2019 wurde das Projekt sogar von der Budnianer Hilfer als "Hamburger Bildungsschatz" ausgezeichnet. Denn es tummeln sich hier nicht nur Ökos, die ihre Möhrchen ziehen wollen (das ist keinesfalls abschätzig gemeint, im Gegenteil!). Es gibt auch eine Gemeinschaftsküche, offene Selbsthilfe-Werkstätten und auch regelmäßig tolle Veranstaltungen.

Zum Beispiel ein Bienenwachstuch-Workshop für die gute Alternative zu Frischhalte- und Alufolie, eine Nähwerkstatt, bei der ihr euren alten Klamotten ein neues Leben verpassen könnt, ein Youtube-Workshop für Kids, ein "politischer Suppentopf" (essen mit Diskussion über nachhaltige Ernährung) und natürlich ein Pflückfestival, bei dem beispielsweise die Äpfel auf der Minitopia-Streuobstwiese vom Baum geholt werden.

Auch ihr könnt die Räume nutzen und euch einbringen

Geöffnet ist Minitopia immer am Wochenende von 13 bis 18 Uhr, zusätzlich natürlich bei Veranstaltungen. Wann genau etwas los ist, könnt ihr am besten auf der Homepage nachgucken. Übrigens: Wenn ihr selbst einen Workshop oder ein Seminar veranstalten wollt, dürft ihr die tollen Räume nutzen – und zwar kostenlos, wenn ihr von den Teilnehmern auch kein Geld nehmt. Tut ihr das, müsst ihr Minitopia ebenfalls einen Obulus abgeben. Durch den Garten schlendern dürft ihr jederzeit.

Infos: Minitopia, Georg-Wilhelm-Straße 322, 21107 Hamburg; Sa+So 13 bis 18 Uhr sowie bei Veranstaltungen, der Garten ist immer offen

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