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Schließfach-Gespräch: Wie tickt die Motte?

In unserer neuen Reihe "Schließfach-Gespräch" stellen wir euch Menschen vor, die in Ottensen leben, arbeiten oder wirken - ein direkter Blick in die Nachbarschaft also. Den Anfang macht Michael Wendt, Geschäftsführer der Motte.

In unserer neuen Reihe "Schließfach-Gespräch" stellen wir euch Menschen vor, die in Ottensen leben oder arbeiten und sich für den Stadtteil engagieren. Um sichtbar zu machen, wie gut die Nachbarschaft und die Vernetzung im Viertel ist, verknüpfen wir die Menschen miteinander, indem das Gespräch mit einer netten Geste weitergegeben wird. Den Anfang macht Michael Wendt, der Geschäftsführer der Motte, den wir in der Haspa-Filiale am Spritzenplatz getroffen haben. Ein Gespräch über Nischen, Nähe und den Wandel in Ottensen.

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Michael, was ist die Vision hinter der Motte?
Michael Wendt: Wir haben große und kleine Visionen. Eine der kleinen ist, dass möglichst viele Menschen aus dem Stadtteil das Haus für sich nutzen. Die große Vision ist schon seit etwa fünf Jahren die Sanierung der Motte. Wir haben immer noch nicht die nötigen Baugelder zusammen, um das Potential der vier Gebäude, die zur Motte gehören, auszunutzen. Und ich möchte bis in spätestens fünf Jahren, wenn ich in Rente gehe, in diesem Bereich einen guten Status erreicht haben, damit ich den nachfolgenden Leuten keinen Klotz am Bein übergebe. Denn eine Sanierung ist ein hartes Geschäft neben der alltäglichen Arbeit.

Die Motte als ein Ort der Begegnungen

Wie wirkt das Schaffen der Motte in den Stadtteil hinein?
Das Freizeitverhalten der Menschen hat sich im Laufe der Zeit verändert. Auf der einen Seite gibt es sehr viele Clubs, Kinos und Veranstaltungen in der Stadt, aber auch die digitale Welt hat einen großen Einfluss. Die Kommunikation findet heute oft virtuell statt. Aber wir Menschen brauchen einfach Orte, wo wir uns begegnen können. Auch, um der aus meiner Sicht negativen Auswirkungen der vermehrt virtuellen Kommunikation entgegenzuhalten. Ich diskreditiere das nicht, aber ich gehöre zu der Generation, die es schätzt, seinem Gegenüber in die Augen zu schauen, eine Gestik und Mimik mitzubekommen, um darüber Freundschafts- oder nachbarschaftliche Verhältnisse aufzubauen. Mit der Motte schaffen wir Möglichkeiten, bei denen die Nachbarn zusammentreffen, zum Beispiel während den Veranstaltungen und der offenen Angebote oder wenn Kindergeburtstage und Hochzeiten hier gefeiert werden. Die Motte bietet von der Krippe bis zum Seniorentreff vieles an und die Bindung in den Stadtteil ist enorm.

Wenn du frei entscheiden könntest, was würdest du in Ottensen verändern?
Wir stellen uns gegen die große Tsunami-Welle der Stadtteilverdichtung. Ich wünsche mir, gerade in so hoch verdichteten Quartieren wie Ottensen, freie Plätze. Wie die jederzeit nutzbaren Bänke auf dem Spritzenplatz. Die waren eine Zeit lang nicht vorhanden, weil bestimmte Gruppen auf der Straße nicht sein sollten. Aber nicht jeder möchte immer für ein Treffen zwei Euro achtzig für einen Kaffee bezahlen. Ich möchte, dass Raum für Nischen bleibt. Und deshalb integrieren wir in unsere kulturpolitischen Forderungen für die Stadtteilkultur, das Schaffen von Orten, wo Menschen sich auf niedrigschwelliger Ebene begegnen können.

Ottensen darf seine "Nischen" nicht verlieren

Welche Nischen meinst du?
Es wird immer mehr hoch und dicht gebaut. Wie zum Beispiel die geplante Neubebauung an der Ecke Barner Straße / Behring Straße (Das Gelände, auf dem unter anderem die Taverna Sotiris für einen vierstöckigen Neubau abgerissen werden soll, Anm. d. Red.). Wenn dort die Kleinteiligkeit dieser Häuser verschwindet, ist das ein Verlust, weil wir dann nur noch glatte Fassaden haben. Unabhängig davon, ob die Bausubstanz der dortigen Häuser tatsächlich marode ist. In der Nähe der Motte wurde ein Haus zwei Geschosse zu hoch gebaut, sodass dieses den danebenliegenden Spielplatz im Sommer abschattet. Keiner weiß genau, warum. Die Wohnbedingungen verändern sich in Ottensen. Doch wir brauchen unsere Plätze, an denen wir uns auch mal treffen, ausruhen und die einfachste Form der Begegnung leben können.

Begegnungen finden ja auch oft in Kneipen statt. Was ist deine Lieblingskneipe in Ottensen?
Hatte ich noch nie, denn ich bin kein Kneipengänger. Aber zwei Restaurants liebe ich hier im Viertel, das ist das Marilù an der Bahrenfelder Straße und das Bey’s Café und Bistro. Beide werden von ganz gediegenen, sehr netten Menschen geführt. Es sind ruhige und nicht überlaufene Orte. Das ändert sich jetzt natürlich nach dem Interview (lacht). Zudem gehe ich sehr gerne in das Thalia Theater in der Gaußstraße.

Was macht Ottensen aus, auch im Vergleich mit anderen Stadtteilen?
Es gibt wenige Orte, die wie Ottensen strukturiert sind. Noch haben wir hier einen tollen Einzelhandel, ähnlich wie in Kreuzberg in Berlin. Natürlich hat sich das auch in den letzten Jahren verändert, indem hochpreisige Geschäfte oder Franchise-Läden hierhergezogen sind, weil die Mieten einfach zu hoch geworden sind. Da geht was kaputt. Eine besondere Attraktivität hat Ottensen durch die Vielzahl an Kneipen und Restaurants, die dicht beieinanderliegen. Wir haben hier die Nähe zur Elbkante, was fantastisch ist, denn man ist sofort draußen. Und Ottensen hat immer noch eine große Gelassenheit. Damit widerspreche ich gerne den Gentrifizierungsaussagen, ohne die Bedrohungspotentiale im Immobiliensektor miteinzubeziehen, denn hier wurde eine Wohnungsbaupolitik betrieben, die noch eine kräftige Durchmischung der Nachbarschaft zulässt.

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Du hast ein Glas Honig mitgebracht. Was hat es damit auf sich und an welchen Nachbarn gibst du dies und somit das Gespräch weiter?
Wir haben zwölf Bienenvölker, die von insgesamt drei Imkern und Imkerinnen betreut werden. Und in diesem Glas Honig "Ottenser Wildblüte" stecken 40.000 Flugkilometer. Das möchte ich gerne an Monika Baum weitergeben. Sie organisiert die Kunst-Altonale, kommt aus Ottensen und ist hier sehr umtriebig und super engagiert.

Vielen Dank für das Gespräch.

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