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Apfelernte in Hamburg: Ruckzuck övern Zaun!

Ein Apfel ist nicht aufregend exotisch oder liegt gerade im Trend, aber genau das macht ihn so langlebig und beliebt. Und diese Frucht steht für die Region um Hamburg, wie keine zweite.

Der Apfel: Schon im Garten Eden sorgte er für den Sündenfall, er brachte Schneewittchen nichts als Ärger und diente in "Wilhelm Tell" als legendäre Zielscheibe. Und auch sonst ist die runde Vitaminbombe in aller Munde. Jeder Deutsche isst, rein statistisch, rund 20 Kilo Äpfel im Jahr. Zum Glück sind Äpfel nicht anspruchsvoll und wachsen fast überall.

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Und wir in Hamburg sind mit dem größten Obstanbaugebiete Nordeuropas vor der Tür gesegnet, dem Alten Land. Dort sind die letzten Wochen der Erntezeit eingeläutet, was aber nicht bedeutet, dass wir bald auf das leckere Obst verzichten müssen. Hamburg hat den Apfel sehr ins Herz geschlossen und macht was draus. Wir haben vier tolle Projekte entdeckt, die wir euch gerne vorstellen möchten.

Integrative Ernte bei "Das Geld hängt in den Bäumen" (© Das Geld hängt in den Bäumen )

Prädikat wertvoll: Ein Saft, der verbindet

Verwaiste und hängengebliebene Äpfel sind zu Schade, als das sie als Fallobst enden sollten. Das dachten sich auch die Initiatoren des Projekts „Das Geld hängt an den Bäumen“. Ausgehend von der Motivation Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung zu schaffen, hat die mittlerweile gemeinnützige GmbH nicht nur ein soziales, auch ein nachhaltiges Projekt ins Leben gerufen.

Unter gärtnerischer Betreuung ernten Menschen mit Behinderung, die feste Mitarbeiter sind, und Ehrenamtliche das Obst, das keiner will und sonst traurig am Boden enden würde. Allerdings kommen nur ungespritzte und reife Äpfel in den Erntekorb, um in diesem eher hochpreisigen Segment die Qualität zu gewährleisten. Die Äpfel werden in der Slow-Food-Mosterei Uwe Engelmann zu naturtrüben Direktsaft ohne Zusatzstoffe verarbeitet und in hübschen Flaschen abgefüllt. Auch der Markenname passt: „Nachbars Garten“, weil die gepressten Äpfel tatsächlich von da kommen könnten. Denn gepflückt wird nicht nur im Alten Land sondern auch direkt in Hamburgs städtischen und privaten Gärten, die von ihren Besitzern zur Verfügung gestellt wurden. Also, wer Obst in seinem Garten übrig hat, darf dieses gerne spenden. Wie das funktioniert, erfahrt ihr auf der Website.

Da nichts kommerzialisiert ist, wird der Saft über einen privaten Vertrieb verkauft, unter anderem an Firmen und auch einige Hamburger Cafés haben „Nachbars Garten“ auf der Karte. Wenn ihr den hochwertigen Saft zuhause genießen und somit auch unterstützen möchtet könnt ihr telefonisch oder online bestellen und ihn innerhalb der Stadtgrenzen liefern lassen oder selbst in der Harkortstraße abholen. Außerdem gibt es das verrückte Saftmobil, das für Veranstaltungen oder Feiern gemietet werden kann. Viel ehrenamtliches Engagement hält das Projekt am Laufen, denn der Erlös fließt zu 100 Prozent zurück, um die Arbeitsplätze der Mitarbeiter zu erhalten. Eine nachhaltige Idee, die das soziale und lokale Leben stärkt.

Weitere Infos findet ihr unter www.dasgeldhaengtandenbaeumen.de

Eigenbedarf mundrauben ist erlaubt Pixabay_Pexels )

Selbstbedienung an Hamburger Obstbäumen

Meist gehen wir hektisch und achtlos daran vorbei und bemerken nicht, dass in unserer Stadt viele herrliche und wertvolle Obstbäume stehen. Und das Beste ist, sie gehören keinem und deshalb dürfen wir uns bedienen. Allein in Hamburg stehen Hunderte von Obstbäumen an den Straßen rum und nicht nur Äpfel, auch Felsenbirne, Haselnüsse, Holunder, Pflaumen und Mirabellen wachsen hier mitten in der Stadt. Wie fein ist das denn? Aber da wir ja nicht alle Füchse im Erkennen von Obstbäumen sind, hat Mundraub.org im Internet eine Karte erstellt, auf der alle User herrenlose Obstbäume deutschlandweit eintragen können. Hier könnt ihr euch schlau machen, wo genau ihr die Augen aufhalten müsst. Für den Eigenbedarf zu pflücken ist natürlich erwünscht, aber die Bäume sollten nicht geplündert werden, denn diese gehören zwar niemanden, aber genau deswegen allen.

Dazu findet ihr auf der Internetseite ein paar Regeln, die ihr beachten solltet, wenn ihr mundrauben wollt. Denn die Initiatoren legen sehr viel wert aufs Teilen und einen respektvollen und nachhaltigen Umgang mit der Natur. Und wenn ihr selbst einen herrenlosen Baum dort eintragen wollt, müsst ihr euch versichern, dass ihr damit keine Eigentumsrechte verletzt.
Schaut euch die Karte an, nehmt euch die Regeln zu Herzen und auf zum nächsten Baum, denn nichts ist schöner als als das zu genießen, was mit den eigenen Händen gepflückt wurde.

Die Obstbaum-Übersicht und weitere Infos findet ihr auf www.mundraub.org

Apfelbäume suchen Paten Pixabay_Hans )

Wohoo! Ein eigener Apfelbaum

Wenn ihr liebend gerne einen „eigenen“ Apfelbaum hättet, aber keinen Garten besitzt, müsst ihr dennoch nicht verzichten. Mit einer Baum-Patenschaft kommt ihr diesem Wunsch wenigstens ein Stück näher. Dazu braucht ihr kein Wissen über Baumpflege mitbringen oder euch verpflichtend um den Baum kümmern, das übernehmen die jeweiligen Höfe, wo ihr die Patenschaft übernehmt. Es geht nur um das Gefühl, eine Bindung zu einem Stück Natur, wo ihr jederzeit hinfahren könnt – und natürlich, wenn es soweit ist, dürft ihr euren Baum ernten.

Der bekannte Herzapfelhof verspricht zum Beispiel für einen Beitrag von rund 40 Euro eine Mindesternte von 10 Kilo, der Obsthof Axel Schuback für 44 Euro sogar 20 Kilo. Die Patenschaft gilt für ein Saison-Jahr und beinhaltet Extras, wie eine Urkunde und die individuelle Kennzeichnung des Baumes. Oder einige Höfe feiern auch ein Erntedankfest mit allen Paten. Für mehr Geld, aber dafür gut in der Unterstützung eines sozialen Projekts angelegt, bietet auch „Das Geld hängt in den Bäumen“ Patenschaften an.

Ein eigener Baum, wenn auch nicht in unmittelbarer Pflücknähe, hat etwas Bodenständiges, was in der Großstadthektik sehr wohltuend sein kann.

Hier findet ihr weiter Infos zu den Patenschaften: www.herzapfelhof.de

Apfellieferant: Das Alte Land (© Ottmar Heinze )

Made in Hamburg

Leev – ist plattdeutsch und heißt „Liebe“. Und so heißt auch die kleine Saftmanufaktur in der Schanze, die ihren Namen sehr ernst nimmt. Denn aus Begeisterung hat die Gründerin Natalie Richter ihren alten Job aufgegeben und widmet sich seit 2014 den Äpfeln aus dem Alten Land. Nur Tafeläpfel aus dem Anbaugebiet vor Hamburgs Toren kommen bei Leev in die Säfte und jede Apfelsorte wird getrennt gemostet. So gibt es sortenreinen Boskoop- und Elstar- und Holsteiner Cox-Saft sowie Elstar Schorle und Hoppe, eine ungewöhnliche, alkoholfreie Mischung aus Apfelsaft mit dem Craft Beer Hopfen „Cascade“. Die Anzahl der Zutaten ist überschaubar: Äpfel – auf 0,7 Liter etwa fünf bis sechs, sonst nix. Bei den Schorlen kommt natürlich noch Wasser mit in die Flasche, aber weder Zuckerzusätze noch künstliche Zusatzstoffe.

Natalie Richter möchte jenseits der Großindustrie ein Stück Heimat stärken und den Grund, warum wir alle Äpfel so gerne essen, wieder in den Fokus stellen: sein natürliches Aroma. Mit einem kleinen Team und viel Herzblut hat Natalie Richter ihre Idee in ein Label umgesetzt und arbeitet kontinuierlich an der Verwirklichung ihres Traums, Leev Deutschlandweit, aber auch gerne international zu vertreiben.

In dieser ganzen Flut aus neu gehypten Bio-Getränken auf dem Markt, die oft nicht das sind, was sie versprechen, hat Leev eine Sub-Nische aufgetan, wohltuend transparent und in der Umsetzung konsequent. Und absolut Hamburg.

Die Leev-Standorte findet ihr in dieser Übersicht.

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