Integration durch Fußball: Hautfarbe und Herkunft spielen beim Kampf um den Ball keine Rolle Norbert Gettschat )

Projekt "Kicking Girls": Wenn Fußball mehr als Sport ist

Junge Mädchen mit Migrationshintergrund spielen Fußball. Sie sind die "Kicking Girls". In Hamburg ganz groß – und von der UEFA ausgezeichnet.

Bastian Kuhlmann hat Sport studiert. Berufswunsch Lehrer. Der 33-Jährige steht in der Alsterdorfer Sporthalle. Ein kleines Mädchen der Anton-Ree-Schule läuft auf ihn zu. "Krieg' ich auch eine Medaille?", fragt sie. "Aber klar", sagt Bastian. Mit großen Augen und der um ihren Hals baumelnden Plakette kehrt sie zurück zu ihren Mitschülerinnen. Geht hier ein Traum in Erfüllung? Ja. Anders als gedacht. Bastian Kuhlmann verantwortet für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) die bundesweite Initiative "Kicking Girls", die in Hamburg an 31 Schulen aktiv ist. Heute ist er auf Einladung des Hamburger Fußball-Verbandes (HFV) zu Gast beim großen Hamburger Winterturnier. "Eigentlich ging es nur um die wissenschaftliche Umsetzung einer Pilotidee im Studium. Dann wurden wir immer größer. Nun gibt es 'Kicking Girls' seit zehn Jahren", sagt Bastian. "Und ich habe es nie geschafft, Lehrer zu werden." Unglücklich sieht er dabei nicht aus.

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Auf dem Fußballplatz spielt es keine Rolle spielt, welche Hautfarbe du hast, aus welchem Land du kommst oder an welche Religion du glaubst. Der Teamgedanke zählt.

Die Pilotidee stammt von Soziologieprofessor Ulf Gebken aus dem Jahr 2005. Überschrift: "Soziale Integration von Mädchen durch Fußball." Bastian Kuhlmann war einer der Pioniere, die im Studium an der praktischen Umsetzung arbeiteten. Das ursprüngliche Konzept? So simpel wie genial: Fußballkurse in Grundschulen für Mädchen mit Migrationshintergrund zur Stärkung des Selbstbewusstseins. Ein niedrigschwelliges Angebot ohne Wettbewerbsdruck. Gekämpft wird um Ball und Tore, nicht um Punkte. Was klein begann, wurde schnell groß. Mittlerweile existieren auch Mädchenfußball-Camps für die teilnehmenden Mädchen, weibliche Jugendliche können Coach-Ausbildungen zur Leitung von Kursen, Turnieren und Camps durchlaufen. Die früheren Nationalspieler Nia Künzer und Jens Lehmann sind starke Paten des Projekts. Ihr Engagement wird von allen Seiten sehr gelobt. "Ich selbst habe in meiner aktiven Karriere die Erfahrung gemacht, dass es auf dem Fußballplatz keine Rolle spielt, welche Hautfarbe du hast, aus welchem Land du kommst oder an welche Religion du glaubst. Der Teamgedanke zählt", sagt Jens Lehmann.

Auch an der Max-Brauer-Schule sind die Kicking Girls aktiv. Uwe Garbers )

Ihre großen Idole können die Schülerinnen sogar manchmal selbst sehen. Kooperationsschulen besuchten mit ihren Kindern schon Spiele der deutschen Frauen-Fußballnationalelf. Dies alles bewirkte eine immense Vergrößerung des schließlich "Kicking Girls" benannten Projekts. Circa 20.000 Mädchen nahmen in den vergangenen zehn Jahren in Deutschland an den Kursen teil. Hamburg ist mit 31 Schulen dabei, als größter Standort. 600 Schülerinnen kicken in unserer Hansestadt eifrig mit, zweimal im Jahr steigt in der Alsterdorfer Sporthalle ein großes Turnier. Bundesweit wird an 270 Schulen und 80 Standorten gegen den Ball getreten.

Wir sind alle stolz auf diesen Award. Er spiegelt vor allem das wider, was die Übungsleiter an den Schulen leisten.

"Die Mädchen lernen unglaublich viel. Das fängt schon an mit dem Mut, zum Ball zu gehen, setzt sich fort über die Kommunikation und Teamfähigkeit, um zusammenzuspielen. Besonders freue ich mich immer, wenn Kinder über die Kurse an den Grundschulen den Weg zu den Vereinen finden", sagt Martina Rehders. Sie ist Stützpunkttrainerin beim HFV und leitet einmal in der Woche den "Kicking-Girls"-Kurs an der Anton-Ree Schule. Der riesige Erfolg des Projekts ist auch der Europäischen Fußball-Union UEFA nicht verborgen geblieben. Sie prämierte die Idee mit dem UEFA Award for Children, immerhin dotiert mit 50.000 Euro.

31 Schulen aus Hamburg nehmen am Projekt Kicking Girls teil – darunter auch die Brüder-Grimm-Schule Norbert Gettschat )

"Wir sind alle stolz auf diesen Award. Er spiegelt vor allem das wider, was die Übungsleiter an den Schulen leisten", so Stefanie Basler, die beim HFV das Projekt "Kicking Girls" verantwortet und intensiv mit den Schulen zusammenarbeitet. "Mehr geht immer" lautet ihre Vision. "Die Nachfrage an den Schulen ist riesig. Wir haben das Projekt schon auf weiterführende Schulen ausgeweitet." Allerdings wachsen trotz starker Kooperationspartner wie der Laureus-Stiftung, Spenden sowie der Hilfe der Stadt, die Bäume finanziell nicht in den Himmel. Doch die Idee der "Kicking Girls" scheint unaufhaltsam. "Das Projekt gibt es jetzt auch zum Beispiel in Irland und in der Schweiz. Es internationalisiert sich", freut sich Stefanie. Nicht nur sie und Bastian Kuhlmann wissen: Der Ball ist eben nicht nur männlich.

Weitere Infos: www.kicking-girls.info

Autor: Mirko Schneider

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