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"Power to the Bauer": Hamburgs frischestes Food-Festival

"Wir sind gesellschaftlich noch lange nicht soweit, dass sich alle damit auseinandersetzen, wie sie konsumieren." Am Sonntag, den 3. Juni, feiert das Food-Festival von Frischepost Premiere. Wir haben mit den Gründerinnen des Hamburger Online-Hofladens gesprochen.

Wie können wir selbst als Stadtkinder nachhaltiger leben und die Natur möglichst wenig belasten – ohne den Spaß an schönen oder leckeren Dingen zu verlieren? Eine Frage, mit der sich Juliane Eichblatt und Eva Neugebauer bereits seit längerem beschäftigen. Mit ihrem "Online-Hofladen" Frischepost, bringen sie Produzenten aus der Region und Verbraucher wieder näher zusammen – und bieten Hamburgern zumindest in punkto Lebensmittelkonsum eine Antwort.

Am Sonntag, den 3. Juni, gehen sie einen Schritt weiter: Bei ihrem neuen Food-Festival machen Sie das Frischepost-Prinzip erlebbar – ganz ohne Onlineshop. Im Interview verraten die beiden, was Interessierte im Oberhafen erwartet und erklären, warum es so wichtig ist, den Konsumenten die Geschichte hinter einem Produkt zu erzählen.

Am Sonntag findet euer erstes Food-Festival „Power to the Bauer“ statt. Worum gehts?

Eva: Das Food-Festival "Power to the Bauer" wird es künftig viermal im Jahr geben – im Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Die Idee: Wir wollen Produzenten und Konsumenten an einem Ort zusammenbringen, um unsere Bekanntheit und die unserer Produzenten zu erhöhen und Bewusstsein zu schaffen für die Themen, für die wir stehen.

Juliane: Hamburger Gastronomen sind aber auch jedes Mal dabei. Bei unserem ersten Festival sind das Nóra Horváth vom Spajz und Thomas Sampl vom Hobenköök Catering. Beide werden live vor Ort kochen. Viele unserer Produzenten sind zudem mit Marktständen dabei – wir natürlich auch. Außerdem gibt es um 15 Uhr eine spannende Podiumsdiskussion, moderiert von Dannie Quilitzsch. Das Thema: Wie gestaltet unsere Gesellschaft das Leben von morgen? Da geht es unter anderem auch darum, wie wir es uns immer wieder vornehmen, nachhaltig zu leben und am Ende trotzdem an diesem Vorhaben scheitern. Wir wollen zeigen, wie man auch mit kleinen Schritten etwas Gutes tun kann. Auf der Bühne diskutieren dazu Eva, Jakob Berndt (Gründer von Lemonaid und Tomorrow), Jan-Hendrik Langeloh (Milchhof Reitbrook) und Brigitte Mohn (Bertelsmann Stiftung).

Mit einigen Partnern arbeitet ihr bereits von Anfang an. Profitieren sie wirklich von eurem Konzept?

Eva: Natürlich ist das ein Geben und Nehmen zwischen den Produzenten und uns. Wenn wir uns weiterentwickeln wollen, wie zum Beispiel einen weiteren Liefertag einzuführen, dann ist es auch ein Investment vom Produzenten, dass er uns noch einen weiteren Tag beliefert. Aber ich bin mir sicher, dass sie es nicht machen würden, wenn sie nicht sehen würden, dass es langfristig sinnvoll für sie ist und sie auch über uns einen anderen Bekanntheitsgrad in Hamburg erreichen.

Juliane: Auf der anderen Seite bekommen wir aber auch viele Kunden über unsere Produzenten, wie zum Beispiel dem Milchhof Reitbrook.Der ist in einigen Hamburger Cafés vertreten. Gäste werden auf die gute Milch aufmerksam, melden sich beim Milchhof, und der verweist wiederum auf uns. Wir generieren im Gegenzug aber auch B2B-Kunden für unsere Produzenten. Es lohnt sich also für beide Seiten, und es ist immer wieder super schön zu hören, wenn Produzenten uns das erste Mal sagen, dass sich alles auszahlt.

Wir zeigen die Geschichte hinter einem Produkt. Wer die kennt, hinterfragt auch keine 1,40 Euro für einen Liter Milch.

Warum ist es euch so wichtig, Städtern wieder begreifbar zu machen, wo ihre Produkte herkommen?

Eva: Grundsätzlich sehen wir, dass es ohnehin einen Trend dazu gibt: Immer mehr Konsumenten wollen wieder wissen, wo ihre Lebensmittel herkommen. Der typische Einzelhändler bietet diese Transparenz aber nicht. Deshalb zeigen wir die Gesichter und die Geschichten hinter den Produkten. Wer die kennt, hinterfragt auch meist nicht mehr, warum der Liter Milch 1,40 Euro kostet und nicht weniger als die Hälfte.

Juliane: Außerdem kommen wir beide vom Land und wissen aus unserer Kindheit, wie Lebensmittel eigentlich schmecken sollten. Aus Vorträgen in Schulen wissen wir aber auch: Stadtkinder können das meist nicht mehr beurteilen. Und sie wissen auch nicht, wie und wo Lebensmittel hergestellt werden beziehungsweise wie zum Beispiel ein Gemüse wächst. Dieses grundlegende Wissen geht einfach immer mehr verloren. Das merken wir auch an der Wissbegierde unserer Kunden.

Sind regionale Produkte immer besser?

Juliane: Wir möchten den Fokus generell auf regionale und saisonale Produkte setzen, deshalb machen sie auch ungefähr 80 Prozent unseres Sortiments aus. Aber wir sagen auch, dass wir als Verbraucher nicht komplett auf alles verzichten können. Dafür sind wir aus meiner Sicht zu weit fortgeschritten in der Globalisierung. Ich denke nicht, dass wir als Gesellschaft wieder auf Wein aus Frankreich oder Olivenöl aus Griechenland verzichten werden. Dafür schmecken sie einfach zu gut. Genau deshalb haben wir gesagt, dass wir diese Produkte auch mit anbieten müssen – aber auf eine nachhaltige und transparente Weise.

Eva: Zudem gibt es auch saisonale Produkte aus der Region, bei denen man hinterfragen muss, ob zu bestimmten Jahreszeiten ein Verzicht sinnvoll wäre. Äpfel beispielsweise haben jetzt im Sommer eine eher schlechte Ökobilanz, weil sie seit der Ernte im letzten Herbst gelagert wurden. Zu solchen Zeiten stellen wir uns die Frage, ob wir die Äpfel überhaupt anbieten – und falls ja, wo sie herkommen sollen. Was grundsätzlich aber immer für Regionalität spricht, sind die kurzen Transportwege sowie die Frische und die Reife der Produkte.

Was wäre für euch ein absolut nachhaltiges Sortiment?

Juliane: Ausschließlich saisonale Lebensmittel aus der Region, komplett unverpackt oder in Mehrwegverpackungen. Doch wir wissen, dass das nicht immer geht. Es gibt ein paar Punkte, bei denen wir Kompromisse eingehen, obwohl es nicht das Non-Plus-Ultra für die Umwelt ist. Aber wir versuchen stetig alles weiterzuentwickeln und die bestmöglichen Lösungen zu finden.

Wir sind gesellschaftlich noch lange nicht soweit, dass sich alle damit auseinandersetzen, wie sie konsumieren.

Hat nachhaltiges Leben für euch nur etwas mit Lebensmitteln zu tun?

Eva: Auf gar keinen Fall. Das hat natürlich auch etwas damit zu tun, wie man sich kleidet und fortbewegt oder welche Produkte man in der Dusche stehen hat. Es hört im Grunde nie auf. Aber ich finde, dass man sich da auch keinen Stress machen darf. Denn es ist gut, wenn man überhaupt diese Dinge hinterfragt. Wir sind gesellschaftlich noch lange nicht soweit, dass sich alle damit auseinandersetzen, wie sie konsumieren.

Die kiekmo-Redaktion bedankt sich für das Interview.

Event-Tipp: Power to the Bauer – 1. Frischepost Food Festival:

Am Sonntag, den 3. Juni, lädt Frischepost zum ersten Event ihrer Food-Festival-Reihe in die „erste liebe studios“ im Oberhafen. Unsere Empfehlung: Geht hungrig und durstig, aber auch mit euren Jutebeuteln. Denn die Produzenten freuen sich, wenn ihr an ihren Marktständen Spargel, Eier, Kräuter, Gemüse, Erdbeeren und Blumen direkt vom Feld kauft.

Wo? erste liebe studios, Stockmeyerstraße 41, 20457 Hamburg
Wann? Sonntag, 3. Juni 2018, von 12 bis 18 Uhr
Wie viel? Eintritt frei
Mehr Infos? Gibt’s auf Facebook

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