(© Ilona Lütje )

Der Buchladen in der Osterstraße: Politik, Pop und Pauli in Eimsbüttel

Ihr lest mehr als den neuen Fitzek, es darf auch mal Politik oder ein Pop-Comic sein? Dann ist der Buchladen in der Osterstraße in Eimsbüttel seit vier Jahrzehnten die richtige Adresse.

Der Geruch bedruckten Papiers liegt in der Luft. Die Regale sind pickepackevoll. Kein Wunder, der Buchladen in der Osterstraße ist nicht sehr groß. In einer Ecke hockt Torsten Meinicke, berät einen seiner Kunden. Bevor es um Bücher geht, wird erstmal das Spiel des FC St. Pauli vom Vortag aufgearbeitet. Dann ist Literatur dran. Linke Literatur. Denn die hat hier, an der Osterstraße, seit Jahrzehnten ein Zuhause. Der Laden ist eine Bastion gegen den Mainstream, der in Filialen großer Buchhandelsketten unter die Leute gebracht wird. Die Ausrichtung findet sich im Motto wieder, das Meinicke und sein Team sich gegeben haben. "Lesen fängt links an", lautet es.

Seit 1978 ist hier die linke Literatur zu Hause

Seine Türen öffnete der Buchladen im April 1978, damals noch auf der anderen Seite der Osterstraße. Bewegte Zeiten waren das. Gerade mal ein halbes Jahr war seit der Entführung der Lufthansa-Maschine "Landshut", dem Tod der RAF-Terroristen Baader, Ensslin und Raspe in Stammheim und der Ermordung Hanns Martin Schleyers vergangen. Der deutsche Herbst bescherte der Linken in Deutschland heftigen Gegenwind. Aber eben auch Interesse an Systemkritik und politischer Analyse. Für Literatur zu diesem Thema ist der Buchladen in der Osterstraße bis heute die richtige Adresse. Für Lesungen und Veranstaltungen wie die lange Nacht der Literatur übrigens auch.

Der Buchladen: Treffpunkt für Hamburgs Friedensbewegung

In den 1980er-Jahren wurde der Buchladen zum Treffpunkt für Friedensbewegte und Menschen, die der Atomkraft den Kampf ansagten. Wer damals in Eimsbüttel lebte und die Bahn nutzte, dem begegnete der kleine Buchladen regelmäßig. Nicht wenige werden sich an das kleine Schaufenster erinnern, das in der U-Bahn-Station Osterstraße angemietet worden war. Da musste manch Erzkonservativer an marxistischen Thesen vorbei. Manch in alten Geschlechterrollen gefangener Familienvater sah sich während des Wartens auf den Zug einem Poster mit radikal-feministischen Zitaten von Simone de Beauvoir konfrontiert.

Anspruchsvolle Kinderbücher und coole Pop-Literatur

Deren Werke gibt’s in dem Buchlädchen noch heute. Politische Bücher, viele zum Thema Nationalsozialismus, ebenfalls. Aber auch anspruchsvolle Kinderbücher stehen in den Regalen. Und Krimis. Warum auch nicht, schließlich las die schon Bertold Brecht am liebsten. Fans cooler Pop-Literatur kommen ebenfalls auf ihre Kosten. Gleich beim Eintreten grinst uns ein zur Comicfigur gewordener Nick Cave an, Reinhard Kleist hat den großen Australier zeichnend verewigt. Bücher wie dieses liegen nicht in jeder Mainstream-Buchhandlung aus. Im Buchladen in der Osterstraße schon.

Infos: Buchladen Osterstraße, Osterstraße 171, 20255 Hamburg; Mo–Fr 9 bis 19 Uhr, Sa 9 bis 16 Uhr

Noch mehr gute Adressen für Leseratten

In Hamburg gibt es neben den großen Ketten zum Glück noch viele kleine Schmökerstuben. In Altona verkauft zum Beispiel Christiane Scheven in ihrem Buchladen "ZweiEinsDrei" mit Leidenschaft Geschichten auf Papier. Und in Eppendorf solltet ihr unbedingt dem kleinen, aber feinen Lädchen "Das Buch" einen Besuch abstatten. Mit ein bisschen Glück trefft ihr dort vielleicht sogar einen berühmten Autoren. In euren Regalen verstauben alte Wälzer, CDs und DVDs? Dann tut etwas Gutes und unterstützt die "Aktion Buch".

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