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Ottensens Bewohner: Torsten Behnk vom Kinderhaus "Mottenlos"

In unserer Reihe "Menschen vo(r)m Fach" stellen wir euch Menschen vor, die in Ottensen leben, arbeiten oder wirken - ein direkter Blick in die Nachbarschaft also. Für dieses Gespräch haben wir mit Torsten Behnk, dem Geschäftsführer des Kinderhaus' "Mottenlos" gesprochen.

Um zu zeigen, wie eng die Nachbarschaft und vor allem die Vernetzung in Ottensen ist, verbinden wir die Menschen miteinander, indem das Gespräch mit einem kleinen Mitbringsel weitergegeben wird. Im vergangenen Teil dieser Serie haben wir Simon Oetter getroffen, der die Victoria-Apotheke am Spritzenplatz leitet. In unserem kiekmo-Schließfach hat er ein handgemachtes Engelwurzbalsam hinterlassen – ausgepackt hat es Torsten Behnk, der seit 1996 der Leiter vom Kinderhaus Mottenlos ist. Er erzählt, warum es wichtig ist, den Kindern Individualität und Diversität vorzuleben, und warum seine Kita so gut nach Ottensen passt.

Torsten, Simon Oetter von der Victoria-Apotheke am Spritzenplatz hat das Gespräch an dich weiter gegeben. Was verbindet euch?
Simons Tochter hat ein oder zwei Jahre bei uns in der Kita verbracht, so haben wir uns kennen gelernt. Ich bin oft im Stadtteil unterwegs und renne auch mal an der Apotheke vorbei. Wir kaufen viel bei Simon ein. So treffen wir uns öfter und tauschen uns dann auch immer aus. Das Kinderhaus hatte im Juni außerdem dreißigjähriges Jubiläum, da hat uns Simon mit seiner Familie auch besucht.

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Simon hat von der Diversität bei euch in der Kita geschwärmt. Ist das etwas, was euch auszeichnet?
Ja. Wir wollen auch mit unserer Verschiedenartigkeit im Personal zeigen: Jeder Mensch ist anders. Jeder soll und darf möglichst authentisch sein, wird so akzeptiert wie er ist und als wertvoll betrachtet. Das sehen wir als wichtige Grundlage an, die wir den Kindern so vorleben und mitgeben möchten. Natürlich haben wir aber gemeinsame Werte, auf deren Basis dieses Miteinander funktioniert.

Welche Werte denn?
Letztendlich geht es darum, dass die Kinder bei uns soziale Kompetenz erlangen und dass sie Lust am Lernen finden. Menschen, die in einem sozialen Umfeld entspannt agieren können, die wissen, wie man an Informationen kommt und auch Spaß daran haben, die haben meiner Meinung nach schon im Leben gewonnen.

Was liebst du am meisten an deiner Arbeit?
Auch, wenn die Tage mal stressig waren und ich kaputt nach Hause komme, weiß ich letztendlich: Ich tue da etwas Sinnvolles. Ich glaube es gibt wenig Berufe, die in ihrer Nachhaltigkeit so sinnvoll sind, wie das, was wir hier tun.

Das Kinderhaus Mottenlos gehört nach Ottensen

Würde das Kinderhaus Mottenlos in einen anderen Stadtteil besser passen als nach Ottensen?
Nein. Wir sind hier seit 30 Jahren, wurden von Eltern aus dem Viertel gegründet. Wir sind in Ottensen tief verwurzelt und passen hier auch hin wie die Faust aufs Auge.

Du bist seit 1996 beim Kinderhaus Mottenlos. Wie würdest du auf der einen Seite den Wandel der Kita und auf der anderen Seite den Wandel des Viertels beschreiben?
Das geht Hand in Hand. Die Kita wird immer mehr zum Dienstleister. Früher gb es eine sehr viel engere und in Teilen auch freundschaftlichere Begegnung zwischen uns und den Eltern. Das ist nur noch in Einzelfällen so. Das liegt auch am Wandel des Stadtteils. Es wohnen inzwischen sehr viel mehr Leute mit viel Geld hier. Früher, als ich angefangen habe, da gab es am Spritzenplatz einen türkischen Laden neben dem anderen. Das Mercado hat noch nicht existiert. Vieles ist jetzt natürlich anders. Direkt gegenüber vom Kinderhaus ist gerade ein neuer Wohnkomplex entstanden, nur unglaublich teure Eigentumswohnungen. Damit wandelt sich dann natürlich auch das Klientel in der Kita. Aber nebenbei hat sich in Ottensen auch so etwas wie eine alternative Szene gebildet. Es gibt viele Leute hier, die sehr umweltbewusst sind, die Biolebensmittel kaufen. Das machen wir bei uns in der Kita auch.

Was wünscht du dir für die Zukunft?
Ich hoffe, dass die Politik begreift, dass viel mehr Ressourcen in diesen Bereich gesteckt werden müssen. Das gilt für uns ebenso wie für die Kollegen, die in Schulen oder anderen sozialen Bereichen arbeiten. Wir müssen in der Kita mit diesem Mangel umgehen. Das ist nicht nur ärgerlich, das geht nach hinten los. Im Bezug auf die Zukunft der Kinder und damit auch die Zukunft unserer Gesellschaft.

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An wen gibst du das Gespräch weiter und was hast du mitgebracht?
Ich gebe das Gespräch weiter an Ole. Er lebt bei uns nebenan in einer Wohngruppe, hat Down-Syndrom und arbeitet in der Kita. Weil er so gerne einkaufen geht, kommt er einmal die Woche zu uns und wir geben ihm eine Einkaufsliste. Seine Betreuerin hat mir verraten, dass er leidenschaftlicher Kaffeetrinker ist, deswegen habe ich ihm eine hübsche Tasse mitgebracht. Ich kann mir vorstellen, dass er damit seine Freude hat und dass es etwas Besonderes ist, wenn er seine eigene Tasse hat. Außerdem habe ich goldene LED-Kerzen dabei, damit kann er es sich dann richtig gemütlich machen.

Mehr Menschen vo(r)m Fach

Ottensen wird von seinen Bewohnern auch liebevoll "Dorf" genannt – man grüßt sich auf der Straße, die Menschen sind vernetzt. Wenn auch ihr die Bewohner dieses wunderbaren Stadtteils besser kennen lernen wollt, stellen wir euch gerne weitere vor: Da wäre zum Beispiel Michael Wendt, der das Stadtteilzentrum Motte leitet, Monika Baum, die jedes Jahr die kunstaltonale auf die Beine stellt, oder Simon Oetter, der im Schaufenster seiner Apotheke gerne mal Kunst präsentiert.

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