(© Ulrike Fischer )

Ottensen, Tango und Klavier – die Zutaten zum Glück

Patricia Russu bringt Ottensen den Tango bei – und wie man sich ganz der Musik hingibt.

Ihre Mutter war Prima Ballerina an der Komischen Oper in Berlin, der Vater Choreograph – Patricia Russu machte ihr eigenes Ding: Sie studierte Klavier und verfiel dem Tango. Beides unterrichtet sie heute in Ottensen und Eimsbüttel.

Wenn Patricia aus dem Fenster Ihrer Wohnung auf den belebten Alma-Wartenberg-Platz schaut, huscht ein Lächeln über ihr Gesicht: „Ottensen ist mein Lieblingsviertel“, sagt sie. „Das wuselige Treiben, die vielen verschiedenen Menschen, die Cafés, Restaurants und inhabergeführten Geschäfte – man muss nur auf die Straße gehen und entdeckt immer wieder Neues. Außerdem habe ich das Gefühl, endlich angekommen zu sein.“

Patricias Leben hat einige Wendungen zu bieten: Nach einer dramatischen Flucht aus der ehemaligen DDR im Frühjahr 1989 von Dresden nach Hamburg – "Hätten wir bloß gewusst, dass ein halbes Jahr später die Mauer fällt!" – schaffte sie die Aufnahmeprüfung für Klavier an der Hamburger Hochschule für Musik und Theater, wurde Konzertpianistin, lernte Ihren ersten Mann kennen und zog ins beschauliche Hoheluft-Viertel. "Eine schöne Ecke, genau richtig für Familien mit kleinen Kindern. Schulen, Kitas und Spielplätze gibt’s da ohne Ende", erzählt die Mutter eines 16-jährigen Sohnes.

Ich habe aus Verzweiflung irgendwann einfach 'Lagerhalle' in der Suchfunktion eingegeben.

Dann folgte eine Art zweite Flucht, denn die schöne Mietwohnung mit Garten wurde verkauft. Patricia, mittlerweile getrennt, suchte mit ihren drei schwer vermittelbaren "Ks" – Kind, Klavier, Katzen – eine neue Bleibe. "Ich habe aus Verzweiflung irgendwann einfach 'Lagerhalle' in der Suchfunktion eingegeben und entdeckte so einen riesigen Raum im Hinterhof in der Lindenstraße, St. Georg. Ohne Küche und auch sonst nicht spektakulär, aber das Ambiente wahr großartig!" Die Kulturschaffende bekam den Raum und setzte alle Hebel in Bewegung, etwas daraus zu machen.

So entstand das "Einklang Kulturloft", in dem Patricia Russu zwei Jahre lang nicht nur lebte und unterrichtete, sondern auch Ausstellungen, Konzerte, Lesungen und Tango-Abende veranstaltete. "Eine wunderbare Zeit, beruflich vielleicht sogar die schönste." Und wenn es nicht Unstimmigkeiten mit dem Vermieter gegeben hätte, wäre sie wohl noch heute dort.

(© Ulrike Fischer )

Neue Heimat Ottensen

"Aber so hat es mich nach Ottensen verschlagen und ich freue mich jede Sekunde darüber!", sagt Patricia. Ihr betagter Flügel hat all die Umzüge tadellos überstanden und die Schüler und Schülerinnen kommen aus der Nachbarschaft, aber auch von weiter her. Die strenge "russische Schule", nach der Patricia noch Klavier spielen lernte, hat sie längst über Bord geworfen. "Am liebsten arbeite ich ganz frei, versuche vor allem mit meinen erwachsenen Schülern übers Hören in die Musik einzusteigen, die Technik machen wir nebenbei – das funktioniert wunderbar. Mit Erwachsenen ist es ohnehin ein bisschen einfacher, weil die freiwillig mir zu kommen", fügt sie augenzwinkernd hinzu.

Und wie ist sie zum Tango gekommen? "Über die Musik. Gemeinsam mit einem Freund spielte ich Astor Piazzolla in der 'TANGOmatrix' beim Schlump. Da dachte ich, das muss ich selbst mal ausprobieren – und bin dran hängen geblieben", erzählt Patricia, die den Tanz mittlerweile selbst seit Jahren unterrichtet. Das Schöne an den Milongas, wie die Tangoveranstaltungen genannt werden: Es kommen nicht nur Paare, sondern Männer und Frauen, die sich einfach nur auf der Tanzfläche begegnen. Patricia: "Da tanzt auch schon mal ein 20-Jähriger mit einer 60-Jährigen."

Und was ist das Faszinierende am Tango? "Man muss versuchen, eine Einheit zwischen Präsenz und Hingabe hinzukriegen. Der eine führt, die andere folgt: Beide spüren im Idealfall, was den anderen bewegt. Das ist ein tolles Gefühl! Und dass der Mann führt, bedeutet nicht, dass er sagt, wo es langgeht – im besten Fall inspiriert er die Partnerin, seiner Bewegung zu folgen." Ist das nicht wahnsinnig kompliziert? "Gar nicht! Man kann mit sehr einfachen Mitteln einen guten Tango tanzen. Schon mit der richtigen Umarmung entsteht schnell ein echtes Tangogefühl", schwört Patricia und ergänzt: "Außerdem ist der Flirt-Faktor relativ hoch!"

Und wo kann man Tango mal ausprobieren? Hier kommen Patricias Tango-Tipps:

  • Universo Tango – der argentinischste Tango der Stadt. Die Schule wird von Alejandro Sanguineti und Jose Gordóbil geleitet. Beim Grünen Jäger 6a, 20359 Hamburg, universotango.de
  • TANGOmatrix – dynamisch, vielleicht etwas europäischer. Christiane Stange, die Betreiberin, setzt auf Club-Atmosphäre. Beim Schlump 13A, 20144 Hamburg, tangomatrix.de
  • LA YUMBA – die Schule liegt in der Kastanienallee, parallel zur Reeperbahn. Hier geht’s ein bisschen gesetzter und ruhiger zu, angenehm und kompetent! Kastanienallee 9, 20359 Hamburg, layumba-tangohamburg.de
  • el Abrazo – vielleicht ein bisschen mainstreamiger, auf jeden Fall eine der größeren Schulen. Solides Handwerk und nette Leute. Beerenweg 1d, 22761 Hamburg, elabrazo-tangohamburg.de

Weitere Tipps und Termine: www.tangokalender-hamburg.de

kiekmo

kiekmo

gratis in Deinem Appstore:

kiekmo im AppStore laden kiekmo bei GooglePlay laden