Obdachlosen-Obolus "Hilf Mahl!": Ein Euro gegen die Kälte

Wer in den kalten Monaten in Hamburg essen geht, entdeckt vielleicht ein Kärtchen auf dem Tisch: Rund 30 Restaurants nehmen am Projekt "Hilf Mahl!" teil. Auf jede Rechnung setzen sie automatisch einen zusätzlichen Euro drauf. Die Einnahmen fließen in soziale Projekte, die im kalten norddeutschen Winter den Obdachlosen der Stadt helfen. Ins Leben gerufen wurde das Projekt von Sophie und Mathias Bach, als Vorbild diente das Pendant aus Großbritannien.

Sophie und Mathias, einige der Restaurants, die bei "Hilf Mahl!" teilnehmen, gehören namenhaften Gastronomen. Teuer schlemmen und spenden – wie passt das zusammen?

Sophie Bach: Auf unseren Tischkärtchen steht ein Zitat unseres Schirmherren Ulrich Tukur: "Gutes Essen und guter Wein beflügeln unsere Sinne, öffnen das Herz und bereichern unser Leben." Das passt gut zu unserer Einstellung.

Mathias Bach: Wenn man in einem schönen Restaurant sitzt, die Ruhe und das gute Essen genießt, dann wird einem viel eher klar, wie gut es einem geht und wie wichtig es ist, auch mal zu helfen. Man bekommt die Aufmerksamkeit eines Menschen nicht, wenn er unterwegs und in Eile ist. Ich bin auch überzeugt, dass diejenigen, denen es in einer Gesellschaft besser geht, eine gewisse Verantwortung gegenüber denjenigen haben, die nicht so viel Glück hatten. Der Stärkere muss immer den Schwächeren schützen. Und das ist eine Maxime, die in jedem Bereich gelten sollte, nicht nur bei Obdachlosigkeit und Armut.

Die Idee für "Hilf Mahl!" bekamen Sophie und Mathias Bach auf einer Reise nach London (© kiekmo )

Der Spenden-Euro wird immer automatisch auf die Rechnung gesetzt. Ist es da nicht schwierig, Nein zu sagen, wenn man nicht spenden möchte?

Mathias Bach: Vielleicht. Aber ist das so schlimm? (lacht) Nein, wenn wir uns die Restaurants anschauen, die mitmachen, dann essen dort Gäste, die sich den Euro auf jeden Fall leisten können. Er fällt ja außerdem nicht pro Person, sondern nur pro Rechnung an.

Sophie Bach: Man muss das Thema auch nicht ansprechen, wenn man nicht spenden möchte. Man kann den Euro einfach von der Rechnung streichen.

Mathias Bach: Und wir haben von den Gastronomen schon häufiger das Feedback bekommen, dass einige Gäste den Spendenbetrag sogar erhöhen. Das freut uns dann umso mehr.

"Hilf Mahl!" läuft jedes Jahr vor Weihnachten an, bis März sind die meisten Kärtchen wieder verschwunden. Warum nicht gleich das ganze Jahr Spenden sammeln?

Mathias Bach: Wir haben einen ganz klaren Tipp von "streetsmart" aus England bekommen, dem britischen Äquivalent zu "Hilf Mahl!". Die sagten uns: Überfordern Sie die Gastronomen nicht. Ende Februar, Anfang März merkt man schon, dass diese langsam etwas müde werden. Dann müssen die Kärtchen auch wieder verschwinden.

Sophie Bach: Außerdem spenden die Menschen eher für Obdachloseneinrichtungen, wenn es richtig kalt ist. Dann haben sowohl die Gastronomen als auch die Gäste ein viel größeres Verständnis dafür, dass da draußen gerade viele frieren müssen. In England läuft das Projekt nur vor Weihnachten, weil das ja auch die Zeit des Schenkens ist. Die Winter sind dort aber auch ein bisschen milder als hier.

Mathias, du sitzt auch im Beirat von "Hinz&Kunzt". Ist Obdachlosigkeit ein Thema, das dich schon lange beschäftigt?

Mathias Bach: Ich bin im Immobiliensektor hier in der Innenstadt tätig. Wenn man in diesem Bereich arbeitet, dann gehört das Thema Obdachlosigkeit automatisch dazu, einfach weil Obdachlose hier präsent sind. Wir haben immer die Meinung vertreten, dass die Stadt für jeden da ist. Und deshalb finde ich es auch nicht richtig, wenn Obdachlose weggeräumt werden, denn sie sind Bestandteil unserer Gesellschaft. Deshalb soll man sie auch sehen, alles andere ist Augenwischerei. Wir Geschäftsleute in der Innenstadt sind nicht herzlos, uns geht das genauso nah wie anderen. Wie viele andere können wir zwar nicht alleine an der Wurzel ansetzen, aber wir können trotzdem mithelfen. Das ist ein Ausdruck meiner Mitverantwortung.

Info: Alle teilnehmenden Restaurants und genauere Informationen findet ihr auf der Website von "Hilf Mahl!".

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