(© Heike Blenk )

Neuanfang: "Abaton"-Chef Matthias Elwardt wechselt ins Zeise Kino

Er startete an der Kino-Kasse: Matthias Elwardt war 28 Jahre Chef des Abaton Kinos. Jetzt hat er die Leitung des Zeise Kinos in Ottensen übernommen. Wir haben uns mit ihm über seinen Neuanfang unterhalten.

Herr Elwardt, Sie haben 1986 an der Kino-Kasse des Abatons angefangen, waren die letzten 28 Jahre dann Programmchef und Geschäftsführer. Gibt es etwas, das Sie an Ihrer Arbeit im Abaton besonders vermissen werden?

Natürlich, die tollen Mitarbeiter und das Grindelviertel. Aber wie Hermann Hesse schon sagte: "... jedem Anfang wohnt ein Zauber inne."

Fällt es Ihnen schwer, etwas zurückzulassen, das Sie so lange begleitet haben?

Es war ein langsamer Abschied, da ich schon länger wusste, dass ich das Kino verlassen muss. Es ist sehr schade, ein großartiges Publikum und ein so gutes Mitarbeiterteam zurückzulassen.

(© Heike Blenk )

Dafür geht es bei Ihnen gleich weiter – seit Januar leiten Sie die Zeise Kinos in Ottensen. Was lieben Sie so an diesem Kino und dem Stadtteil?

Zunächst einmal ist der große Saal mit seinen 371 Plätzen und seinem Balkon natürlich sehr schön, liegt außerdem in einer eindrucksvollen Halle und einem lebendigen Viertel. Altona ist großes Kino, nicht nur in den Filmen von Fatih Akin und Hark Bohm. Ich freue mich auch besonders auf Kooperationen mit möglichst vielen Institutionen, Vereinen und Menschen in Altona. Die "Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein" ist unser Nachbar und wir wollen eng zusammenarbeiten. Sieben Jahre war ich Jurymitglied bei der Filmförderung und dort regelmäßig zu Gast. Außerdem liebe ich die Nähe zur Elbe.

Neu in den Zeise Kinos: Deutlich mehr Premieren und Gäste

Haben Sie schon konkrete Pläne für das Kino, oder etwas, das Sie gerne verändern würden?

Das Zeise ist ein wunderbares Kino mit sehr viel Potenzial. Bereits ab Ende Januar wird es dort deutlich mehr Premieren und Gäste geben. Am 27. Januar hat die Dokumentation "Zwei Familien auf Weltreise" bei uns seine Hamburg-Premiere. Ende des Monats ist Schauspieler und Musiker Bela B. zu Gast, für "Das letzte Mahl", ein wichtiger Film in Erinnerung an Hitlers Machtergreifung am 30. Januar 1933. Und im Februar kommt Anselm Pahnke mit seinem Fahrrad zu seinem Film "Anderswo". Er ist 414 Tage mit dem Rad durch Afrika gefahren. Im Februar erwarten wir natürlich auch Fatih Akin zu "Der goldene Handschuh". Immer freitags finden hier außerdem tolle Slams statt. In Zukunft wird der Gewinner des Kurzfilm-Slams dann als "Kurzfilm des Monats" im regulären Programm gezeigt.

Ist auch was für die Kids dabei?

Ja, auch Schul- und Sondervorstellungen wird es deutlich mehr geben. Ab Februar beginnen wir mittwochs schon um 11 und 13 Uhr mit ausgewähltem Mittagskino, danach kann man dann die vielfältige Gastronomie mit ihren Mittagstischen um das Zeise Kino entdecken. Im Januar ist außerdem Checker Tobi von KIKA zu seinem Kinofilm hier zu Gast.

Auf was legen Sie bei der Auswahl dieses Programms besonders viel Wert?

Ich suche junges, aufregendes Kino aus aller Welt. Auch in Zukunft möchte ich alle interessanten deutschen Regisseure mit ihren Filmen im Zeise Kino zeigen und mit ihnen Gespräche führen. Es wird mehr Vielfalt geben, das Kinderkino werde ich auch stärken. Im Geburtstagskino können sich unsere jungen Gäste zum Beispiel einen Film aus unserem Kinderprogramm zu ihrem Geburtstag wünschen. Natürlich hat das Geburtstagskind dann freien Eintritt.

Ob Zeise oder Abaton: Hamburg ist ein großartiges Kino-Publikum

Sie haben sich fast Ihr ganzes Leben mit Kino beschäftigt. Wie hat sich die Kinobranche seit Ihren Anfängen im Abaton verändert?

Die Kinolandschaft in Hamburg hat sich in den letzten drei Jahrzehnten stark gewandelt. Das liegt vor allem an den vielen neuen Kinos, wie den Cinemaxx- und den UCI Kinos. Aber auch das Zeise Kino gibt es erst seit 1993. Den stärksten Einfluss hat die Digitalisierung auf das Kino genommen und die damit verbundene Verdoppelung der Filmstarts, auf jetzt schon über 600 Filme jährlich. Großartig sind die Hamburger Regisseure, wie etwa Fatih Akin, Lars Jessen, Maria Schrader, Katrin Gebbe und Christian Hornung. Ich freue mich auch auf Hermine Huntgeburths nächsten Film: "Lindenberg! Mach Dein Ding!".

Was schätzen Sie besonders an den Kinogängern Hamburgs?

Hamburg hat ein sehr interessiertes Kinopublikum. Ich habe all die Jahre sicher rund 3.000 Publikumsgespräche geführt – meine Gäste waren immer begeistert vom Publikum. Regisseure wie Wim Wenders, Sebastian Schipper, Christian Hornung und Jan Georg Schütte waren 15 bis 25 mal zu Gast. Das spricht für die gegenseitige Wertschätzung von Filmemachern und Publikum in unserer Hansestadt.

Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für Ihren Start in den Zeise Kinos, Herr Elwardt.

Weitere tolle Kinos in Hamburg

Neben dem bereits mehrfach erwähnten Abaton Kino im Grindelviertel gibt's zahlreiche weitere tolle Lichtspielhäuser, die allesamt einen Besuch lohnen: Hier haben wir Hamburgs schönste Kinos für euch. Oder ihr schaut mal in der Hafencity vorbei. Hier entstand mit der Astor Film Lounge vor Kurzem ein neues Luxus-Kino für die Hansestadt. Viel Spaß beim Entdecken!

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