Habib Zedat baut Möbel aus bunt lackierten Fischerbooten, die beim Tsunami 2004 zerstört wurden. (© Galerie Zeba )

Möbel aus Tsunami-Resten: Galerie "Zeba" in Wedel

Aus bunt lackierten Fischerbooten, die beim Tsunami 2004 zerstört wurden, baut Habib Wehdat in Wedel traumhaft schöne Möbel und Wohnaccessoires. Wir stellen die Galerie Zeba vor.

Die Bootsüberreste wurden nach Deutschland verschifft

Eine Lampe, verziert mit Treibholz. Oder einen Tisch, eine Tür, einen Stuhl mit den stylisch-shabby Resten aus buntlackierten Maori-Fischerbooten. Hahbib Wehdat verwendet ausschließlich Holz aus Fischerbooten, die beim verheerenden Tsunami von 2004 zerstört wurden. Er war, so erklärt er stolz, einer der ersten in Deutschland, die auf diese Idee kamen. "Ich war in Australien bei einem Basketball-Turnier und legte beim Rückflug einen Zwischenstopp auf Bali ein", erzählt er. Dort entdeckte er am Strand riesige Haufen, zu denen die zerschmetterten Fischerboote aufgetürmt waren – drei Jahre nach der zerstörerischen Flutwelle. So traurig dieser Anblick auch war, so schön waren die Holzreste: ursprünglich knallbunt lackiert, waren die Farben durch Salzwasser, Sonne und Regen teilweise abgeblättert und ausgeblichen, rot, grün, gelb, orange, türkis, die Farben schimmerten in mehreren Schichten. Für Habib Wehdat war klar: Diese Holzreste durften nicht verbrannt werden. Er kaufte sie auf, verschiffte sie per Container nach Deutschland und verkaufte sie zunächst als Gemälde.

Große Firmen rauben den Fischern die Existenzgrundlage

"Dann kam ich auf die Idee, daraus Möbel zu bauen", erzählt er. Nicht ganze Möbel, sondern nur mit Elementen aus den Bootsresten. Zum Beispiel ein Rahmen bei einer Tür, eine Sitzfläche für einen Stuhl, der Teil einer Tischplatte. Die Idee kam an, viele wollten so ein stylisches, maritimes und einzigartiges Stück für das Wohnzimmer oder die Terrasse. Es waren so viele, dass auch andere Möbelbauer begannen, ähnliche Stücke zu bauen. Nur: "Es gibt keine zerstörten Fischerboote mehr. Gerade die großen Firmen kaufen deshalb heile Boote auf, bieten den armen Fischern 200, 300 Dollar an, die diese gern nehmen. Doch irgendwann ist das Geld alle und die Einkommensquelle ist weg, die Fischer stehen vor dem Nichts. Das ist nicht fair."

Er selbst habe noch einen großen Vorrat aus altem Holz, aus denen er seine Möbel bauen kann. Nachhaltigkeit ist ihm enorm wichtig; wenn er neues Holz verwendet, dann Akazienholz, das nicht aus dem Urwald stammt und dessen Import erlaubt ist. Auch recyceltes Teakholz gehört zu seinen liebsten Arbeitsmaterialien – zum Beispiel für die hochwertig und fein gearbeitete Möbelreihe "Clean Cut".

Das Treibholz sammelt Wehdat selbst am Wedeler Strand

Gerne arbeitet er auch mit Treibholz, das er nach einem Sturm selbst am Wedeler Strand aufsammelt. "Das eignet sich allerdings nur als Deko, es ist viel zu porös, als dass man daraus Möbel bauen könnte." Wenn er stabileres Holz mit derselben Anmutung braucht, benutzt er sogenanntes Erosionsholz, das er ebenfalls in der Natur aufsammelt. "Das bekommt Regen und Sonne ab und altert ebenfalls auf eine ganz besondere Weise, hat aber eine wesentlich bessere Konsistenz als Treibholz, das lange im Wasser war."

Mehr Heimat fürs Heim geht nicht: Möbel mit Treibholz, das Habib Wehdat am Wedeler Strand gesammelt hat. (© Galerie Zeba )

Auf Wunsch richtet Habib Wehdat ganze Räume ein

Gerne könnt ihr in Habib Wehdats Werkstatt einfach mal herumstöbern. Er baut euch aber auch euer Wunschmöbel. Schildert ihm, was ihr euch vorstellt, dann fertigt der Holzkünstler zuerst eine 3D-Skizze an. Wenn sie euch gefällt, baut er das Teil. Auch durchaus im größeren Maßstab: Unter anderem hat er schon für Jever und Krombacher ganze Verkaufsräume gestaltet.

Die Einrichtung des Kleinen Jever Stübchens in Bergedorf ist von Habib Zehdat. (© Galerie Zeba )

Mehr Infos findet ihr im Internet auf www.galeriezeba.de. Hier findet ihr auch die Kontaktdaten, wenn ihr euch Habib Wehdats Möbel und Wohnaccessoires mal anschauen wollt.

Die schlechte Nachricht: Habib Wehdat muss seine Galerie Zeba schließen, weil der Vermieter die Räume umbauen will. Die gute: Ihr könnt die wunderschönen Möbel und Accessoires aus Bootsresten und Treibholz trotzdem auch weiterhin kaufen. Ihr müsst einfach nur einen Termin vereinbaren. Dann könnt ihr nach Herzenslust stöbern – oder euer Traummöbel in Auftrag geben.

Heißer Tipp: Wegen des Räumungsverkaufs bekommt ihr bereits fertiggestellte Möbel und Wohnaccessoires derzeit um bis zu 50 Prozent reduziert.

Mehr Nachhaltiges und Upcycling aus Hamburg

Ebenfalls maritim, recycelt und aus Hamburg: die Armbänder von Bracenet, die aus Geisternetzen hergestellt werden. Regional und nachhaltig produzierte schöne Dinge findet ihr auch beim Der.Die.Sein Designmarkt, der jeden Samstag im Unilever Haus stattfindet.

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