Maßschuhe von Thomas Keil: Der moderne Traditionalist

(© Walter Schießwohl )

Sinn für Qualität und Tradition – verknüpft mit modernen Ideen. In seiner Werkstatt fertigt Thomas Keil feine Schuhe mit uralten Maschinen und Gerätschaften.

Thomas Keil sitzt vor einer alten Werkbank aus massivem Holz. In dem Regal über seinem Kopf lagern die vielen Schuhleisten seiner Kunden. Diese fertigt er individuell und passgenau bei der ersten Bestellung an. In dem kleinen Eckladen des Schuhmachermeisters gibt es keine modernen Maschinen. Hinter seinem Rücken hängen unzählige alte Brandsohlenmesser, Aufrauraspeln und andere Werkzeuge.

(© Walter Schießwohl )

„Viele davon sind über 100 Jahre alt“, betont er stolz und blickt auf sein museumsreifes Sammelsurium. Durch die riesigen Fensterfronten des Ateliers kann man Keil dabei zuschauen, wie er mit der Ahle sorgfältig Löcher für eine Sohle aussticht, bevor diese vernäht werden kann. Großzügig fällt das Licht auf halbfertige Budapester, Chelsea-Boots oder Gamaschenschuhe, allesamt aus hochwertigem, pflanzlich gefärbtem Leder.

(© Walter Schießwohl )

Seit 2011 betreibt der 41-Jährige seine Werkstatt in Ottensen. Zuvor hatte er in Hamburg die Meisterprüfung gemacht, als einer von nur sehr wenigen Schuhmachern in den vergangenen 20 Jahren. Keils Leidenschaft für dieses Handwerk kommt nicht von ungefähr. Bereits sein Urgroßvater war Schuhmacher – in Pirmasens, der ehemaligen Schuhmacher-Hochburg.

(© Art Department: Christian Schmidt )

Bei all der Tradition verschließt er sich aber nicht der modernen Zeit. Er fertigt sowohl die hochwertigen Maßschuhe seiner Premium-Linie als auch eine kleine preisgünstigere Maßkonfektion. Nach einem Baukastenprinzip können seine Kunden sich aus fünf Leisten-Grundmodellen mit unterschiedlicher Weite, 16 verschiedenen Schuhmodellen und über 20 Ledersorten ihr Schuhwerk individuell selbst gestalten. Vier Wochen Anfertigungszeit benötigen die rahmengenähten Konfektionsschuhe, bis sie fertig sind. Für die kostspieligeren Unikate aus Maßanfertigung braucht Keil dagegen sechs Wochen bis drei Monate.

(© Walter Schießwohl )

„Die Schuhe, die ich baue, sollen auch gesund sein“, erklärt Keil. Schließlich hat er sich auch aus orthopädischen Gesichtspunkten auf Herrenschuhe spezialisiert, die Absätze für Damenschuhe seien da oft ungeeignet. Seine Modelle sind aber so gestaltet, dass sie in kleineren Größen auch von Frauen getragen werden können – bei ihm ist Tradition eben immer in Bewegung.

Mehr Infos unter www.keil-schuhe.de

Autorin: Angela Kalenbach

kiekmo

kiekmo

gratis in Deinem Appstore:

kiekmo im AppStore laden kiekmo bei GooglePlay laden