(© Andreas Daebeler )

Das Magazin-Kino: Zwischen Nostalgie und Moderne

Nostalgie, Kultfilme und Hamburger Stadtgeschichte: Wie das Magazin-Kino in Winterhude Multiplex-Boom und Netflix-Hype überlebt – fernab von Massenabfertigung, 3D-Show und Konsum.

Die ältere Dame schaut etwas misstrauisch. "Suchen Sie etwas?", fragt sie. Und ist offenkundig nicht begeistert, dass wir um ihre Haustür schleichen. Doch unsere Antwort beruhigt. "Ach, ins Kino wollt ihr. Das ist einen Eingang weiter." Kann schon mal passieren, dass man die falsche Tür ansteuert. Auf der Suche nach dem Magazin-Kino, eigentlich Magazin-Filmkunsttheater. Denn das ist in einem ganz normalen Wohnhaus beheimatet. Mitten im Stadtteil Winterhude, hinter Rotklinkern aus der Zeit des legendären Hamburger Stadtbaudirektors Fritz Schumacher, verbirgt sich eines der schönsten Programmkinos in der Elbmetropole. Es hat Multiplex-Boom und Netflix-Hype überlebt. Wir nehmen euch mit auf einen Besuch. Ins Magazin.

Magazin-Kino: Ein Haus mit Tradition

Und ja, das Magazin-Kino Hamburg hat Tradition. Es atmet Stadtgeschichte. Eigentlich diente der 1937 eröffnete Saal den Menschen im Quartier als Begegnungsstätte. Im Rotklinkerviertel lebende Arbeiter und Senioren konnten darin gemeinsam speisen und Konzerten lauschen. Die "Winterhuder Lichtspiele" sorgten für erste Aufführungen und bekamen dann nach dem Zweiten Weltkrieg von den britischen Besatzern auch die Lizenz, weiterhin Filme zu zeigen. Auf eine zwischenzeitliche Krise mit dem großen Kinosterben folgte die Epoche als Magazin. 1974 übernahmen Gerd Fölster und Arndt Eggers das Haus, gaben ihm den Namen und holten sogar deutsche Erstaufführungen nach Winterhude.

Mehr als Kino: Lesungen, Konzerte, Diashows und mehr im Magazin-Kino

Das Konzept ist seit diesen Tagen immer wieder überarbeitet worden. Doch Klassiker, wie etwa die langen Filmnächte, Themenabende und die beliebte Matinee haben feste Plätze im Programm. Ergänzt wird es mit Autorenlesungen, Live-Konzerten und Dia-Shows. Nicht zu vergessen, die Übertragung der "Last Night oft Proms" und der kultige Silvesterabend, an dem Filmklassiker aus den Anfangstagen des Magazin-Filmkunsttheaters über die Leinwand flimmern.

Alte Perlen und Neuerscheinungen

Geändert hat sich im Magazin-Kino seit den ersten Tagen zwangsläufig einiges. Klar, die Technik ist heute noch ausgereifter. So musste 2013, nach dem Ende der Filmrolle, auf moderne Vorführungen umgestellt werden. Eine sechsstellige Summe floss in digitale Bild-und Tondarstellung. Auch musste die elektrische Haustechnik komplett erneuert werden. Verzichtet wurde bewusst darauf, sich komplett auf den Zeitgeist einzulassen – 3D-Vorführungen gibt es im Magazin-Kino nicht. Wichtig ist den Machern allerdings, bei der Auswahl der Filme nicht in den Ruf zu kommen, arrogant zu wirken. So findet sich neben Perlen des Arthouse auch manch eher dem Mainstream zuzurechnende Produktion auf dem Spielplan, aktuell etwa die Verfilmung der Kindheit des Komikers Hape Kerkeling oder der "Queen"-Streifen "Bohemian Rhapsody".

Magazin-Kino: Förderverein für Filmkunst und Kultur in Winterhude

Die 370 Sitze sind immer noch urgemütlich. Es gibt freie Platzwahl. Vorbestellungen sind nicht nötig, ihr könnt einfach reinschneien. In der Regel kostet der Eintritt neun Euro pro Vorstellung. Dafür, dass das Magazin-Kino nicht nur eine Vergangenheit, sondern auch Zukunft hat, sorgt ein im Sommer 2007 gegründeter Förderverein, der sich "Magazin Filmkunst und Kultur in Winterhude e.V." nennt. Der Verein hat sich den langfristigen Erhalt des Hauses zum Ziel gesetzt.

Infos: Magazin-Filmkunsttheater, Fiefstücken 8a, 22299 Hamburg

Noch mehr Kinos in Hamburg

Auch andere Stadtteile haben noch ein paar richtig schöne Programmkinos. Wir haben hier für euch die besten Kinos in Hamburg, in denen ihr so richtig stilvolle Filmabende erleben könnt. Und wenn mal wieder alles nur Theater ist, dann verraten wir euch, wo ihr hinmüsst: Ob Drama, Komödie oder Musical – 5 kleine, feine Theater in Hamburg.

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