(© Ole Müller )

Lenzsiedlung in Eimsbüttel: Vom Hochhausghetto zum Vorzeigequartier

Als die Lenzsiedlung mit ihren Hochhäusern Mitte der 1970er-Jahre gebaut wurde, waren die modernen Wohnungen begehrt. Dann folgte der Abstieg, doch dank sozialer Projekte und vergleichsweise günstiger Mieten ist das Quartier heute wieder begehrt.

60 Häuser. Einige 15 Stockwerke hoch. Rund 1.200 Wohnungen. Und das alles auf gerade einmal 7,6 Hektar. Das ist die Lenzsiedlung. Ein vor vierzig Jahren aus dem Boden gestampftes Quartier mitten im beschaulichen Eimsbüttel. In einem Stadtteil, der bis dahin von Altbauten und in Richtung Hagenbeck sogar Einfamilienhäusern geprägt ist.

Die Lenzsiedlung: Wohnen der Zukunft

In den 1970er- und 1980er-Jahren werden die modernen Bauten mit Fahrstuhl, guter Dämmung und modernen Bädern von den Bewohnern gefeiert. Unrat landet in den futuristischen Müllschluckern, Kinder spielen auf dem nagelneuen Abenteuerspielplatz im Hof zwischen den gigantischen Häuserschluchten und beim nahen Club Grün-Weiß Fußball. In der Siedlung ist irgendwie alles um die Ecke, prima.

Brennpunkt Lenzsiedlung

20 Jahre später jedoch ist der Lack ab. In die Schluchten der Lenzsiedlung traut sich nur noch, wer gute Nerven oder viele starke Freunde hier hat. Die Bewohner nehmen schon längst lieber den Weg außen rum, wenn sie zur U-Bahn an der Lutterothstraße müssen. Kleinkriminalität ist an der Tagesordnung. Die Siedlung hat sich den Ruf eine "Ghettos" erworben. Pläne, die Eimsbüttler mitzunehmen, sie gar mit einem Wochenmarkt ins Quartier zu locken, für Leben und Austausch zu sorgen, haben sich zerschlagen.

Wohnquartier mit sozialem Anspruch

Es ist der Moment, in dem die Verantwortlichen handeln. Ein Team von Haupt-und Ehrenamtlichen nimmt sich der Pflege von Grünflächen an, sorgt für intakte Spielplätze und nimmt auch sonst vor allem Kinder und Jugendliche in den Blick. In der Folge entstehen Treffpunkte, Bolzplätze und Werkstätten. Sogar ein Musikstudio, in dem coole Jungs ihre Reime schleudern und Hip-Hop-Tracks aufnehmen können. Ein Stadtteilverein organisiert Feste. Sogar um Gesundheitsförderung wird sich gekümmert. So entsteht Identifikation. Das Konzept geht auf. Zumal die Mieten in den vornehmlich von der Saga vermieteten Wohnungen noch immer vergleichsweise günstig sind. Anderorts wird in Eimsbüttel das Dreifache pro Quadratmeter aufgerufen.

3.000 Bewohner, 60 Nationen und jede Menge Auszeichnungen

Derzeit gilt die Lenzsiedlung nicht mehr als Brennpunkt. Dass Reibereien in einem Quartier mit 3.000 Menschen aus 60 Nationen nicht ausbleiben, versteht sich. Doch das hier unter anderem von einem Stadtteilbeirat an den Tag gelegte soziale Engagement wird immer häufiger gewürdigt. Etliche Preise gab es bereits, unter anderem von der Körber-Stiftung, dem Netzwerk Nachbarschaft und der Hamburger Morgenpost.

Neuer Wohnraum: Hier wächst Hamburg

Der Platz in Eimsbüttel wird immer enger, der Stadtteil wächst rasant. Darum muss neuer Wohnraum her. Hier erfahrt ihr, wie zum Beispiel das neue Quartier auf dem Beiersdorf-Gelände geplant ist. Und auch in anderen Vierteln wird kräftig gebaut. Wo neuer Wohnraum in Hamburg geplant ist, lest ihr hier.

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