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Leben mit Behinderung: Ole aus der Lernwerkstatt Friesenweg

Arbeit ist wichtig für das Selbstbewusstsein und sorgt für Struktur – auch und besonders für Menschen mit Behinderung. Die Tagesstätten von "Leben mit Behinderung Hamburg" setzen deshalb auf individuelle Beschäftigung je nach den Fähigkeiten, Möglichkeiten und Wünschen der Klienten. Wir haben uns mit Ole aus der Ottenser Lernwerkstatt im Friesenweg unterhalten.

Ole Grobbel hat einen festen Händedruck und lässt lange nicht los. "Neuer Pulli", strahlt er, gemeint ist der dunkelblaue Wollpullover, den er über einem Hemd trägt. "Und neue Friseur", fügt seine pädagogische Begleiterin Heidi Schmugler hinzu. Einige seiner frisch-geschnittenen, raspelkurzen Haare sind schon ein wenig grau. Die beiden bieten gleich das "Du" an und sitzen an einem Tisch in der lichtdurchfluteten Kantine der Elbe Werkstätten im Friesenweg. Hier hat auch der Verein "Leben mit Behinderung Hamburg" (kurz: LmBH) Räume: die Lernwerkstatt Friesenweg. Ole kommt einmal wöchentlich hierher, an zwei anderen Wochentagen wird er von einem pädagogischen Mitarbeiter abgeholt und arbeitet mit Unterstützung bei Kooperationsbetrieben in Ottensen. Ole hat das Down-Syndrom, ist sehr freundlich, und macht gerne mal Scherze. Seit Juli 2018 ist er Teil des Programms. "Und er blüht richtig auf, bringt Neugier, Arbeitsfreude und wahnsinnig viele Fähigkeiten mit", bestätigt Heidi Schmugler glücklich. "Wir haben oft alle die Möglichkeiten uns zu entfalten und zu wählen wie wir unseren Arbeitsalltag gestalten wollen", erklärt sie weiter. "Bei Menschen mit Behinderung ist das sehr häufig nicht der Fall."

Individuelle Arbeitsmodelle zur freien Entfaltung

LmBH möchte seinen Klienten trotzdem die Chance bieten, sich individuell zu entwickeln und sich in den Arbeitsalltag einzubringen: Zusammen mit einem selbst gewählten Unterstützerkreis können Menschen mit Behinderung hier Wünsche und Ziele für die Zukunft erarbeiten, mit dem Fokus auf die eigenen Fähigkeiten und Interessen. "Es können sich alle ausprobieren, sehen was ihnen liegt und gemeinsam schauen wir, welcher Arbeitsbereich, welche Tätigkeit am besten passt", so Heidi. "Diese Vielfalt ist auch für Ole Gold wert."

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Arbeit stärkt das Selbstbewusstsein und sorgt für Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. "Ich arbeite dreimal in der Woche", berichtet Ole. Dienstags im Kinderhaus Mottenlos, für die er einkaufen geht."Milch", sagt Ole. "Und ganz viel anderes", fügt Heidi hinzu. Erst wird die Einkaufsliste und das Geld vom Kinderhaus abgeholt, "und dann zuckeln wir los mit unserem Hackenporsche", erzählt Heidi. Donnertags ist er in einem Bekleidungsgeschäft und hilft dort beim Sortieren und Einräumen, sorgt für etwas Ordnung. Freitags ist er in der Lernwerkstatt im Friesenweg, in unterschiedlichen Bereichen.

Zuhause und Geborgenheit

Ole wohnt auch in Ottensen: in der Nähe des Ottenser Marktplatz. Oft ist er im Viertel unterwegs, fühlt sich hier wohl und zuhause – und er kennt sich aus. In der HASPA-Filiale am Spritzenplatz regelt er seine Finanzen, im Mercado geht er einkaufen. Das Café Venezia ist seine erste Adresse für leckeres Eis, im ATV macht er zweimal die Woche Krafttraining, außerdem besucht er gerne die Hühner im Mottegarten. Auch seine Schwester wohnt hier. Nächstes Jahr wird seine Wohngruppe umziehen – innerhalb Altonas, zum Glück. Ole findet das gut, denn seine Bezugsorte und -Personen bleiben so in seiner Nähe. Auch in Zukunft wird man ihn häufig im Café Kloppstock treffen, sein Geheimtipp für richtig guten Kaffee im Viertel. Er sei leidenschaftlicher Kaffeetrinker, erzählt Ole gerne. "Ganz oft hat er auch seine eigene Kanne dabei", erzählt Heidi lachend. "Hauptsache Kaffee!"

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