(© XYZ Cargo )

Lastenräder von "XYZ Cargo": Die umweltfreundliche Alternative zum Auto

Kann ein Lastenfahrrad ein Auto ersetzen? Wie viel kostet so etwas, was sind die Vorteile, für wen eignet es sich? Wir haben bei dem Hamburger Hersteller "XYZ Cargo" nachgefragt.

Seit dem Abgasskandal denkt ihr immer wieder auf der Idee rum, das Auto abzuschaffen? Könnt aber eigentlich nicht darauf verzichten, weil ihr die Kids zum Kindergarten bringen, Großeinkäufe erledigen oder auch mal die Schwiegermutter zum Arzt fahren müsst? Wir hätten da einen Vorschlag: Denkt mal über ein Lastenrad mit E-Motor nach.

Anbieter gibt es diverse, die Palette reicht von Zweirädern mit Doppel-Kindersitz bis hin zu vierrädrigen "Tret-Lkws". Auch XYZ Cargo, ansässig in der Hamburger Neustadt, bietet verschiedenste Varianten an; für spezielle Bedürfnisse werden auch gerne Sonderwünsche erfüllt. Das Besondere an diesem Lastrad-Bauer: Die Räder werden regional hergestellt und nicht irgendwo im Ausland zusammengeschraubt. Aber was kostet so ein Cargo Bike, welche Vor- und Nachteile gibt es und für wen eignet es sich? Wir haben für euch bei Till Wolfer von "XYZ Cargo Bike Hamburg" nachgefragt.

Mit 220 Kilo mühelos durch ganz Hamburg

Till, kann ein Lastenfahrrad eine Alternative zum Auto sein?
Natürlich. Unsere Drei- und Vierräder haben eine Zuladung von bis zu 220 Kilo, da kann man auch mal zwei Erwachsene mitnehmen und fährt mit dem E-Motor dann trotzdem noch gemütlich aus der Innenstadt nach Wilhelmsburg. Kein Problem.

Ah, E-Motor! Das wäre meine nächste Frage gewesen: Ist das nicht wahnsinnig mühsam, mit so einem voll beladenen Ding durch die Gegend zu gurken?
Nein, gar nicht! E-Motoren auf normalen Fahrrädern, das macht für mich höchstens für ältere Personen Sinn. Bei einem Lastenrad macht es aber wirklich den Unterschied, ob es ein Auto ersetzen kann oder nicht. Mit E-Motor kann man fast alles transportieren, das man auch mit einem Auto transportieren würde, auch eine Waschmaschine oder ähnliches.

Was ist das für ein Akku und wie weit kommt man damit?
Da ist ein sehr leistungsfähiger Lithium-Ionen-Akku dran. Unsere haben eine Reichweite von etwa 40 bis 60 Kilometern, je nach Zuladung. In Hamburg reicht es also für das gesamte Stadtgebiet. Da kann man auch nach Harburg fahren, etwas abholen und beladen zurückradeln.

Mobile Pizzeria auf dem Lastenrad? Kein Problem!

Klingt großartig. Aber leider sind diese Lastenräder ja ziemlich teuer. Dafür bekommt man auch ein Auto...
Kommt immer drauf an, wie man rechnet. Es stimmt, mit E-Motor kosten unsere Lastenräder ab 3000 Euro, dafür kriegt man auch ein Auto. Wenn man aber die Alltagskosten eines Autos ansieht, die sogar anfallen, wenn es nur herumsteht – was es an Steuern, Versicherungen, Spritkosten, TÜV-Kosten und ähnlichem verschlingt – dann hat sich das nach ein, zwei Jahren amortisiert. Die Kosten für den Strom, den das Fahrrad braucht, liegen im Cent-Bereich, das ist überhaupt kein Vergleich.

Wie ist es mit Reparaturen? Gibt es eine Garantie, wie lange hält so ein Cargo Bike?
Wir geben die ganz normale Herstellergarantie und -gewährleistung von zwei Jahren. Aber wir machen das jetzt hier seit acht Jahren und haben noch nie eines zurückbekommen.

Es gibt bei euch ja ganz viele verschiedene Varianten, vom Zweirad mit Ladefläche bis hin zum “Fahrrad-Lkw” – ganz nach Bedarf baut ihr Fahrräder zusammen. Was war der verrückteste Auftrag, den ihr mal bekommen habt?
Wir haben mal einen Steinofenpizza-Backofen auf ein Lastenfahrrad gebaut, das fährt auch noch in Kopenhagen rum. Wir haben mal ein mobiles Aquarium gebaut und für "Hamburg Marketing" haben wir mal einen Hafenkran aus unseren Streben auf ein Rad montiert. Das war auch sehr interessant... Wir erfüllen da gerne jeden Sonderwunsch. Das können wir, weil wir mit unserem eigenen modularen Rahmen-System arbeiten. Die Rahmen werden nicht geschweißt, sondern geschraubt, und die Streben sind gerade und nicht gebogen. So können wir die meisten Sonderwünsche in der Regel gut und vor allem auch vergleichsweise günstig umsetzen.

Ultralokale Produktion in einer Kleinstfabrik

Ihr werbt auch damit, dass eure Räder regional produziert werden. Was heißt das genau?
Das ist ein essentieller Punkt. Denn das ist ja das Perfide: 95 Prozent aller Fahrräder, die hier in der Stadt herumfahren, kommen aus Asien. Das heißt, die Räder fahren mit einem großen Containerschiff, das keineswegs ökologisch unterwegs ist, sondern mit Schweröl betrieben wird, um den halben Globus. Und danach tut man hier so, als ob das ein grünes Verkehrsmittel sei. Das macht wenig Sinn. Deshalb wollten wir unsere Räder unbedingt ultralokal in "Micro Factories" vor Ort herstellen. Davon haben wir mittlerweile drei, in Kopenhagen, Hamburg und in Wien. So haben wir ganz kurze Wege zwischen Produktion und Vertrieb, die Kunden können sogar selber sehen, wie ihr Fahrrad entsteht.

Aber was ist mit den einzelnen Komponenten? Die Rohre, die Kette, die Gangschaltung? Das baut ihr doch nicht alles selber?
Die Alu-Rohre kommen aus Skandinavien, die werden dort mit Wasserkraft hergestellt, zu 70 Prozent aus recyceltem Aluminium. Bei den Fahrradteilen bleibt uns ehrlich gesagt keine andere Wahl, als beispielsweise Shimano-Teile zu kaufen, die dann natürlich meistens doch aus Asien kommen. Das liegt aber daran, dass du in Europa einfach fast keine Hersteller mehr findest. Da, wo es möglich ist, versuchen wir aber lokal herzustellen. Im Übrigen stimmt es auch nicht, dass man im Ausland viel günstiger produzieren kann. Wir haben festgestellt: Wenn man wirklich lokal herstellt und dazu faire Löhne zahlt, ist es trotzdem günstiger, als es aus Asien herzufahren.

Heißt, eure Fahrräder sind nicht teurer als die Asien-Importe?
Nein, im Gegenteil. Obwohl wir in einer gläsernen Werkstatt direkt in der Innenstadt und zu fairen Löhnen produzieren, kosten unsere Räder mit vergleichbaren Komponenten in der Regel um 800 Euro weniger als die der anderen Lastenfahrrad-Hersteller.

Durch die Fensterfront kann jeder beim Zusammenbau zugucken

Gläserne Werkstatt?
Ja, unsere Produktionsräume sind hinter einer riesigen Fensterfront in der Caffamacherreihe. Da kann man einfach mal stehenbleiben und hineingucken. Sehr spannend zu sehen, wie so ein Fahrrad entsteht! Manchmal sammelt sich auch tatsächlich eine richtige Traube Menschen vor der Scheibe an.

Ihr bietet auch an, dass man in einem mehrtägigen Workshop sein Fahrrad bei euch selber zusammenbaut...?
Genau. Bei uns kann das jede und jeder machen, wie er oder sie will: Das Rad fertig zusammengebaut kaufen, bei uns einen Workshop besuchen oder sogar einen Bauplan herunterladen und es komplett selber bauen.

Workshop und selber bauen klingt erst einmal charmant. Wird das Lastenrad dadurch günstiger?
Nein. Die Materialen kosten ja dasselbe, und natürlich leitet ein Mitarbeiter die ganze Zeit an und hilft mit. Die Arbeitszeit ist für uns also auch nicht weniger. Da geht es mehr um das Erlebnis und dass man wieder ein besseres Verständnis für die Dinge hat, die man alltäglich nutzt.

Wenn ich mich entscheide, bei euch ein Standardmodell zu bestellen – wie lange muss ich darauf warten?
Zwei Wochen.

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