In der Koppel 66 haben diverse Künstler und Designer ihre Ateliers. (© M. Schade )

Koppel 66: Haus für Kunst und Handwerk in St. Georg

In der Koppel 66 ist das gleichnamige Haus für Kunst und Handwerk zuhause. In einem Dutzend offener Ateliers werden schöne handgemachte Dinge geschaffen. Guckt mal mit rein!

Still ist es hier, an einem gewöhnlichen Werktag-Nachmittag. Friedlich, irgendwie beruhigend. Fast erinnert die Atmosphäre an eine Kathedrale, was gewiss auch an der Architektur des Künstlerhauses Koppel 66 liegt: Drei Stockwerke reicht der Blick in der ehemaligen Maschinenfabrik bis zum Glasdach hinauf, in der Mitte führt eine wendelartige Treppe von Etage zu Etage. Nur das Quietschen der Tür, wenn Gäste aus dem oder ins Café im Erdgeschoss gehen, unterbricht die Stille. Gelegentlich auch mal ein paar Worte, ein Lachen. Davon abgesehen scheint hier tote Hose zu sein.

Koppel 66 präsentiert zwei Messen für Kunst und Handwerk pro Jahr

Der Eindruck täuscht. Hinter den Türen der meisten Ateliers, die in der Koppel 66 zuhause sind, wird emsig gearbeitet. Schließlich steht die Frühlingsmesse kurz bevor – sie findet jedes Jahr am Wochenende vor Ostern statt (2019: 12. bis 14. April), vor Weihnachten gibt es eine zweite. Mehr als 60 Künstler und Kunsthandwerker werden dann Schmuck, Mode, Hüte, Accessoires, Gestricktes und Gemaltes, Genähtes und Bedrucktes zum Verkauf anbieten. Darunter sind einige, die noch nie bei einer Messe in der Koppel 66 dabei waren. Aber selbstverständlich auch die alten Bekannten, die hier arbeiten.

Hutdesignerin Teresa Gaschler macht Kopf-Couture

Zum Beispiel Teresa Gaschler mit ihren Hüten und Mützen. Handgemachte Couture für das Haupt – vom schlichten Bowler bis hin zum kecken Hütchen, mit dem ihr auch auf einer royalen Hochzeit schmuck dastehen würdet. Apropos Schmuck: Den bekommt ihr in der ersten Etage im Atelier 7 bei Christine Becker, Constanze Janssen und Claudia Westhaus. Die Vitrinen sind heute leer, an der Tür hängt das Schild "geschlossen" – doch im Hintergrund sind die Schmuckdesignerinnen zu sehen, wie sie an Ringen oder Ketten arbeiten. Stören will ich nicht, ich schlendere lieber weiter.

"Maschwerk" und eine Werkstatt für Bucheinband

Auf derselben Etage könnt ihr euch mit Gestricktem eindecken: Beim "Maschwerk" von Irena Russmann bekommt ihr feinstes Strickwerk. Pullis, Mützen, Schals und Stulpen, je nach Jahreszeit fluffig-leicht und farbenfroh oder mollig warm und in gedeckteren Farben. Nebendran: die Werkstatt für Bucheinband von Klaus Winterscheidt. Hier bekommen eure Lieblingsbücher oder Notizhefte nicht nur neue (Leder-)Kleider. Ihr könnt auch repräsentative Präsentationsmappen oder Kassetten ordern – individuell und einzigartig.

Bei "Maschwerk" bekommt ihr feine Strickkunst. (© M. Schade )

Michael Sazarin: ein Künstler der ersten Stunde

Noch recht neu in der Koppel 66 Hamburg ist Susanne Kühn mit ihrer Siebdruckwerkstatt. Ein Blick hinein: Von der Decke hängen lange Bahnen Stoff – mit Kreisen und Linien, in verschiedenen Farben, offenbar Stores. Die bekommt ihr hier selbstverständlich, mit eurem Traummuster, genauso aber auch Paravents und kunstvolle Wandbilder. Letztere schafft auch Michael Sazarin: meist großformatige, in kräftigen Farben gehaltene Ölbilder – ausdrucksstark, aufwühlend oder aufgewühlt. Sazarin ist ein Mann der ersten Stunde, er war schon vor der offiziellen Gründung des Fördervereins Koppel 66 im Jahr 1981 hier mit seinem Atelier "zuhause".

Susanne Kühn macht Siebdruck und Textidesign. (© M. Schade )

Koppel 66 Hamburg: Die Geschichte des Hauses für Kunst und Handwerk

Die Idee, in der ehemaligen, 1924 erbauten Maschinenfabrik ein Kunst- und Kulturzentrum zu erschaffen, existierte schon länger: 1974 gab es eine erste Konzeption für die Umnutzung – auch in der Hoffnung, einen Wandel im Drogen- und Prostitutionsviertel St. Georg herbeizuführen. Und so wurde es beschlossen, 1976 stellte die Stadt Hamburg Gelder für den Umbau zur Verfügung, 1979 ging es mit den Arbeiten dann los. Im Februar 1981 wurde das Haus für Kunst und Handwerk, Koppel 66, dann eröffnet. Der gleichnamige Förderverein, in dem alle Künstler und Kunsthandwerker, die hier ihre Ateliers haben, Mitglied sind, hat sich zur Aufgabe gestellt, Kunst und Kunsthandwerk zu fördern – und das auch der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Mode, Designer-Accessoires, Seifen und Holz-Schreibgeräte

Und so seid ihr in den Ateliers in der Regel auch sehr willkommen (Öffnungszeiten meist 11 bis 19 Uhr). Lasst euch bei Ewa Kuich oder Herrenschneider Dühnforth euer Traumkleid oder einen Maßanzug schneidern; die handgemachten Schuhe dazu bekommt ihr bei Annabelle Stephan. Schaut einmal bei "fräch" hinein, wo Anja Matzke ihre Designer-Accessoires wie Teppiche und Kissen entwirft, herstellt und verkauft. Herrlich sind die Holzschnittdrucke der brasilianischen Künstlerin Tita do Rêgo Silva. Oder wie wäre es mit einem handgefertigten Füllfederhalter aus Holz? Den bekommt ihr bei Stefan Fink, der wunderschöne, edle Schreibgeräte macht. Ein tolles Geschenk, genau wie die hochwertigen, in Handarbeit hergestellten Seifen von Zoe.

Schon so viel geschlendert, geguckt und gestaunt. Doch eines fehlt noch: das Kunstforum des Künstlerinnen-Verbandes Gedok. Hier finden wechselnde Ausstellungen statt. Regelmäßig mal vorbeischauen lohnt sich also unbedingt!

Auszeit in der Koppel 66: Café Koppel

So viel Kreativität macht hungrig. Also ab ins Café Koppel! Hier sitzt ihr sehr gemütlich drinnen oder auch draußen, es herrscht eine angenehme, entspannt-intellektuelle Atmosphäre. Solltet ihr Heißhunger auf Schweinebraten haben, seid ihr hier aber falsch: Es gibt ausschließlich vegetarische und vegane Speisen. Vieles bio, alles lecker – vom Frühstück übers Mittagessen bis zum selbstgebackenen Kuchen.

Info: Haus für Kunst und Handwerk Koppel 66, Koppel 66, 20099 Hamburg; Öffnungszeiten: Ateliers in der Regel 11 bis 19 Uhr, Café Koppel 10 bis 23 Uhr (Sommergarten bis 19 Uhr)

Tipp: Kunst und Handwerk könnt ihr auch beim Der.Die.Sein Designmarkt im Unilever Haus erstehen. Hier bekommt ihr jeden Samstag handgemachte schöne Stücke. Vor allem Schönes für die Kleinen gibt es hier zu kaufen – handgenähte Strampler inklusive. Auch im Unilever Haus gilt: Nach dem Shoppen kann bei einem kleinen Snack im Café relaxed werden.

Shopping-Erlebnis: Vintage-Läden in Hamburg

Koppel 66 Hamburg ist ein wunderbares Shoppingziel für alle, die auf der Suche nach etwas Besonderem sind. Abseits von üblichen Marken und großen Ketten befinden sich auch die tollen Vintage-Läden in Hamburg.

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