Kochen verbindet: Zu Besuch bei "Über den Tellerrand"

(© Jakob Boerner )

Ein Herd, ein paar Zutaten und ein Haufen Leute aus unterschiedlichen Kulturen. Bei der "Über den Tellerrand"-Community Hamburg treffen sich regelmäßig Geflüchtete mit Locals zum gemeinsamen Kochen. Dabei gibt es nicht nur Leckereien, sondern auch lustigen Schnack ohne Berührungsängste.

"Es ist mein Lieblingsgericht. Früher hat es meine Mama immer für mich gekocht." Neshan redet von Müfaraka. Ein Gericht aus gestampften Kartoffeln, zu dem Ei, Zwiebeln und Knoblauch gegeben werden. Dann noch eine Prise Salz und Pfeffer und fertig ist der syrische Gaumenschmaus. Der 27-jährige Geflüchtete aus einem kleinen Dorf im kurdischen Teil Syriens ist an diesem verregneten Samstagnachmittag bereits das zweite Mal bei "Über den Tellerrand" dabei. Diesmal hat er das Gericht Müfaraka vorgeschlagen und zeigt den anderen Teilnehmern, wie es gekocht wird.

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Die Idee des Integrationsprojekts ist ganz einfach: Flüchtlinge und in Hamburg Beheimatete treffen sich zum gemeinsamen Kochen und Essen und lernen einander kennen. Manchmal entstehen dabei auch Freundschaften. Seit 2013 gibt es die Aktion in Berlin, zwei Jahre später schwappte sie rüber nach Hamburg.

Das bekam auch Mandy mit. Die 29-jährige Mediengestalterin setzt sich schon seit 2015 für die Flüchtlingshilfe ein. Erst ging sie zu Welcome-Festen, dann sortierte sie Klamotten in der Kleiderkammer. "Die Hilfsbereitschaft der Hamburger war überwältigend, aber das reichte mir nicht. Ich wollte die Geflüchteten persönlich kennenlernen", sagt sie. Also tat Mandy sich mit ein paar Freunden zusammen und organisierte privat Koch-Events, zu denen sie Geflüchtete einluden. Das erste Mal kochten sie auf St. Pauli in einem Kulturcenter. Irgendwann stieß sie dann auf die "Über den Tellerrand"-Community und stieg mit ein. Heute organisiert sie gemeinsam mit vier weiteren Leuten die gemeinschaftlichen Kochnachmittage im Norden Hamburgs.

(© Jakob Boerner )

So zum Beispiel an diesem Nachmittag in der Küche der Alraune gGmbH in Wandsbek, in der sich um die zwanzig Teilnehmer tummeln. Dabei sind viele Geflüchtete aus Syrien, Eritreer und knapp zehn Locals. Gekocht wird unter anderem Kürbissuppe, Fattoush (ein syrischer Brotsalat), gefüllte Zucchini und Auberginen nach syrischer Art, zum Nachtisch gibt es einen Apfelkuchen. "Es geht uns nicht um kulinarische Höchstleistung, sondern um das gemeinsame Kochen", betont Mandy. In der Küche ist es laut, es wird gelacht und darüber gewitzelt, dass das frittierte Brot der Fattoush einen aufgehen lässt wie frischer Hefeteig.

Auch Neshan ist gut drauf, unterhält sich ausgelassen mit den anderen Teilnehmern. Er ist bereits ein Jahr und acht Monate in Deutschland. Ganz allein. Daher möchte er bei "Über den Tellerrand" Leute kennenlernen und sein bereits gutes Deutsch verbessern. Seit November macht er ein Praktikum im Krankenhaus und möchte so bald wie möglich eine Ausbildung zum Krankenpfleger beginnen. In seiner Freizeit engagiert sich der Kochbegeisterte für die Obdachlosenhilfe Harburg und beim Deutschen Roten Kreuz. "Ich möchte etwas für die Gemeinschaft tun und zeigen, dass Flüchtlinge nicht nur auf der faulen Haut liegen", sagt er.

(© Jakob Boerner )

Gemeinsam mit Mandy schält er die Kartoffeln für die Müfaraka. Beide grinsen sich an und quatschen über das letzte Mal, als sie zusammen gekocht haben. Da gab es Kartoffelpuffer mit Apfelmus. Wie hat es geschmeckt? "Gewöhnungsbedürftig", sagt Neshan. Trotzdem ist er auch dieses Mal wieder dabei. Kochen verbindet eben.

Info: in Altona flexible Treffen, Interessierte sind immer herzlich eingeladen/ in Wilhelmsburg jeden ersten Samstag im Monat in den Wilhelmsburger Zinnwerken. www.ueberdentellerrand.org
Kontakt: hamburg@ueberdentellerrandkochen.org

Autorin: Jana Belmann

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