4.0M DigitalCAM (© Kl!ck Kindermuseum Hamburg )

"Kinder in Hochform": Das neue Architekturzentrum in der Hafencity

Kinder haben Mitspracherecht, auch bei städtebaulichen Themen. Das Architekturzentrum soll dazu ertüchtigen, mitreden zu können. Wir verraten euch die Details dazu.

In der HafenCity ist einiges los: Über die Eröffnung der neuen interaktiven Erlebnisausstellung "Märchenwelten" 2019 haben wir bereits berichtet, nun soll 2020 ein Architekturzentrum für Kinder entstehen. Unter anderem sollen die Kinder fit gemacht werden, um bei städtebaulichen Entscheidungen ein Wörtchen mitzureden. Die Leiterin des Kindermuseums Margot Reinig hat uns verraten, was bei "Kinder in Hochform" noch geboten sein wird.

Frau Reinig, was steckt hinter "Kinder in Hochform"?
Das ist die neue Dependance des Kl!ck Kindermuseums in der HafenCity zum Thema Architektur. Entstanden ist das Ganze aus einer Vorgabe der Stadt an die Investoren der HafenCity GmbH, dass dort Kinderkultur sein sollte – und zwar mietfrei. Die Kulturbehörde hat dann einen Wettbewerb unter den Kinderkulturschaffenden in Hamburg veranstaltet, den wir mit unserem Konzept gewonnen haben.

Wie sieht das Konzept konkret aus?
Es wird eine feste Ausstellung und wechselnde Sonderausstellungen geben, die täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet sein werden. Außerdem diverse Workshops und Mitmach-Angebote, genau wie hier im Kindermuseum auch.

Bauen wird ein Angebot im neuen Kinder-Architekturzentrum sein. (© Kl!ck Kindermuseum Hamburg )

Was genau erwartet die Kinder? Und für welches Alter ist das Programm geeignet?
Los geht es für Vier- bis Fünfjährige, also für Kinder im Vorschulalter. Anders als im Kindermuseum werden wir aber auch Ausstellungen und Aktionen für Jugendliche anbieten, weil man im Bereich Architektur ja auch sehr anspruchsvolle Sachen machen kann.

Wird für "Hochform" ein eigenes Gebäude gebaut?
Wir bekommen in einem Gebäude am Strandkai, das derzeit gebaut wird, das Erdgeschoss, etwa 1000 Quadratmeter. Darüber werden Wohnungen der Genossenschaften sein. Das Ganze ist direkt neben dem Marco-Polo-Tower.

Die Ausstellung soll den Charakter einer Baustelle haben

Und wie sind diese 1000 Quadratmeter aufgeteilt?
Es wird verschiedene Räume geben. Toll ist, dass das Gebäude von zwei Seiten zugänglich sein wird, von der Elbe und von der Seite des Towers – entsprechend haben wir auch Ausblick auf den Fluss und die HafenCity. Wir haben Räume von sehr unterschiedlicher Höhe, einer ist acht Meter hoch! Hier kann man natürlich ganz spannende, hochstrebende Dinge machen. Dort wird es auch ein Baugerüst geben, auf dem die Kinder von außen sichtbar herumklettern können. Überhaupt soll das Ganze den Charakter einer Baustelle haben, zum Beispiel wird das Architekturbüro in einem Container unterkommen. Und dann gibt es diverse Werkstätten und Aktionsräume.

Was wird da passieren?
Das fängt damit an, dass Dinge gebaut werden können. Dass man begreift, was es mit der Statik auf sich hat und wie zum Beispiel ein Fenster oder eine Tür konstruiert sein müssen, ohne dass darüber die Mauer zusammenfällt. Oder wie man stabile Türme oder Brücken bauen kann. Dann haben wir ein Architekturbüro, in dem Entwürfe gezeichnet werden können. Wir haben Werkstätten, wo man Modelle bauen kann.

Utopia – so könnte eine Stadt der Zukunft aus Kindersicht aussehen. (© Kl!ck Kindermuseum Hamburg )

Mit welchen Materialien kann gearbeitet werden?
Da haben wir ganz unterschiedliche: von Zigtausenden von Legosteinen bis hin zu Kapla und ganzen Bauelementen wie der Leonardo-Brücke. Dann Papier und Styropor. In der Weihnachtszeit kann man auch sehr gut Häuser aus Lebkuchen backen – und zwar nicht nur die einfachen, sondern auch richtige Hochhäuser. Wir werden hier im Kindermuseum im Dezember einen Keks-Architektur-Wettbewerb starten. Das ist Teil des Vorlaufprogramms "Osdorf goes Hafencity", in dem wir mit Kindern und Jugendlichen aus dem Quartier zum Thema Architektur arbeiten. Und auch mit ihnen diskutieren, was im neuen Kinderarchitekturzentrum sein soll. Beteiligung ist uns sehr wichtig. So überbrücken wir die Wartezeit, bis es losgeht.

Jugendliche überbrücken mit dem Projekt "Osdorf goes HafenCity" die Wartezeit. (© Kl!ck Kindermuseum Hamburg )

2020 wird "Kinder in Hochform" eröffnet – hoffentlich

Wann wird es so weit sein?
Gute Frage. Ursprünglich sollte es bereits 2017 fertig sein, aber wie das mit großen Bauprojekten häufig so ist, hat sich das Ganze verzögert. Wir hoffen jetzt, dass wir “Kinder in Hochform” 2020 eröffnen können. Zumindest wurde mit dem Bau endlich begonnen.

Warum widmet sich das neue Kinderzentrum ausgerechnet dem Thema Architektur?
Das hat zwei Hauptgründe. Erstens bietet sich das aufgrund des Standorts an. Die HafenCity ist aus städtebaulicher Sicht hochinteressant und wird wegen dieses Aspekts von vielen Menschen besucht – sowohl von Touristen als auch von Hamburgern. Da wird ja nicht mal eben ein Viertel hochgezogen, sondern ein enorm großes Quartier komplett neu gestaltet. Wie haben die Architekten und Städteplaner da gearbeitet, was finde ich gut, was nicht? Diese Fragen drängen sich an diesem Standort geradezu auf.

Und zweitens?
Zweitens haben wir bei diversen Ausstellungen im Kl!ck Kindermuseum festgestellt, dass dieses Thema für Kinder sehr attraktiv ist. Weil es so vielfältig ist: Man kann etwas bauen, man kann die Geschichte des Bauens behandeln, man kann untersuchen, wie Tiere wohnen – auch die bauen sich ja Unterschlupfe. Warum baut man überhaupt Häuser? Was muss dafür gewährleistet sein? Wie bewege ich diese ganzen Massen auf einem Bau? Dann der große Bereich Technik, der für die älteren Kinder sehr spannend ist. Das Thema Innenarchitektur. Sogar Kunst und Kunstgeschichte. Die Bandbreite ist enorm, da findet gewiss jedes Kind etwas, das es interessiert.

Traumhaus aus Papier. (© Kl!ck Kindermuseum Hamburg )

Hamburger Baurecht gibt Kindern Mitspracherecht

Wird der Aspekt, ob oder wie Städtebau kindergerecht sein kann und muss, ebenfalls im neuen Zentrum behandelt?
Oh ja, das ist einer der wesentlichen Hintergründe des ganzen Projekts. Die Kindermuseen sind insgesamt den Kinderrechten sehr verpflichtet. Und da steht drin – das hat Hamburg im Gegensatz zu manch anderen Bundesländern festgeklopft –, dass die Kinder bei allem, was sie betrifft, ein Mitbestimmungsrecht haben. De facto wird das aber natürlich nur bei Spielplätzen abgefragt, wenn überhaupt. Aber das ist zu kurz gedacht, denn schließlich betrifft auch alles andere bei der Quartiers- und Verkehrsplanung die Kinder. Gerade letzteres ist wichtig, alleine schon für den Schulweg. Wir wollen die Kinder mit dem neuen Architekturzentrum also auch ertüchtigen, dass sie ein bisschen Ahnung haben, um überhaupt mitreden zu können. Und zwar mehr als ein “finde ich schön” und “finde ich nicht schön” aus dem Bauch heraus.

Ich wusste gar nicht, dass Kinder da ein Mitspracherecht haben ...
Oh doch. Steht im Baurecht. Hier in Osdorf funktioniert das auch ganz gut, weil wir vom Kindermuseum sehr dahinter sind, dass die Kinder einbezogen werden. Man braucht eben jemanden, der auf dieses Recht pocht. Eigentlich müsste es zu jeder Mitsprache-Veranstaltung, die es in den Quartieren gibt, auch eine Kinderveranstaltung geben. Es ist für uns eine starke Motivation, die Kinder einwenig “aufzuhetzen”, damit sie ihre Hand heben und sagen: Hallo, ich möchte da jetzt mitreden! Dafür sollte man sie allerdings ein bisschen qualifizieren. Und genau das werden wir bei “Kinder in Hochform” tun.

Mehr Infos: kinderinhochform.de

Kinder haben in Hamburg ein Mitspracherecht in Sachen Bauplanung. (© Kl!ck Kindermuseum Hamburg )

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