Liebt es, mit Kindern Musik zu machen: Rolf Zuckowski. (© Melanie Edelmannn )

"Kinder brauchen Musik"-Stiftung: Rolf Zuckowski hilft Hamburgs Lütten

Der Blankeneser Rolf Zuckowski ist nicht nur seit Jahrzehnten einer von Deutschlands bekanntesten Kinderliedermachern. Mit seiner Stiftung "Kinder brauchen Musik" engagiert er sich auch sozial.

Es gibt wohl kaum ein Hamburger Haushalt, in dem in der Vorweihnachtszeit nicht "In der Weihnachtsbäckerei" gesungen wird. Oder "Wie schön, dass du geboren bist" am Geburtstag. Längst sind Rolf Zuckowskis Kinderlieder Hamburger Kulturgut, das nicht nur fröhliche Töne in die Familien bringt, sondern Kindern auch pädagogisch einiges mit auf den Weg gibt.

Doch das genügte Rolf Zuckowski nicht. Seit vielen Jahren engagiert er sich auch über seine Tätigkeit als Komponist, Sänger und Gitarrist hinaus. Er geht in Schulen, um mit den Kindern zu musizieren und stößt Projekte an, die gerade sozial Schwächeren den Zugang zur Musik erleichtern sollen. Für sein Engagement wurde der Blankeneser im September 2018 mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet. Wir haben uns mit ihm über seine Stiftung "Kinder brauchen Musik" und den Stellenwert von Musik in der Gesellschaft unterhalten.

Einfaches Konzept: Musik macht Kinder glücklich

Herr Zuckowski, warum brauchen Kinder Musik?
Musik macht Kinder stärker und glücklicher. Sie kann helfen, Emotionen zu verarbeiten – egal, ob Glück, Wut oder Trauer. Und sie macht Kinder aufmerksamer, auftrittssicherer, selbstbewusster, hellhöriger. Und Musik baut ja auch Brücken: zwischen den Musizierenden, zwischen den Musizierenden und dem Publikum und auch zwischen Generationen. Zum Beispiel, wenn man mit den Großeltern singt.

Und was genau macht die Stiftung "Kinder brauchen Musik"?
Diese Stiftung haben wir 2004 gegründet. Meine Frau und ich sind die Stifter, Dagmar Sikorski, jetzt Schirmherrin, war Zustifterin. Die Stiftung baut auf das auf, was ich eben beschrieben habe: dass Kinder durch Musik stärker und glücklicher werden können, und das wollen wir fördern. Ich denke, ich habe mit eigenen Konzerten und Workshops da vorher auch schon einiges bewegt, aber mit der Stiftung wollten wir für das Thema in eine größere Öffentlichkeit tragen. Bei den Eltern, bei der Presse, bei den Schulen. Und bis in die Politik hinein.

Wie tun Sie das?
Wir haben und unterstützen verschiedene, auch grenzüberschreitende Projekte. Zum Beispiel unser deutsch-polnisches Miteinander. Wir nennen das "Klassenreise zur Musik". Dabei ermöglichen wir mehreren Klassen den Aufenthalt in einer geeigneten Einrichtung wie einer Jugendherberge oder einem Schullandheim, wo dann 3. oder 4. Schulklassen – in unserem neuesten, deutsch-französisch-belgischem Projekt werden es auch 5. Klassen sein – mit pädagogisch begeisterten und begabten Musikern eine Woche lang an einer bestimmten Thematik arbeiten. Am Ende der Woche gibt es dann eine Aufführung dessen, was dort gelernt und einstudiert wurde. Das kann musicalähnlich sein oder auch eine Liederfolge mit einer launigen Moderation.

Wie wählen Sie die Klassen aus, die so eine "Klassenreise zur Musik" unternehmen dürfen?
Wir haben in den Einrichtungen immer jemanden, der in dieser Region die Klassenreise bekannt macht. Über die Schulämter, über lokale Pressearbeit oder andere Trägerschaften, mit denen die da sowieso schon zusammengearbeitet haben. Wir versuchen dann nach gewissen Kriterien drei oder vier Klassen zu finden, die wir sinnvoll zusammenfügen können.

"Kinder brauchen Musik"-Stiftung wählt sorgfältig aus

Was sind das für Kriterien?
Die Klassen sollen möglichst aus einem Umfeld von etwa 100 Kilometern sein, damit wir die Eltern bewegen können, zur Abschlussaufführung zu kommen. Dann wollen wir gerne verschiedene soziale Hintergründe haben, mindestens eine Klasse sollte aus einer "sozialen Brennpunkt"-Gegend kommen. Dann spielt auch der Jungs-Anteil eine gewisse Rolle. Und es ist immer gut, wenn eine Klasse dabei ist, die musikalisch eigentlich schon gut versorgt ist. Denn die Klassen werden ja gemischt und dann hat man immer Kinder, die die anderen als Kristallisationspunkte sozusagen mitnehmen können. Weil sie auch schon einmal im Chor gesungen oder eine Aufführung mitgemacht haben.

In welchem Land finden die deutsch-polnischen Treffen denn statt? In beiden Ländern. Allerdings ist es in Polen deutlich schwieriger, Verbündete zu finden. Da ist es für uns aus Deutschland heraus dann nicht ganz so leicht, das zu organisieren – allein schon deswegen, weil wir ja Musiker brauchen, die beide Sprachen sprechen und auch noch pädagogisch entsprechend fit sind. Deshalb findet das deutsch-polnische Miteinander meistens standortmäßig in Deutschland statt, zum Beispiel in Trebnitz. Die Abschlussveranstaltung aber haben die Trebnitzer letztes Mal in Polen gemacht. Und zwei Mal waren wir auch schon an Standorten in Polen.

Inwieweit haben diese Klassenreisen auch einen längerfristigen Effekt?
Zum einen entdecken viele Kinder ihre Freude an der Musik und machen vielleicht auch künftig welche. Und dann sind die Lehrer selbstverständlich als Betreuer dabei und erleben alles mit. Viele kommen durch die Klassenreise dann auf ganz neue Ideen, wie sie den Unterricht gestalten können. Welche Musik, welche Materialien vielleicht gut geeignet sind, um die Kinder überhaupt erst einmal abzuholen. Oder dass es toll und gewinnbringend sein kann, größere Projekte anzuschieben. Beispielsweise über ein Vierteljahr ein Musical einzustudieren, das dann auch aufgeführt wird. Mit so einem Ziel vor Augen ist die Motivation der Kinder viel größer, sich mit Musik zu beschäftigen, als ohne.

Förderung zahlreicher, unterschiedlicher Projekte

Welche Projekte haben Sie noch?
Die "Klassenreise zur Musik" ist zwar unser Flaggschiff, das wir entwickelt und wofür wir sogar einen Markenschutz haben – wir wollten nicht, dass andere den Namen für womöglich touristische Zwecke missbrauchen. Aber wir fördern auch zahlreiche Projekte, die andere sich ausdenken. Das sind sehr unterschiedliche Dinge, von Musik mit behinderten Kindern über interkulturelle Zusammentreffen von Chören bis hin zur simplen Ausstattung einer Kita mit Musikinstrumenten.

Wie bekommt man denn von Ihnen eine Förderung?
Man muss sie beantragen. Wir überlegen dann mit einer Reihe von Beratern, ob das Projekt gut durchdacht und sinnvoll ist.

Geförderte Hamburger Projekte: "Bonobo" und die Mattisburg

Gibt es auch Projekte hier in Hamburg?
Ja, wir haben beispielsweise "Bonobo" gefördert. Da haben zwei Wedeler eine Methode entwickelt, wie Kinder über Musik besser die Sprache lernen. Das ist gerade jetzt, wo viele Flüchtlinge hier bei uns sind, ein ganz tolles Mittel, um den Kindern das Deutschlernen zu erleichtern. Und dann ist da die Mattisburg. Das ist ein Zentrum für Kinder, die in ihren Familien Gewalt erfahren haben. Ich war letztens dort, um die Musiktherapeutin und andere Betreuer kennenzulernen. Es ist unfassbar, was diese Kinder erleiden mussten – selbst wenn man nur einen Bruchteil der Schicksale erfährt. In der Mattisburg werden diese Kinder mit sehr großem Personalschlüssel ganzheitlich betreut, unter anderem auch musiktherapeutisch. Diesen Part finanzieren wir.

Machen Kinder heute überhaupt noch genug Musik?
Gute Frage. Das ist sicherlich abhängig vom Wohnort. In bürgerlichen und bevorzugten Wohngegenden gibt es ein Riesenangebot an Musikschulen und auch Eltern, die das bezahlen könnten und auch würden. Hier ist eher das Problem, dass die Kinder sich zwischen all den Angeboten und auch ihren verschiedenen Talenten entscheiden müssen. In sozial schwächeren Gegenden sieht das natürlich ganz anders aus. Instrumentalunterricht muss man sich erst einmal leisten können, auch wenn die staatlichen Musikschulen verträglichere Tarife haben. Leider ist aber dieser Zugang zur Musik – wie so vieles in unserer Gesellschaft – sehr ungerecht verteilt. Deshalb gibt es ja Stiftungen wie uns.

Rolf Zuckowski auf der Bühne? Nur noch als Ehrengast

Mal abgesehen vom Musikunterricht – wie sieht es denn mit Hausmusik aus? Gibt es das Ihrer Erfahrung überhaupt noch?
Dazu habe ich lange keine Statistiken mehr gesehen. Aber das Leben in den Familien hat sich in den vergangenen Jahrzehnten ja drastisch verändert. Man hat nicht mehr so viel Zeit miteinander, und die Angebote, wie man seine Freizeit verbringen kann, sind sehr vielfältig. Das konkurriert natürlich mit dem gemeinsamen Musizieren zuhause. Und sei es nur die Wii... Wahrscheinlich kann man heute schon froh sein, wenn überhaupt noch zusammen gesungen wird. Aber ich weiß es wirklich nicht, vielleicht gibt es ja auch doch noch mehr Hausmusikkreise, als man denkt.

Sie haben Ihre Bühnenkarriere beendet. Können wir Sie in den Elbvororten demnächst trotzdem mal irgendwo hören?
Ich gebe keine eigenen Konzerte mehr, das stimmt – die Organisation davon hat mich sehr in Anspruch genommen, diese Zeit und Energie widme ich jetzt anderen Dingen. Aber ich trete durchaus noch gelegentlich auf, allerdings dann als Ehrengast, der einige Nummern spielt. Zum Beispiel gibt es jetzt einige Konzerte im Planetarium mit meiner Tochter Anuschka und dem wundervollen Jazz-Pianisten Martin Tingval ("Wär unser Himmel immer so nah", 6./7./8. Dezember, ausverkauft; Anm. d. Red).

Mehr Infos: "Kinder brauchen Musik" im Netz. Spenden – auch zweckgebunden und gerne in größerem Umfang – sind höchst willkommen.

Das Spendenkonto:
Kinder brauchen Musik
Konto: 1265 300 200
Hamburger Sparkasse (BLZ 200 505 50)
IBAN: DE02 2005 0550 1265 3002 00
BIC: HASPDEHHXXX

Kinder Musikhaus Karami: Instrumente für Kinder in Blankenese

Ihr wollt auch, dass eure Kinder ein Instrument lernen? Dann schaut einmal im Kinder Musikhaus Karami in Blankenese (Hasenhöhe 6) vorbei. Hier gibt es alle Instrumente auch in Kindergröße – laut Inhaber ist es das erste Geschäft dieser Art in Deutschland. Oder wollt ihr was anderes unternehmen? Unsere Top 5 Unternehmungen mit Kindern in den Elbvororten.

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