Das Karstadt Gebäude in der Osterstraße. (© Lukas Gilbert )

Karstadt Eimsbüttel: Der Klotz an der Osterstraße

Das Karstadt-Gebäude an der Ecke Heußweg ist ein echtes Stück Siebziger. Und jetzt die Überraschung: das Eckhaus sah mal ganz anders aus. Denn bereits seit 1951 präsentiert sich hier das Kaufhaus in Eimsbüttel.

Errichtet zwischen 1975 und 1978, könnte der Bau des Karstadt Osterstraße – an heutigen ästhetischen Maßstäben ausgerichtet – auch glatt in einem Bildband zum Thema Bausünden auftauchen. Die massive Front erinnert eher an einen Bunker, als an ein Warenhaus. Mit dem Vorgängerbau, der 24 Jahre lang an diesem Platz stand, hat das heutige Gebäude nicht mehr viel zu tun.

Der Vorgänger

Am 31. August 1951 eröffnet, war das Gebäude an der Ecke Osterstraße/Heußweg damals ein moderner Neubau. Auf Fotos lässt sich die Architektur der alten Karstadt-Filiale erahnen. Das Gebäude mit seiner markanten Rundung besaß eine beige Fassade aus naturfarbenem Tuffstein, beschreibt Sielke Salomon in ihrem Buch „Eine städtebauliche Wiedergutmachung. Bauen und Wohnen in Hamburg-Eimsbüttel“. Das Erdgeschoss war fast komplett mit Schaufensterglasflächen versehen. Die oberen Geschosse erhielten durch Fensterpfeiler eine vertikale Gliederung. Anders als heute befand sich der Haupteingang an der Ecke Osterstraße/ Heußweg. In großen Buchstaben standen die Karstadt-Lettern frei auf der vorstehenden, säulenfreien Kragplatte, die in gesamter Straßenfront den Bürgersteig überspannte. Damaliges Highlight war die Rolltreppe, die vom Erdgeschoss zum Obergeschoss führte.

Das Eimsbütteler-Haus war der erste Kaufhaus-Neubau des Konzerns in der Hansestadt nach dem Zweiten Weltkrieg. Davor war das Unternehmen zunächst in der Eimsbütteler Chaussee, dann im ehemaligen Kaufhaus Poetsch am Schulterblatt ansässig. Dieses Gebäude wurde durch die Luftangriffe am 23. Juli 1943 jedoch völlig zerstört. Im Inneren der Filiale Osterstraße fand sich zum Zeitpunkt der Eröffnung 1951 eine für heutige Verhältnisse bescheidene Gesamtverkaufsfläche von 2.400 Quadratmetern. Die zweite Etage wurde zunächst nicht als Verkaufsraum genutzt, war aber bereits für eine eventuelle Erweiterung vorgesehen.

Neubauwünsche

Seit der Eröffnung 1951 wurden immer wieder Innenausbau- und Umgestaltungsmaßnahmen mit dem Ziel durchgeführt, die Verkaufsfläche zu erweitern. Eine Zäsur bildeten die ausgehenden 60er: Nach dem Abriss des ehemaligen Roxy-Kinos um 1968, dessen Räume nebenan Karstadt zwischenzeitlich als Lager nutzte, entstand an gleicher Stelle ein Neubau. In das Gebäude mit seiner weiß glänzenden Kachelfassade zogen damals das Schuhgeschäft Görtz und der Herrenausstatter Dyckhoff ein. Der Bau ist eine Mischung aus Park- und Geschäftshaus, dessen Gebäudestruktur und -architektur sich als Orientierungsanker für den folgenden Neubau des eigentlichen Karstadt-Gebäudes interpretieren lässt. Ein solcher wurde in den 1970er-Jahren für das Warenhaus aus funktioneller Sicht nötig: Es gab keinen Spielraum mehr für Erweiterungen der Verkaufsfläche im alten Haus. Zudem mangelte es ohne großes Parkhaus an Parkraum für den rasant angestiegenen Individualverkehr. Und schließlich stand eine bessere Anbindung an die Mitte der 1960er-Jahre umgebaute U-Bahn-Station Osterstraße seitens der Kaufhausleitung ganz oben auf der Wunschliste, wie in verschiedenen Werbeartikeln der Firma im Eimsbütteler Wochenblatt von 2001 zu lesen ist.

Der Baubeginn 1975 besiegelte das Ende des alten Gebäudes, das zunächst nur zur Hälfte abgerissen wurde, um einen durchgängigen Verkauf sicherzustellen. Mit dem als „Neubau mit integriertem Parkhaus“ beim Bauamt eingereichten Vorhaben konnte unmittelbar nach dessen Bewilligung ab September begonnen werden. Designt und geplant wurde der Neubau von dem Architekturbüro Kreytenberg, Lessing und Partner aus Hannover in direktem Auftrag der Karstadt-Hauptverwaltung. Ziel der Umgestaltung war ein Neubau mit großem Parkdeck auf dem Dach, das sich bis zum Nachbarn Dyckhoff/Görtz erstreckt. Das Parkhaus sollte insgesamt drei Ebenen umfassen. In puncto Fassadengestaltung wurde sich für die Anbringung von kantig abgeschrägten Fertigbetonteilen entschieden. Der Architekturentwurf wurde den Eimsbüttelern in der Broschüre „700 Jahre Eimsbüttel“ 1975 stolz unter dem Slogan: „Karstadt Eimsbüttel – bald: größer, schöner, moderner“ angekündigt. In dem Boulevard-Blatt Bild wurde die Architektur 1976, anlässlich der Eröffnung des ersten neuen Gebäude-teils, recht diplomatisch als „außen sachlich, innen freundlich“ beschrieben.

Karstadt Osterstraße – Schon damals ein Bunker

Das Gebäude wurde in den 70ern kontrovers diskutiert. So hat der Kerngebietsausschuss der Bezirksversammlung Eimsbüttel Karstadt im Oktober 1977 darüber informiert, dass seine Mitglieder von der Bevölkerung „auf den ‚bunkerähnlichen‘ Charakter der Fassade angesprochen“ wurden. Dem Wunsch „gegebenenfalls über eine Auflockerung der Fassade“ zu beraten, wurde ganz offensichtlich nicht entsprochen. 1978 wurde schließlich die zweite Hälfte des Gebäudes in Betrieb genommen. Die Gesamtbaukosten für beide Bauabschnitte betrugen am Ende rund 35 Millionen Deutsche Mark. Geschaffen wurden bis zur Höhe Henriettenstraße durchgängige Verkaufsetagen auf vier Ebenen (UG bis 2. OG). Die Verkaufsfläche wurde auf 8.500 Quadratmeter vergrößert und das Parkdeck wurde, trotz Protesten von Anwohnern aus der Henriettenstraße, umgesetzt. Es galt als Clou des Baus, vom Bahnsteig der U-Bahn-Station Osterstraße in das Gebäude gehen zu können.

Im Jahr 2007 wurde es rund um das Karstadt-Gebäude noch einmal spannend. Die beiden Unternehmer Max Laurent Schönemann und Stefan Ernst planten einen Beach Club auf dem Dach. Anwohnerproteste und Probleme mit der Statik, die mehreren Kubikmetern Sand wohl nicht standgehalten hätte, verhinderten das Projekt jedoch. Nach dem letzten Innenumbau der drei Verkaufsetagen im Jahr 2011 hat das Haus nun eine Gesamtverkaufsfläche von rund 10.000 Quadratmetern. Die Fassade wurde jedoch nie umgestaltet. Auch die Uhr an der Fassade stammt aus den 70ern – sie ist seit der vollständigen Eröffnung des Neubaus 1978 in Betrieb.

Noch immer ragt der 70er-Bau unverändert in den Eimsbütteler Himmel. Ob an diesem Standort in gut sechs Jahren noch 70 Jahre Karstadt gefeiert wird? Das hängt davon ab, ob sich der Warenhauskonzern wirtschaftlich erholen kann und ob das Kaufhauskonzept mit seiner Idee „Alles unter einem Dach“ eine Renaissance erlebt. Bisher heißt es laut Geschäftsführung, Karstadt an der Osterstraße soll bleiben.

Autor
Robert Becker

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