(© Andreas Daebeler )

Kampnagel: Ganz großes Theater in Winterhude

Theater, Tanz, tolle Bands – Willkommen auf Kampnagel! Hamburgs Kulturfabrik in Winterhude bietet Unterhaltung für jeden, der sich fernab des Mainstreams amüsieren möchte.

Knallgelb ist das Schild, das den Weg weist. Orange der gewaltige Kran, der in den Himmel ragt. Die an der Fassade der mit Milchglas versehenen Hallen angebrachten Lampen haben mit den Jahrzehnten etwas Rost angesetzt. Industrie-Charme made in Hamburg. Zu finden im Stadtteil Winterhude, auf Kampnagel. Und nicht nur zum Angucken. Denn hier, wo einst Maschinen, Kräne und auch Rüstungsgüter entstanden, haben Kreative ein Zuhause gefunden. Es wird gesungen, gespielt, gelebt.

Kampnagel: Internationales Produktionshaus mit Renommee

Kampnagel kann Kultur. Bei dem Satz wird in Hamburg wohl niemand widersprechen. Schließlich ist das Kulturzentrum eines der größten freien Spiel- und Produktionshäuser in Deutschland und hat auf dem ehemaligen Fabrikgelände in Winterhude so ziemlich alles zu bieten, was Kreative an den Start bringen. Dort wird Theatermachern aus aller Welt eine Bühne geboten. Ensembles reisen von überall her an. Tänzer wirbeln beim Kampnagel Hamburg übers Parkett. Auch Weltstars der Musikszene schauen vorbei. John Cale war da. Der große Nick Cave auch. Punk-Ikone Henry Rollings sowieso. Oft gibt es auf Kampnagel den etwas anderen Auftritt zu sehen und zu hören. Da lassen Rocker den Lyriker raus, während Literaten singend am Piano lehnen. Verantwortlich dafür ist Intendantin Amelie Deuflhard, die bereits 2007 die künstlerische Leitung übernommen hat und das internationale Renommee von Beginn an erheblich ausbauen konnte.

Kampnagel Hamburg: Ein Kiez fernab vom Kiez

Keine Frage: Das Kulturzentrum auf dem Gelände einer ehemaligen Maschinenfabrik ist zum Fixpunkt für die kreative Szene Hamburgs geworden. Der Charme alter, mit reichlich Graffiti versehener Werkshallen bietet Kontrast zu den rot geklinkerten Wohnhäusern mit ihren weißen Fensterrahmen. Hier, wo der Architekt und Baumeister Fritz Schumacher sich verwirklichte, wo er Arbeitern ein Zuhause schuf, hat sich in den vergangenen Jahren viel getan. Die Jarrestadt wird zunehmend jünger. Studenten und Familien ziehen ein. Unzählige Restaurants und Bars haben rund um Kampnagel eröffnet. Ein Kiez fernab vom Kiez. Hier, wo Spießigkeit hinter fiesen Gardinen einst mit Händen zu greifen war.

Erst Gabelstapler, dann Kultur: Kampnagels Geschichte

Die Historie der Internationalen Kulturfabrik inmitten der von Backstein dominierten Jarrestadt ist schnell erzählt: Im Jahr 1984 wird die 1875 gebaute Fabrik, in der zuletzt bis drei Jahre zuvor noch Gabelstapler produziert wurden, umfunktioniert. Nach einem kurzen Gastspiel des wegen Umbaus in Raumnot geratenen Deutschen Schauspielhauses etablieren sich sechs Bühnen auf dem Gelände. Es entstehen Veranstaltungsräume mit Kapazitäten von 150 bis zu 2.500 Plätzen in den Hallen. Eine Entwicklung, die der Politik gefällt. Schnell ist es kein Thema mehr, die Fabrik platt zu machend Wohnungen zu bauen. Stattdessen wächst Kampnagel als Kulturstandort. Zahlreiche Proberäume, ein Kino, gastronomische Angebote und ein gläsernes Foyer entstehen. Das internationale Zentrum für schönere Künste nimmt Gestalt an. Es liegt keine 15 Minuten Fußweg vom Stadtpark entfernt , ist mit Bus und Bahn prima zu erreichen.

(© Anja Beutler )

Kampnagel bereitet sich aufs Sommerfest vor

Doch zurück zur Kultur. Die etablierte sich in der Jarrestadt mit international anerkannten Festivals, zu denen Kreative von überallher reisen. Etwa zum ÜberJazz, wo sich 2018 etwa Neneh Cherry die Ehre gab. Das internationale Sommerfestival auf Kampnagel in Hamburg gehört seit 2008 zu den feinsten Gelegenheiten, neue Ströme und Ideen im Kunstbetrieb abzuchecken. Mit 33.000 Besuchern war das Festival 2018 zu 95 Prozent ausgelastet. Der Termin für 2019 steht übrigens schon fest: Vom 7. bis 25. August steigt das Festival. Auch kleine Performancegruppen und Produktionen abseits des Mainstreams finden ihr Publikum. Insgesamt kann pro Spielzeit aus mehr als 900 Veranstaltungen gewählt werden. Knapp 200.000 Fans pilgern aufs Werksgelände. Vorbei an rostigen Lampen, hohen Kränen und Bauwagen. Hin zur Kultur. Auf Kampnagel.

(© Anja Beutler )

Info: Kampnagel, Jarrestraße 20, 22303 Hamburg

Mehr Raum für Kultur: Barmbek bekommt ein neues Theaterzentrum in einer alten Werkzeugmaschinenfabrik. Schon bald sollen hier die ersten Aufführungen gezeigt werden. Auf diesen Bühnen dagegen wird schon lange gespielt: Wir haben eine kleine, aber feine Liste mit Theatern zusammengesucht, in denen jeder Hamburger mal gewesen sein sollte.

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