Sein Herz schlägt für den Laden: Florian Kröger. (© Mirjam Rüscher )

Kaffee, Schokolade und ein Stadtteil im Wandel

Ottensen im Wandel. Für Florian Kröger ist das Viertel „ehrlich“ und „sympathisch“. Er führt das Traditionsgeschäft „Claus Kröger – Kaffee und Tee“, einer der ältesten und traditionsreichsten Läden im Stadtteil. Ein Besuch.

Die Große Bergstraße in Ottensen ist für ihn Heimat. Hier ist er aufgewachsen, hier hat sich seine Familie mit ihrem Laden vor 95 Jahren niedergelassen. Florian Kröger leitet in der vierten Generation das Spezialitätengeschäft „Claus Kröger – Kaffee und Tee“ in der Großen Bergstraße 241. Angefangen hat alles als Niederlassung der Elmshorner Mühle. „Damals war das Geschäft ein Stück weiter die Straße runter, in der Hausnummer 223. Man konnte bei meinem Urgroßvater Getreide und Obst kaufen und sein Mehl mahlen lassen“, sagt Florian Kröger.

(© Mirjam Rüscher )

Heute stapeln sich bergeweise Schokoladen und andere Süßigkeiten in der Auslage des alten Tresens, die Regale sind gefüllt mit Kaffee und Wein und im hinteren Ladenbereich reihen sich Dosen mit Tee aneinander. Seit mittlerweile 40 Jahren besteht das Sortiment aus diesen Dingen. 300 Teesorten, 150 verschiedene Weine, 200 Schokoladen- und 20 Kaffeesorten werden nun angeboten, hinzukommen Accessoires für die Wohnung und Hamburgensien.

Die kleine Schwester ist schon drei

„Unsere Familie ist viel unterwegs, um sich umzusehen. Von unseren Reisen bringen wir Neues mit, das wir im Laden verkaufen“, erzählt der 44-Jährige. Es sind Spezialitäten, die man woanders nicht bekommt, zum Beispiel Bonbons aus einer kleinen Manufaktur in Italien oder Schokolade aus Schottland. Manchmal brächten auch Kunden Vorschläge mit. „Einige unserer Kunden kenne ich, seit ich klein bin“, sagt Florian Kröger. Seit 23 Jahren arbeitet er in dem Familienbetrieb, seit zehn Jahren als Geschäftsführer. Das Café nebenan, „Krögers Kleine Schwester“, hat er vor drei Jahren eröffnet. Der Laden stand leer, eine Chance, die er sich nicht entgehen lassen wollte.

(© Mirjam Rüscher )

Gegenüber auf der anderen Straßenseite, prangt in großen gelben Buchstaben „IKEA“ auf dem riesigen Gebäude. „Das ist das größte oder zumindest sichtbarste Merkmal des Wandels im Stadtteil“, sagt der 44-Jährige. Früher habe Ottensen nicht den besten Ruf gehabt. Nachts habe man die Gegend besser gemieden. „Heute hat sich Ottensen vom klassischen Arbeiterstadtteil weiterentwickelt. Er ist sehr kinderreich und auch teuer geworden. Aber es ist immer noch ein sympathischer Stadtteil, immer noch ehrlich“, sagt Florian Kröger.

Das Herz schlägt für den Laden. Und fürs Viertel.

Die Gegend sei nach wie vor ruhig, auch wenn in den vergangenen Jahren die Große Bergstraße und die Ottenser Hauptstraße mehr zusammengewachsen seien. Sein Geschäft ist eines der wenigen inhabergeführten alten Geschäfte, die es in der Gegend noch gibt. Sechs Mitarbeiter hat Florian Kröger. Seine Frau führt das Café nebenan und auch er selbst steht sechs Tage die Woche im Laden. „Ich habe früher auch etwas anderes ausprobiert, aber der Laden gehört einfach zu meinem Leben dazu“, sagt der gelernte Restaurantfachmann.

(© Mirjam Rüscher )

Er hat eine Weile in Eimsbüttel gewohnt, bevor er wieder nach Ottensen zurückkehrte. Drei Generationen der Familie wohnen heute im Haus neben dem Geschäft. Senior Michael Kröger und Florian Kröger mit seiner Frau und seinen Kindern. Die jüngste Generation Krögers zeige sich sehr interessiert an dem Familienbetrieb. Aber ob sie eines Tages das Geschäft übernehmen werden? „Wer weiß. Dafür sind sie jetzt noch viel zu jung“, sagt Florian Kröger. Im Moment hätten seine Kinder noch ganz andere Wunschberufe wie Geheimagent oder Superheld.

Mehr Informationen: www.claus-kroeger.de

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