(© Philipp Jung )

Jugendkunsthaus Esche: Die Brutstätte für kreativen Nachwuchs

Zwischen Ottensen und Kiez hat sich über 16 Jahre hinweg ein Ort entwickelt, der Kreative unter einem Dach vereint. Einer der Mieter im kreativen Patchwork-Hotspot: das Jugendkunsthaus Esche.

Esche-Geschäftsführer Andreas Fleischmann (35) sieht müde aus heute. „Meine Kollegin ist im Urlaub, da habe ich hier gut zu tun”, sagt er und begrüßt parallel die hereinströmenden Kids. Der Graffiti-Kurs unter Leitung des legendären und nicht minder lässigen Beat Boy Delles startet gleich. Die Esche im Erdgeschoss ist jüngstes Mitglied der umtriebigen Mieterschar im Eschelsweg. Am 1. Februar 2016 feierte das Jugendkunsthaus seine Eröffnung. Das Ziel: Kinder und Heranwachsende ab der 5. Klasse an die Kunst heranzuführen und sie langfristig zu halten. Die Esche ist spendenfinanziert – und wird wunderbar angenommen. Rund 150 bis 200 Kinder nutzen die insgesamt 18 kostenlosen Kurse von Tanz bis Songwriting, DJing, Trickfilm oder Rap jede Woche. „Bei uns wird nicht gechillt“, betont Andreas. „Wir haben eine Küche, in der immer Äpfel oder Tee und Wasser stehen. Aber ausruhen dürfen sich die Kinder hier nicht. Sie müssen dann schon an einem der Kurse teilnehmen.“

Schlaflose Nächte hatte Andreas, als die Esche loslegte. Der Wahl-Hamburger und geborene Münchner begleitete den Verein von Anfang an, vernetzte sich, bildete Schulkooperationen und holte starke Partner wie Lütville oder DeluxeKidz ins Boot. „Ich hatte Albträume, dass niemand kommt, wenn wir eröffnen.“ Immerhin hat die Hamburger Familie, die die Esche ins Leben rief, viel investiert und auf rund 600 Quadratmeter helle und moderne Trainings- und Gruppenräume geschaffen, die auch bespielt werden wollen. Andreas’ Sorge hat sich inzwischen erledigt. Denn für das, was die Esche bietet, herrscht großer Bedarf – in Altona und darüber hinaus. Die Jugendlichen kommen aus der ganzen Stadt, auch wenn Andreas seinen Schwerpunkt in der Vernetzung auf diesen Stadtteil legt. „Wir möchten hauptsächlich Kinder erreichen, deren Eltern sich keine Tanz- oder Malschule leisten können. Wenn man Eltern hat, die Flyer lesen, dann sind das meistens engagierte Eltern. Deren Kinder kommen sowieso. Wie aber erreiche ich die anderen? Das versuche ich über die Jugendberatungszentren, die Schulen, das Jugendamt, den Jugendschutz. Die Jugendschutz-Polizei hat auch gerade Kinder vorbeigebracht“, so Andreas. „Wir wollen eine Ergänzung für die offene Kinder- und Jugendarbeit sein. Jugendzentren bieten auch Kickern und Ähnliches an, das machen wir nicht. Hier gibt es nur feste Kurse.“

Neben dem eigenen Programm vermietet die Esche auch Räume für Veranstaltungen oder organisiert Workshops, zum Beispiel an die Zeit-Stiftung, um diese möglichst gut auszulasten und weitere Synergien zu bilden. Das funktioniert auch innerhalb des Hauses. „Wir passen wunderbar rein hier, sind bereits bestens mit allen vernetzt.“ Klingt klasse, läuft klasse und fühlt sich klasse an. „Die Esche, glaube ich, kann Lebenswege ändern. Wir wollen Jugendliche nachhaltig für Kunstformen begeistern. Die hängen sich echt rein. Ich weiß, einige haben es nicht leicht da draußen. Aber hier finden sie ihre Struktur.“

Mehr Informationen: www.esche.eu

Autorin: Regine Marxen

Melde Dich für unseren Newsletter an und sei immer ganz nah dran an Deinem Hamburg.

Jetzt anmelden

Weitere Artikel aus Deinem Viertel

kiekmo

kiekmo

gratis in Deinem Appstore:

kiekmo im AppStore laden kiekmo bei GooglePlay laden