Ein bisschen Chaos und ganz viel Spaß: der Kneipenchor wird 5 ThisIsJulia Photography )

Jubiläumskonzert: Der Hamburger Kneipenchor feiert Geburtstag

Unkonventionell. Gut gelaunt. Und stimmgewaltig. Der Hamburger Kneipenchor wird 5. Und gibt ein großes Jubiläumskonzert im Knust.

Dienstagabend, kurz vor halb acht. Im Clubheim am Schanzenpark wird’s laut. Fast gleichzeitig trudeln um die 30 Leute ein. Ein großes Hallo. Ein erstes Bier. Und dann: Warm machen. Nicht sich, sondern die Stimmbänder. Aaaaaaaaaaaah, tönt es durchs Clubheim. "Wir haben einen festen Probenablauf, das Einsingen gehört dazu", betont Chorleiter Arne Straube. Doch das ist auch das einzige, was der Hamburger Kneipenchor mit einem klassischen Chor gemeinsam hat. Ansonsten: ein bisschen gepflegtes Chaos und ganz viel gute Laune.

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Seit Sommer 2017 leitet der 38-Jährige die Gruppe, die mittlerweile ganz offiziell als Verein organisiert ist. In einem Casting hatte sich der Musiker gegen zwei Mitbewerber durchgesetzt. Sein Arrangement des Songs "Wrecking Ball" von Miley Cyrus hatte die Chormitglieder überzeugt. Doch, gibt Arne lachend zu, sei er auch ein bisschen im Vorteil gewesen: "Ich hatte schon mal ein Jahr bei dem Chor mitgesungen und konnte ein bisschen einschätzen, was gut funktionieren könnte."

Gegründet wurde der Kneipenchor von Hilke Cordes. Eine Schnapsidee, wie sie selbst sagt. Aus der Not heraus. Denn in der Stadt ließ sich kein Chor finden, in dem sich die 33-jährige Kommunikationsmanagerin wohlgefühlt hätte. Ein Aufruf bei Facebook schlug sofort an. "Bei der ersten Probe waren wir bereits 20 Leute", erinnert sie sich. Die Bar als Bühne: Der Chor tingelte von Kneipe zu Kneipe, ersang sich eine Runde durch ein kleines Ständchen. Die Koralle, die Hasenschaukel, die Astra Stube, selbst der Lieblings-Asia-Imbiss wurden so bereits besungen. Heute machen doppelt so viele Sänger mit, längst gibt es einen Aufnahmestopp. Der, so Arne, werde aber auch manchmal überzeugend "umsungen".

Spaß am Job: Chorleiter Arne Straube ThisIsJulia Photography )

Doch nicht nur die Stimme zählt. "Es muss auch menschlich passen", betont Hilke Cordes. "Man muss auch Bock auf so Leute wie uns haben." Die hat Chorleiter Arne. "Die Gruppe ist schon speziell", sagt er. Unberechenbarer. "Eigentlich ist es mehr eine Band als ein Chor. Sie lebt ganz stark von seinen einzelnen Charakteren. Jeder kann seine eigene Bühnenpersönlichkeit ausleben." Worum es nicht geht: um Konformität. "Im Klang schon, aber nicht im Auftreten nach außen", sagt Arne. Heißt: Jeder geht auf die Bühne wie er mag.

Ob nun kleine Kneipe oder große Bühne – dem Chor geht’s vor allem um eines: den Spaß. "Wenn wir auf der Bühne eine gute Zeit haben, werden auch die Leute eine gute Zeit haben", weiß Arne aus eigener Erfahrung. Ihn hatte die "liebenswerte Unbeschwertheit" damals auch sofort gepackt. Seine Zwillinge machten ihm nur irgendwann einen Strich durch die Rechnung. "Ich hatte nicht mehr so viel Zeit und ein dauerhaft schlechtes Gewissen", erklärt er seine Pause.

Viele Mitglieder sind bereits seit der ersten Probe dabei. Damals schmetterten sie "Teenage Dream" von Katy Perry als ersten Chor-Song. 25 haben sie mittlerweile im Repertoire. Und das ist nicht auf eine Richtung festgelegt. "Never Give You Up" von Rick Ashley ist dann ebenso dabei wie "Verdammt ich lieb dich" von Matthias Reim oder "Ahnma" von den Beginnern (letzteren gab’s auch als Clip, auf YouTube sahen ihn mehr als 90.000 Leute). Über die neuen Songs entscheidet der Chorleiter. Es gebe zwar immer viel Input aus dem Chor. Aber der sei, so Arne, immer recht chaotisch. "Je länger der Abend, desto länger die Liste", sagt er lachend und zeigt auf den Tresen, Keimzelle der meisten Ideen. "Wir sind ja größtenteils Laien und haben eigentlich keine Ahnung", erklärt auch Hilke Cordes. "Arne erkennt als Musiker nun mal sofort, ob sich ein Song überhaupt im Chor umsetzen lässt." Eine Herausforderung für den 38-Jährigen: "Es ist megaspannend, mir Arrangements zu überlegen und dann zu hören, wie sie funktionieren", sagt er. Im Repertoire landet, was ihm am besten gefällt: "Ich muss mich damit ja auch ein bisschen auseinandersetzen und mir das ein paar Mal anhören. Das fällt mir schon leichter, wenn es ein Song ist, den ich gern mag. Und der bei den Leuten ankommt."

Gründete den Chor: Hilke Cordes ThisIsJulia Photography )

Denn das sei überhaupt das Schönste bei den Auftritten: "Wenn du in die fragenden Gesichter der Zuschauer blickst, weil sie den Song nicht sofort erkennen. Und sie dann anfangen zu grinsen und plötzlich lauthals mitsingen", sagt Hilke Cordes. Ihr Highlight: die Auftritte beim Summer’s Tale und beim Knust-Geburtstag 2016. "Wir spielten direkt vor Kettcar und die Band stand bereits neben der Bühne und sah zu. Da waren wir alle ganz schön nervös", gibt sie zu. Dass sie allerdings nur noch auf den großen Bühnen der Stadt unterwegs sind, sei nicht das Ziel. "In diesem Jahr wollen wir wieder mehr durch die Kneipen ziehen", sagt sie. "Es macht den Chor schließlich aus, dass wir verwurzelt sind in der Unbefangenheit: Irgendwo hingehen, Bier trinken und einfach mal singen." Das sei im vergangenen Jahr wegen des Chorleiterwechsels etwas auf der Strecke geblieben.

Eine große Ausnahme machen sie gleich im März. Dann steht nämlich die große Geburtstagsparty an. Im Knust veranstaltet der Kneipenchor seinen ersten eigenen Abend. Das macht alle schon ein bisschen nervös. "Uns wird langsam klar, dass das echt noch mal was anderes ist", sagt Hilke Cordes. Bislang sei das längste Konzert eine halbe Stunde gewesen. Jetzt müsse man sich schon mal ein ganzes Programm überlegen und dürfe das auch nicht einfach auf sich zukommen lassen. "Der Chor trinkt gern Bier und hat Spaß", sagt sie. Doch diesmal müssen alle am Ball bleiben und die Sache ernst nehmen. "Schließlich verkaufen wir Karten und müssen eben auch abliefern." Zu hören gibt es dann einen Querschnitt aus allen fünf Jahren. Außerdem wird es ein paar bekannte musikalische Überraschungsgäste geben. Und was kommt dann? Arne muss nicht lang überlegen. "Es soll genau so weitergehen, denn es ist total cool!"

Infos: www.kneipenchhor.de

Was? Große Geburtstagsparty "mit viel Gesang, viel Bier und viel Liebe." Und jeder Menge Gäste und Wegbegleiter.
Wann? 29.3.2018, 20 Uhr
Wo? Knust
Tickets? Gibt es hier!

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