Verlieren ihren Humor trotz des Umweltskandals nicht: Die Surfrider Norma Schemschat, Rainer Uhl, Frank Blume und Tim Bossart (von links) Philipp Jung )

Immer Meer Müll: Umweltaktivisten kämpfen gegen Plastik

Die Surfrider Foundation will weltweit Meere und Flüsse schützen, Menschen sensibilisieren. Von Hamburg aus ist eine deutsche Gruppe aktiv – unter anderem mit regelmäßigen "Beach Clean Ups" am Elbstrand.

8 Millionen Tonnen Müll landen jedes Jahr weltweit in unseren Ozeanen. Das ist genauso viel, als würde jede Minute ein Lkw seine Ladung ins Meer kippen. „Wenn das so weitergeht, gibt es 2033 mehr Plastik als Fische im Wasser“, sagt Frank Blume. Grund genug für den Hamburger, sich für die Surfrider Foundation zu engagieren

Wenn das so weitergeht, gibt es 2033 mehr Plastik als Fische im Wasser.

Um der Vermüllung der Meere Heer zu werden, haben die G20 bereits einen Aktionsplan verabschiedet. Denn die Aussichten sind düster. Prognosen zufolge werden 2033 bereits zwei Müllwagen pro Minute ihren Inhalt ins Meer kippen, 2050 sogar vier. Schon heute sollen rund 150 Millionen Tonnen Plastik im Wasser schwimmen, die sich seit 1950 (in dem Jahr kam das erste Plastik auf den Markt) angesammelt haben. Die Folgen: katastrophal. Mehr als 1 Million Seevögel verhungern jährlich elendig bei vollem Magen, weil Plastik ihn verstopft hat. Korallenriffe versinken im Müll, der Strand unbewohnter Inseln ist als solcher nicht mehr erkennbar. Jedes Jahr verenden rund 100.000 Meerestiere an verschlucktem Plastik oder in Geisternetzen, die in den Meeren herumtreiben. „Es gibt heute schon Stellen im Meer, da schwimmt mehr Plastik als Plankton“, sagt Blume und zeigt auf drei große Müllsäcke, die er gerade erst morgens am Elbstrand einsammelte. „Das wollen wir verhindern.“

Es gibt heute schon Stellen im Meer, da schwimmt mehr Plastik als Plankton

Dabei gehört der Verein, der seinen Ursprung vor 20 Jahren im französischen Biarritz hatte und seit 2011 von Hamburg aus für Deutschland aktiv ist, nicht zu den Lauten. „Wir blockieren keine Schiffe“, sagt Blume. „Wir wollen die Menschen sensibilisieren, stellen Kontakt zur Industrie her. Hier wollen wir vermitteln. Es geht um einen Sinneswandel.“

Initialzündung für den Einsatz

Das weiß auch Rainer Uhl. Der 46-Jährige hat die Surfrider Foundation 2011 nach Deutschland geholt. Von den Folgen der Vermüllung war er selbst einst betroffen. „Als Surfer hatte ich mir im Atlantik eine bakterielle Mittelohrentzündung zugezogen, das war die Initialzündung für mich, etwas zu unternehmen“, sagt er rückblickend. „Dadurch, dass ich eh ständig am Meer bin, bin ich ohnehin sehr sensibilisiert. Und: Als Vater von zwei Kindern ist mir viel daran gelegen, eine möglichst saubere Erde zu hinterlassen.“

Pikant: Der Umweltschützer kennt auch die andere Seite sehr gut. Schließlich ist er in der Kunststoffindustrie tätig. Einerseits also Verursacher, andererseits Teil der Lösung? „Es ist gut, beide Seiten zu kennen“, sagt Rainer Uhl. Er weiß: Ohne Kunststoff geht’s nicht. Aber ein verantwortungsbewusster Umgang damit ist umso wichtiger. „Ich kann viele Dinge antreiben und zur Diskussion stellen: Wo kann ich vielleicht auf Kunststoff verzichten? Und wie sauber kann ich eine Verpackung produzieren? Themen wie Recycling, geschlossene Produktionskreisläufe oder der Einsatz von sogenannten Biokunststoffen spielen eine immer größere Rolle – somit ist es auch seitens der Industrie notwendig, Themen wie diese voranzutreiben.“

Mikroplastik-Problem scheinbar unlösbar

Wie wichtig ein Umdenken ist, zeigen auch die Zahlen: Laut Bundesministerium für Bildung und Forschung stammen 62 Prozent des Plastikmülls in Europa von Einwegverpackungen. Doch es geht nicht nur um den sichtbaren Plastikmüll. Vor allem Mikroplastik entwickelt sich zu einem scheinbar unlösbaren Problem. Die kleinsten Kunststoffteilchen werden zum Beispiel in Kosmetik wie Peelings oder Zahnpasta benutzt und gelangen über unsere Waschbecken in die Meere und damit in die Nahrungskette. Weil die Partikel mit weniger als 5 Millimetern winzig sind, können sie durch die Kläranlagen nicht herausgefiltert werden. Nachgewiesen wurden sie bereits in Seehunden, Fischen, Muscheln und kleineren Organismen.

Die Aktivisten haben den Umweltschutz schon komplett in ihren Alltag integriert. „Ich komm an keiner Sache mehr vorbei, ohne den Meeresschutz dabei zu berücksichtigen“, sagt Rainer Uhl. Auch Frank Blume hat Schritt für Schritt umgestellt: „Ich achte darauf, immer weniger Plastik einzukaufen. Das klappt ganz gut, die Müllsäcke mit dem grünen Punkt werden immer kleiner. Das ist herrlich“, freut er sich. Dennoch, und darauf legt er großen Wert: „Wir sind nicht dogmatisch. Wir wollen lediglich sensibilisieren.“ Am besten gelinge das an Tagen, an denen man gemeinsam den Strand säubere. „Die Teilnehmer sind immer ganz erschrocken, was sie alles finden.“ Schulen und Unternehmen buchen die Umweltaktivisten gern für Vorträge, um über Müllvermeidung aufzuklären. Ein absolutes No-go allerdings: „Mit der Industrie zu kooperieren, nur weil die ein grünes Label haben möchte. Wir machen kein Clean-up mit einem Autohersteller, nur damit er sein Auto besser verkaufen kann“, betonen Blume und Uhl.

Wer die Surfrider Foundation unterstützen möchte, kann sich als Volunteer engagieren, spenden oder Mitglied werden.

Mehr Informationen
www.surfriderfoundation.de

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