(© Muriel Kalisch )

Entdeckt alte Comic-Schätze Im "Kollektiv" in Eimsbüttel

Seit der letzten Marvel-Verfilmung bekommt ihr nicht genug von gezeichneten Geschichten? Im Comic-Antiquariat „Kollektiv“ an der Fruchtallee findet ihr Comicbücher von gestern und heute.

Es begann mit Mickey Maus. Joachims Vater hatte einen Stapel der "Lustigen Taschenbücher" von einem Freund bekommen. Nun lagen sie auf dem Schrank, viel zu weit oben für einen lesebegierigen Sechsjährigen, der die letzte Geschichte schon wieder beendet hatte. Heute sitzt Joachim in seinem Laden und ihn umgeben 100.000 Comics. "Im Kellerarchiv sind vermutlich nochmal genau so viele", sagt er. So viele Geschichten, dass man Jahre und Jahrzehnte brauchen würde, um sie alle zu lesen.

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Comics mit Geschichte

Der Comicbuchladen "Kollektiv" an der Osterstraße verkauft Comics, Romanhefte und Graphic Novels. Am liebsten solche, die schon einige Jahre auf dem Buckel haben. "Wir sehen uns eher als eine Spezialbuchhandlung oder Antiquariat", sagt Joachim. Gemeinsam mit seinem Bruder und einem gemeinsamen Freund hat er den Laden 1992 gegründet – und sein Hobby zum Beruf gemacht. Denn Joachim begann schon in den 1980er-Jahren Comics zu sammeln und es wurden immer mehr. Auch Freunde wussten kaum noch wohin mit den vielen Büchern und so beschlossen sie, andere an ihren Schätzen teilhaben zu lassen. Dabei stießen sie auf eine Marktlücke: Es gab viele Menschen, die sagten: Toll! Das Heft habe ich damals gelesen, das möchte ich wieder haben.

Inzwischen gibt es mehrere Comicläden in Hamburg – mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Mangas, Superhelden oder eben wie bei Kollektiv franko-belgische Comics: Die Geschäfte kommen sich nur selten in die Quere. "Manga-Fans interessieren sich normalerweise nicht für Superhelden – und umgekehrt." So gibt es für jede Nische ein Geschäft. Doch auch viele Sammler melden sich bei den Kollektivisten – jeden Tag verkaufen sie alte Bücher über Ebay. Die können mitunter ganz schön teuer werden.

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Wertvolle Micky Maus-Hefte

"Für das erste Micky Maus-Heft von 1951 kann man schon über 10.000 Euro bezahlen", weiß Joachim – wenn der Zustand stimmt. Kollektiv hat zurzeit eine solche Erstausgabe im Angebot: Mit 5.500 Euro ist sie beinahe ein Schnäppchen, und doch das teuerste Heft im Laden. "Die meisten unserer Comics liegen preislich unter 100 Euro", sagt Joachim. Einen Asterix könnt ihr im Ladeneingang sogar schon für schlappe 4 Euro erwerben.

Neben Sammlern aus dem Internet gehören immer noch Kinder oder ihre Eltern zur Laufkundschaft. "Die Eltern sagen: 'Wir wollen dass unsere Kinder mal etwas richtiges lesen', und kommen dann zu uns." Die meisten Kunden seien aber Männer zwischen 30 und 70 Jahren – obwohl auch immer mehr Frauen in das Geschäft kommen, sagt Joachim. Ob das an sich verändernden Geschlechterrollen oder einfach an der gesteigerten Aufmerksamkeit durch prominente Verfilmungen liegt, das ist schwer zu sagen.

Comics: Beliebt in Frankreich

Trotzdem sind Comicbücher in Deutschland noch immer ein Nischenprodukt. Anders sieht das in Frankreich oder Belgien aus, sagt Joachim: Neue Comics erscheinen dort in einer Auflage von 100.000 bis 300.000 Stück. In Deutschland seien es hingegen maximal 10.000. Joachim glaubt, die Hintergründe lägen noch in der Zeit des Nationalsozialismus begründet: "Comics wurden verboten". Und auch in den 1960er-Jahren wurde den gezeichneten Geschichten vorgeworfen, für die Verrohung der Jugend verantwortlich zu sein. Wer sich in Joachims Laden umsieht und in die farbenfrohen, oft lustigen Bildwelten eintaucht, kann sich das beim besten Willen nicht vorstellen.

Infos: Kollektiv, Fruchtallee 130, 20259 Hamburg; Mo–Fr 11-19 Uhr, Sa 10–14 Uhr

Für Hamburger Leseratten

Ihr bevorzugt Geschichten ohne Bilder? In den schönsten Buchläden Eimsbüttels werdet ihr bestimmt fündig. Bei der Aktion Buch tut ihr Gutes, wenn ihr eure alten Schätze spendet statt sie verstauben zu lassen.

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