(© picture-alliance / Werner Struss )

HVV im Retro-Stil: Im Partysalon über die Schienen

So habt ihr das Schienennetz des HVV garantiert noch nicht erlebt: Im Retro-Stil der späten 50er befördert "Der Hanseat" Partygäste nahezu jedes Wochenende durch Hamburg.

Die schönste Stadt der Welt wäre heute nichts ohne ihre bewegte Geschichte. Sie ist gekoppelt an die tragischen Ereignisse des Zweiten Weltkriegs und den Aufbruch in der Zeit danach. Nicht nur die Bewohnerinnen und Bewohner Hamburgs mussten sich in den Jahren ab 1945 ein neues Leben aufbauen, auch die Hamburger Unternehmen hatten mit den verheerenden Folgen zu kämpfen. Sie bauten Teile der Stadt wieder auf und schufen aus Schutt und Asche Neues. Die Hochbahn war dabei keine Ausnahme: Zunächst hat das Verkehrsunternehmen nach und nach ihre zerstörten Bahnhöfe, Haltestellen und Gleise repariert und wieder in Betrieb genommen. 1958 schließlich, als die stärksten Nachkriegswehen überstanden waren, brachte die Hochbahn das erste neue U-Bahn-Modell seit dem Zweiten Weltkrieg auf die Schiene. Der beige-rote DT1 gehörte damals zum Modernsten, was der öffentliche Personennahverkehr zu bieten hatte.

Rollende HVV-Eventlocation: Party in altem Gewand

Das ist jetzt genau 60 Jahre her. Über 30 Jahre lang waren die 50 Doppeltriebwagen der Serie regulär im U-Bahn-Netz im Einsatz. Mit dem Beginn der 90er Jahre wurden sie ausrangiert, die meisten davon schließlich verschrottet. Nur wenige haben überlebt und warteten darauf, auch zum alten Eisen geworfen zu werden. So schien es zumindest. Denn einer von ihnen sollte zukünftig seinen zweiten Frühling auf den Gleisen des HVV erleben. Etwa 10 Jahre nachdem der DT1 aufs Abstellgleis gestellt worden war, erkannte die Hochbahn den nahenden Retro-Trend und sprang auf den Zug auf: "Wir haben den Wagen Anfang des Jahrtausends wieder ausgepackt und 2001 zur rollenden Eventlocation umgebaut", verrät Dennis Ross von der Hochbahn.

Der wieder herausgeputzte "Hanseat", wie die Retro-U-Bahn heute heißt, besteht aus zwei mit einem Durchgang verbundenen Wagen. Der eine wurde originalgetreu restauriert und bietet damit einen Einblick in vergangene Zeiten. Darin befinden sich 28 Sitzplätze, dazu Tische, an denen gegessen werden darf. Der "Luxus", den wir heute nur noch aus Fernzügen kennen, war damals offenbar auch auf kürzeren Strecken innerhalb der Stadt üblich. Der zweite Wagen dient als fahrender Partyraum. Er wurde aufgehübscht und mit heutiger Technik ausgebaut. Dazu gehören ein Tresen inklusive Zapfanlage, eine Toilette, Cateringzubehör, Lautsprecher und, klar, eine Tanzfläche. Insgesamt reicht der Platz für bis zu 50 Partygäste.

Feiern in der Bahn: Stellt euch die Strecke selbst zusammen

Heute ist die Bahn wieder beinahe jedes Wochenende unterwegs und beliebt wie nie zuvor. Ob Junggesellenabschied, Hochzeitsfeier oder Geburtstag: Die Fahrgäste reißen sich um die Plätze. "Der September und Oktober sind schon komplett ausgebucht, da muss man schon weiter im Voraus planen", so Ross. Und auch freie Termine für Weihnachtsfeiern sind rar gesät: "Wer bereit ist, an einem Dienstag oder Mittwoch zu feiern, der findet sicherlich noch einen freien Tag. Die Wochenenden sind aber schon voll." Und das trotz des stolzen Preises: 780 Euro bezahlt die Partymeute für die ersten zwei Stunden. Jede weitere Stunde auf der Schiene schlägt mit 300 Euro zu Buche. Die Wartung eines solchen Oldtimers ist schließlich nicht billig. Richtig gut wird die Party auch erst mit Catering und dem entsprechenden Servicepersonal. Und das muss zusätzlich gebucht werden.

Dafür erlebt ihr die Stadt, wie ihr sie noch nie erlebt habt. Ihr könnt die Strecke, die euer Partyzug abfahren soll, im Vorfeld nahezu komplett nach euren Wünschen zusammenstellen. Hauptsache, eure Fahrt beginnt und endet an einer der Haltestellen der Ringlinie U3. Davon abgesehen ist keine der vier Hamburger U-Bahn-Linien tabu. "Das Sahnestück ist natürlich die U3", erklärt Dennis Ross, "damit hat man zwischen Baumwall und Landungsbrücken einen tollen Blick auf den Hafen und die Elbphilharmonie. Die U2 macht nicht viel Sinn, weil sie nur durch unterirdische Tunnel führt. Auch die U1 lohnt sich, denn sie fährt außerhalb der Innenstadt größtenteils oberirdisch durchs Grüne. Und auch die U4 wird mit ihren neuen Haltestellen in der HafenCity immer beliebter."

Noch ist "der Hanseat" fit wie kaum ein anderer Rentner. Wie lang das noch so geht, vermag wohl kaum jemand zu sagen. Im Moment ist es aber nicht ausgeschlossen, dass er auch in 10 Jahren auf der dann voraussichtlich frisch eröffneten Linie U5 unterwegs sein wird.

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