kiekmo )

HVV bestätigt: Bau der S4 geht los!

Nach langen Planungs- und Genehmigungsprozessen ist es nun amtlich: Die neue S4 zwischen Altona und Bad Oldesloe darf rollen! Und damit rund 25.000 Menschen in Hamburg und Schleswig-Holstein direkt an das Nahverkehrsnetz anschließen.

Zumindest auf dem ersten der drei Bauabschnitte heißt es jetzt: Grünes Licht! Am 26. August überreichte das Eisenbahn-Bundesamt der Deutschen Bahn den ersten Planfeststellungsbeschluss – das ist fast gleichzusetzen mit der Baugenehmigung. Auf den 2,8 Kilometer zwischen Hasselbrook und Luetkensallee in Wandsbek rücken also bald – noch 2020 – Bauarbeiter und Gerätschaften an. Der Teilabschnitt befindet sich auf der östlichen Verlaufsstrecke der S4 zwischen Hamburg-Altona, Hauptbahnhof, Rahlstedt, Ahrensburg und Bargteheide bis nach Bad Oldesloe – die S4 löst die RB81 ab.

Viel Arbeit auf kurzer Strecke

Im Verhältnis zu den insgesamt 17 Kilometer Strecke, die für die S4 neu gebaut werden, scheint der betroffene Abschnitt auf den ersten Blick kurz. Allerdings haben die dortigen Baumaßnahmen es in sich: Denn am S-Bahnhof Hasselbrook müssen zwei neue Gleise aus dem bestehenden Netz ausgefädelt werden. Dafür muss ein sogenanntes Überwerfungsbauwerk her, das sich östlich der Station Hasselbrook befinden wird. Hierfür ist wiederum der Abbau zweier Abstellgleise notwendig. Als wäre das nicht schon ein ordentlicher Haufen Arbeit, muss zur Weiterführung der S4 eine neue Bahnbrücke über der Hammer Straße gebaut werden. Der Wandsbeker Bahnhof wird abgebaut – als Ersatz gibt es dann zwei neue Haltestellen an der Claudiusstraße und an der Bovestraße. Die jetzigen beschrankten Bahnübergänge werden Unterführungen weichen.

Zusätzlich (!) bekommt der Bahnhof Hasselbrook ein neues elektronisches Stellwerk und Wandsbek wird mit einem Gleichrichterwerk ausgestattet. Zwischen der Bovestraße und dem Holstenhofweg wechselt die Bahn von den seitlichen Stromschienen der Hamburger S-Bahn zur Oberleitung der Fernbahn – dafür gibt es zwischendurch einen stromlosen Abschnitt. Bedeutet: Die Bahnen müssen später mit ordentlich Stundenkilometer auf dem Tacho durch den Abschnitt rauschen, damit sie nicht liegen bleiben. Verrückt, oder?! Und obwohl die Züge der S4 für bis zu 160 km/h ausgelegt sind, sollen sie auf dem Abschnitt maximal 100 km/h fahren dürfen.

Ungewöhnliche Auflagen für die Bahn

Zum Schutze der Anwohner sind die Auflagen klar und deutlich: Allein zwischen Hasselbrook und Luetkensallee müssen sechs Meter hohe Lärmschutzwände her. Und zwar auf 9,5 Kilometer. Moment, fragt ihr euch jetzt vielleicht, die Teilstrecke ist doch keine drei Kilometer lang? Stimmt. Die Wände sind aber auch an anderen Stellen, beispielsweise zwischen bestehenden S- und Fernbahngleisen geplant. Eine weitere Schallschutzmaßnahme sind "Besonders überwachte Gleise" – hier sorgen besonders glatte Schienen für weniger Geräuschbildung. Eingebaute Schmierschieneinrichtungen sollen Quietschen in den Kurven verhindern.

Außerdem muss die Bahn für jeden Baum, der zum Bau der S4 gefällt wird, Ausgleichszahlungen leisten – 1.000 bis 1.400 Euro pro Baum! Für den ersten Teilabschnitt ergibt das etwa 410.000 Euro. Jetzt die Matheaufgabe: Wie viele Bäume werden also gefällt? Bahnhofs- und Gütergebäude in Wandsbek stehen unter Denkmalschutz und müssen trotz Aufgabe des Bahnhofs erhalten bleiben.

S4 in Hamburg: Ein Milliardenprojekt

Günstig ist das alles nicht: Das Gesamtprojekt S4 schlägt in der aktuellen Planung mit 1,847 Milliarden Euro zu Buche. 1,557 Milliarden Euro trägt der Bund. Rund 100 Millionen gehen für den Lärmschutz drauf. Wenn alles glatt läuft, könnte die S4 bereits 2025 zwischen Altona und Rahlstedt verkehren, 2027 dann bis nach Bad Oldesloe. Drei weitere neue Stationen bekommt die Strecke: Holstenhofweg und Am Pulverhof in Hamburg sowie Ahrensburg-West in Schleswig-Holstein.

Was den Baustart jetzt noch verzögern könnte? Eine Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss. Die "Bürgerinitiative an der Bahnstrecke Hamburg–Lübeck" hat diese bereits angedroht. Auch der "Verein Lärm- und Umweltschutz Wandsbek-Marienthal" und die "Bürgerinitiative an der Bahnstrecke Hamburg-Lübeck" machen aktiv. Sie sprechen sich dagegen aus, die S4 durch die Wohngebiete zu leiten.

Melde dich für unsere kostenlose Zusammenfassung aller News aus deinem Viertel an. Jede Woche neu.

Jetzt kostenlos anmelden

Weitere Artikel aus deinem Viertel

kiekmo verbindet Hamburger mit ihrer Stadt, ihrem Viertel, ihren Nachbarn.

Suche und biete, was du brauchst oder kannst, entdecke ständig Neues und nutze die kostenlosen Schließfächer der Haspa-Filialen in deiner Nähe.

Cookie-Einstellungen

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind notwendig, während andere uns helfen, diese Website und eure Erfahrung zu verbessern sowie Marketing zu betreiben. Mehr Infos findet ihr in der Datenschutzerklärung.